15.04. – 24.04.2018 Marsh Harbor – Wir müssen geduldig sein…

Samstag und Sonntag liegen wir gut an unserem Ankerplatz nördlich von Marsh Harbor. Wir schmieden Pläne und überlegen noch einmal, wo wir denn in Europa anlanden wollen. Wieder einmal bewahrheitet es sich, dass Pläne zum Ändern da sind. Wir werden die „Step By Step“ nun also nach Süd-Spanien nach Almerimar in der Nähe von Malaga bringen. Das erspart uns die nass-kalte Fahrt nach Nord-Europa und die letzten Etappen unserer Reise sind an der Algarve und rund um Gibraltar wärmer und sonniger. Außerdem ist ein Katamaran in dieser Gegend viel besser aufgehoben und der Markt für einen evtl. Verkauf ist deutlich größer als in den Niederlanden.

Als dann am Montag, 16.04., der Wind nach dem Durchzug einer Kaltfront auf NW dreht und zunimmt, ändert sich das Bild am Ankerplatz innerhalb einer halben Stunde schlagartig. Es entsteht eine unangenehme Welle und bei 20-25 kts Wind haben wir sogar ein paar Schwierigkeiten, den Anker hoch zu bekommen, dazu strömender Regen. „Step By Step“ legt sich immer wieder quer zu Wind und Welle und will über die Ankerkette fahren.

Erst Regen
Dann Wind

Wir „flüchten“ um die Ecke und ankern nach 6 sm vor der Marina des „Abaco Beach Resort“. Hier haben wir wieder Ruhe. Die Abdeckung der Insel sorgt dafür, dass wir nur noch 10-12 kts Wind und gar keine Welle mehr haben. Allerdings haben wir hier keinen Land-Zugang. Wir könnten unser Dinghi für 25,- $ in der Marina parken, aber das ist uns zu teuer. Wir müssen auch nichts Dringendes erledigen, also vertreiben wir uns die Zeit mit Wäsche waschen und lassen anschließend den Wassermacher laufen, um den Verbrauch wieder aufzustocken.

Wir stellen fest, dass die deutsche Segelyacht „Lili“ auch in der Gegend ist. Aus deren Blog wissen wir, dass sie auch nach Bermuda wollen. Vielleicht können wir unsere „Reisegruppe“ noch vergrößern?

Am Dienstag nimmt der Wind wieder ab und wir fahren weiter nach „Great Guana Cay“ im Norden von Great Abaco. Bei 10 kn Wind von vorne lassen wir es ruhig angehen und kreuzen. Deshalb werden aus den 9 sm direkte Entfernung (1,5 Stunden unter Motor) am Ende 18 sm und 4 Stunden Fahrt unter Segeln. Aber warum hetzen? Der Ankerplatz lädt zum Baden ein und an Land gibt es einige nette Bars -am Strand zur Atlantikseite z.B.: das bekannte „Nippers“.

Die Atlantikseite

Sieht aus wie ein Spieleparadies, ist aber die Bar „Nippers“
mit Pool

Wir treffen die „Lesmona“ wieder und laden Karin und Klaus am Dienstag-Abend zum Sundowner auf der „Step By Step“ ein. Am Mittwoch-Nachmittag gehen wir gemeinsam an Land und erkunden die Gegend. Was wir sehen, gefällt uns sehr gut: ein traumhaft schöner Strand, bunte Häuser und nette Bars.

Baumarkt auf Great Guana

Die Natur holt sich zurück, was Ihr gehört

Als wir zurückkommen, staunen wir nicht schlecht: Die „Jade“ ankert direkt neben uns. Das riecht nach einem weiteren deutsch- amerikanischen Spiele-Abend. Wir haben alle viel Spaß dabei, obwohl es schon wieder einmal Anja ist, die die Runde Skib-Bo für sich entscheidet.

Am Donnerstag verlässt uns die „Lesmona“, dafür kommt später die „Lili“ mit Jens und Britta in die Bucht. Während Robin am späten Nachmittag am Strand mit viel Geduld einige Kokosnüsse erntet und schält, fahre ich bei der „Lili“ vorbei und sage Hallo.

Kokosnüsse schälen ist Schwerst-Arbeit

Am Freitag zieht dann auch die „Jade“ von dannen. Sie müssen zur US-Küste zurück. Da nehmen auch wir Anker auf. Das Wetter soll schlechter, ja sogar regnerisch, werden und so langsam könnten wir unseren Kühlschrank mal wieder auffüllen. Auf nach Marsh Harbor zum Einkaufen! Robin wünscht sich unterwegs noch einen Badestopp, aber der muss leider ausfallen, weil es bereits auf der Hälfte des Weges zu regnen beginnt.

Die „Eleonore“ ist schon seit ein paar Tagen hier. Jetzt wollen wir langsam das Wetter für die Überfahrt nach Bermuda beobachten und letzte Vorbereitungen treffen. Später am Nachmittag trifft dann auch die „Lili“ ein und gemeinsam drehen wir den Wetterbericht von rechts auf links und auch wieder zurück. Wenn man nur den Wind betrachtet, wäre eine Abreise am Montag perfekt. Raumschots (also Wind schräg von hinten) mit rund 20 kts Mittelwind über den ganzen Zeitraum verspricht ein flotte Fahrt. Aber es ist die ganze Zeit ebenfalls mit einer sehr hohen Regenschauer- und Gewitterneigung zu rechnen. Während die „Lili“ nun schon ein paar Tagen hier oben auf das richtige Wetter wartet, sind wir ja gerade erst angekommen. Ist das wirklich das beste Wetter, welches wir erwarten können? Auch Samstag und Sonntag tauschen wir zwischen Motoren-Wartung und Einkaufen gehen immer wieder Informationen aus, aber so richtig überzeugt sind wir von dem Wetterfenster nicht. Es ist so wechselhaft. Außerdem regnet und gewittert es seit Freitag hier auch ständig. Wollen wir wirklich bei so einem Wetter die erste ganz lange Passage starten?

So kommt es, dass die „Lili“ am Montag-Mittag den Anker aufnimmt und losfährt, während die „Eleonore“ und wir noch etwas ausharren werden. Fast sind wir ein bisschen neidisch auf die „Lili“, aber wir wollen auch auf Peter und seine „Once-Around“ warten. Er ist noch in Nassau und kann nicht vor Ende der Woche zu uns stoßen. Mittlerweile gibt es täglich um 21.30 UTC ein Trans-Atlantic-Cruiser-Net auf Kurzwelle 12350 kHz (USB). Dort haben wir auch die „Minnie B“ kennengelernt. Eine irische Yacht, die ebenfalls nach Bermuda will. Am Montag-Nachmittag klopft Phil dann an die Bordwand und wir tauschen unsere Pläne und Vorstellungen aus. Es scheint zu passen. Dann wären wir schon zu viert!

Mittlerweile ist es Dienstag und heute regnet und donnert es fortlaufend. Wir können über den gesamten Vorhersage-Zeitraum bis einschließlich der ersten Maiwoche kein passendes Wetterfenster erkennen. Wenn die Schauer- und Gewitter-Neigung am Mittwoch/Donnerstag endlich nachlässt, haben wir Gegenwind zu erwarten. Wir werden wohl noch etwas Geduld haben müssen, aber nach Xavier Naidoo dauert es dann ja bekanntlich nicht mehr lang!

[ssba]

6 Kommentare

  • Annika

    25. April 2018 at 20:55 Antworten

    Geduld ist eine Tugend! Und ich finde das „Warten“ ist auch eine ganz gute Vorbereitung für eure Rückkehr, denn einfach ins Auto setzen, losfahren und problemlos ankommen gibt es auf den Straßen und Autobahnen in DE bekannterweise ja auch nicht 😜

    Ich drücke euch die Däumchen für ein schöneres Wetterfenster!!

    • Andre Schulz

      26. April 2018 at 14:20 Antworten

      Interessanter Vergleich mit deutschen Autobahnen! Aber mit wochenlangen Verzögerungen muss man doch nicht rechnen, oder mittlerweile doch? Obwohl: auf mehrere Monate hochgerechnet….vielleicht schon!

      • Annika

        26. April 2018 at 22:04 Antworten

        Ja gut, der Vergleich hinkt zugegebenermaßen ein wenig. Aber Geduld benötigt man dennoch bei beiden Dingen 😜

  • Oliver

    27. April 2018 at 15:19 Antworten

    Hallo ihr 3! Sicherlich findet ihr den richten Absprung nach Bermuda. Lese immer mal wieder in eurem Block -mit Wehmut- war unter anderem sehr beeindruckt von der self made Rolle des Genua-Schotwagens – die wird wohl unverwüstlich sein. Liebe Grüße Oliver (ehemals JoEmi)

    • Andre Schulz

      27. April 2018 at 15:57 Antworten

      Hallo Oliver. Wie schön, von Dir zu hören. Wir bemühen uns, ausreichend Geduld aufzubringen, aber es ist schwerer als gedacht. Je länger es dauert, desto mehr Kompromisse sind wir bereit einzugehen. Ich habe sogar die Sturmfock wieder ausgegraben! Keine Sorge! Das war natürlich ein Scherz! Die wollen wir weiterhin möglichst nicht benutzen, aber ab und zu müssen wir das Handling üben. Ist es wirklich schon fast ein Jahr her, dass wir zusammen hier waren? LG auch an Deine 3 Mädels. Anja, Andre und Robin

  • Oliver

    29. April 2018 at 10:51 Antworten

    Ja, unglaublich es ist wirklich schon ein Jahr her. Hab mal kurz die Wetterdaten angeschaut – es ist wirklich nicht leicht. Aber bitte nicht die Sturmfock, dann lieber ruhig motoren.
    Es hätte:“ ….Euren Blog…“ heißen sollen, Robin ist es sicherlich aufgefallen – immer diese neumodischen Wörter ;-). Wir drücken Euch ganz, ganz doll die Daumen für eine sichere und entspannte Fahrt. Liebe Grüße aus Berlin.

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