abenteuerliche Erlebnisse im Norden Martiniques und im Regenwald Dominicas

Bis nach Saint Pierre im Norden von Martinique sind es nur 17 sm und bereits um 14 Uhr am Montag, 16.01.2017, werfen wir neben der Eleonore den Anker.

Saint Pierre ist heute ein kleiner Ort am Fuße des Vulkans Mt. Pelée. Früher war St. Pierre der kulturelle, wirtschaftliche und soziale Mittelpunkt Martiniques mit ca. 30.000 Einwohnern. Dies änderte sich dramatisch am Morgen des 8. Mai 1902. Der Vulkan brach aus und ein gigantischer Feuerball aus überhitztem Gas flog über die Stadt und tötete beinahe jeden. Es gab nur 2 Überlebende: einen Schuster und einen inhaftierten Mörder, dem die dicken Steinwände seiner Gefängniszelle das Leben retteten. Zudem wurden 12 Schiffe vor Anker in der Bucht zerstört, deren Wracks noch heute auf dem Grund liegen und beim Tauchen entdeckt werden können.

Heute hat St. Pierre ca. 4.300 Einwohner und an einigen Stellen findet man noch Ruinen (z.B. des Theaters und des Gefängnisses).

Ein schöner Weg führt zur Statue der Jungfrau Mary, von wo man einen tollen Blick über die Stadt und die Ankerbucht hat.

Der Sonnenuntergang ist atemberaubend schön.

Da der Ort ansonsten nicht viel zu bieten hat, wollen wir eigentlich bereits am  Mittwoch 18. Januar weiter, aber da an diesem Tag noch die JoEmi und die Pierina kommen wollen, bleiben wir noch. Außerdem ist auch unser ehemaliger Liegeplatznachbar aus Stavoren, Ralf,  mit Freundin Ursula gerade auf Charterurlaub in der Karibik und liegt ebenfalls neben uns in der Bucht. Wir entscheiden, dass wir alle zusammen am nächsten Tag, Andres Geburtstag, nach Roseau auf die Insel Dominica fahren wollen.

Da wir dadurch noch einen weiteren Tag in St. Pierre haben, beschließen die Eleonore-Crew und wir, am Nachmittag noch einen Ausflug zu einer der zahlreichen Rum-Destillerien zu machen. Leider verlaufen wir uns ein bisschen und als wir später doch auf dem richtigen Weg sind, erreicht uns ein besorgniserregender Anruf der Diana-Crew, die uns mitteilt, dass der Anker der Eleonore nicht hält und das Schiff durch die Bucht treibt. Zum Glück ist inzwischen auch die JoEmi angekommen und Markus, Oliver und Ralf versuchen mit ihren Dinghies das Schiff zu stoppen. Wir machen uns sofort auf den Rückweg und Skipper Thomas joggt schnell den Weg zurück, während wir mit den Kindern etwas langsamer zurück laufen.

Als wir später in der Ankerbucht ankommen, ist alles wieder unter Kontrolle. Die Männer haben das Schiff „eingefangen“ und Segel gesetzt, damit dieses nicht weiter abtreibt. Es wird neu geankert und die Aufregung legt sich etwas. Abends gibt es noch einen Sundowner auf der Eleonore und wir trinken auf das erfolgreiche Rettungsmanöver. Und wieder einmal sind wir froh, in der Gruppe unterwegs zu sein, in der jeder auf jeden aufpasst. Viele Schiffe in der Bucht haben das Abtreiben der „Eleonore“ gesehen, aber kein anderer hat etwas unternommen.

Am nächsten Morgen schüttet es zunächst wie aus Eimern und wir haben wenig Lust, unsere Kojen zu verlassen. Gegen 8 Uhr hört der Regen aber auf und die Sonne lässt sich wieder blicken. Bei schönem Segelwind mit 20 – 25 kn zwischen den Inseln fahren wir mit gerefftem Groß und Genua nach Dominica. Kurz vor Erreichen der Ankerbucht besucht uns noch eine große Delfinfamilie mit ca. 20 Tieren und begleitet uns ein Stück. Wir haben schon lange keine Delfine mehr gesehen und freuen uns sehr. (Anmerkung von Andre: Dieses Sahnestück von Segelwetter war das beste Geburtstags-geschenk überhaupt!)

Am frühen Nachmittag erreicht unsere Reisegruppe die Bucht vor Roseau und wir reservieren uns bei SeaCat Mooring-Bojen für uns alle. Leider sind im Moment nur welche ganz im Süden der Bucht frei und der Weg bis zur Stadt ziemlich weit. Sea Cat wurde uns bereits an mehreren Stellen empfohlen und gilt als einer der besten Inselführer. Er heißt mit bürgerlichem Namen Octavius Lugay und gilt als sehr zuverlässig und kann bei vielen Dingen behilflich sein. So bringt er die Skipper auch gegen Zahlung eines kleinen Entgelts direkt ans andere Ende der Bucht zum Einklarieren zum Zoll.

Da wir am Abend gemeinsam Andres Geburtstag feiern wollen, bestellen wir gleich noch Eiswürfel bei ihm, die bereits kurze Zeit später geliefert werden. Wir haben einen schönen Abend und finden auch mit insgesamt 21 Personen Platz auf unserer „Step by Step2“. Leider haben wir die „Croix du Sud“, die am anderen Ende der Bucht liegt, nicht mehr erreichen können. Sonst wären es gar 25 Personen gewesen.

Für den nächsten Tag haben wir bei Sea Cat eine Inseltour gebucht. Bereits um kurz nach 9 werden wir alle von unseren Booten abgeholt und in 2 Kleinbusse verteilt. Dann geht es los. Zunächst fahren wir zum Ausgangspunkt eines Wanderweges zum Middleham Wasserfall. Auf dem Weg halten wir immer mal wieder an und unsere Fahrer pflücken uns unbekannte Früchte und Blüten von den Bäumen, die wir erklärt bekommen und probieren können. Die Wanderung zum Wasserfall dauert ca. 45 Minuten (auch wenn wir auf dem Hinweg dank vieler Erklärungen etc. gefühlt ungefähr doppelt so lange brauchen). Der Weg führt durch tollen Regenwald und ist sehr abenteuerlich und ziemlich anstrengend.

Am Wasserfall angekommen machen wir eine erfrischende Badepause in dem doch sehr kühlen Wasser.

Den Rückweg legen wir deutlich schneller zurück und wir werden am Ende von Sea Cat mit frischer Passionsfrucht belohnt.

Unser nächster Stopp führt uns zu einem Wasserfall, der nur erreicht werden kann, indem man schwimmend durch eine Art Höhle schwimmt. Das Wasser ist kalt und es gibt ziemlich starke Unterströmungen, die das Schwimmen anstrengend machen. Ich verzichte auf dieses Abenteuer und auch Robin ist mit einigen anderen Kindern schnell wieder zurück.

Danach geht es weiter zu den Trafalgar Wasserfällen. Auf den Schildern ist ein 10-minütiger Fußmarsch ausgewiesen. Wir machen uns auf den Weg. Bis zu der Aussichtsplattform ist der Weg einfach und gut. Danach wird es anstrengend. Wir klettern im wahrsten Sinne über Stock und Stein, kommen an kleine Wasserstellen, an denen wir nur barfuß oder mit nassen Schuhen weiterkommen.

Am Fuße des großen Wasserfalls ist Badepause. Das Wasser ist nicht so kalt wie an den anderen Wasserfällen und Sea Cat ist noch nicht am Ende seines Ziels. Er treibt uns weiter den Berg zum Wasserfall hoch. Zunächst trauen sich nur Ralf und Ursula. Später folgen Markus und ich. Zwischendurch frage ich mich schon, ob das alles eine gute Idee ist. Der Weg ist definitiv nicht ungefährlich und wage gar nicht mir auszumalen, was wohl passiert, wenn man hier mal abrutscht. Aber es geht alles gut. Wir kommen an eine Stelle mit rötlichem Gestein, an der das Wasser entlang läuft und Sea Cat sagt uns, dass wir uns mit dem Rücken an die Steine lehnen sollen. Wir tun, was er uns sagt und zucken sofort wieder zurück. Die Steine sind fast heiß und das Wasser wie in einem Whirlpool. Inzwischen sind auch Andre, Robin, Oskar und Nestor zu uns geklettert. Dieser Ort ist einfach grandios. Wir sitzen mitten auf einem Absatz am Wasserfall in einem Becken mit warmem Wasser und haben eine sensationellen Ausblick über das gesamte Tal. Am liebsten möchte man gar nicht mehr hier weg.

Leider wird es bald dunkel und wir müssen langsam zurück. Im Dunkeln möchte hier keiner von uns rumklettern müssen. Zurück auf dem Parkplatz sind doch ganz schön kaputt. Die Kinder sind begeistert von unserem Ausflug und Robin fand den Tag „ultimativ“.

Wir sind gegen 19.30 Uhr zurück auf den Schiffen und bereits um kurz nach 21 Uhr liegen wir alle im Bett. Mir tun alle Knochen weh.

Den nächsten Tag lassen wir langsam angehen. Die JoEmi und die Pierina fahren bereits um 9 Uhr zum Markt. Das schaffen wir nicht und machen uns mit der Eleonore und der Diana erst gegen 10.15 Uhr auf den Weg. Die Stadt Roseau ist lebendig und laut. Wir gehen zum Markt und kaufen Obst und Gemüse, lassen uns unbekannte Früchte, Gemüse und Wurzeln erklären.

Nach 2 Stunden sind wir alle völlig gestresst und kaputt. Wir gehen zurück zum Dinghy-Dock und setzen und dort noch in die Bar, um eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken. Wir warten lange und zwingen uns zu karibischer Ruhe: „Relax and take your time“.

Als wir zurückkommen, erfahren wir, dass inzwischen genug Bojen für uns näher an der Stadt frei geworden sind und wir verholen alle noch einmal.

Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit schnorcheln, kleineren Arbeiten und relaxen. Robin kann endlich wieder mit Nestor Lego bauen. Abends fahren wir noch auf einen Cocktail mit den JoEmis und Andrea und Mattis von der Eleonore in die Bar am Dinghy-Dock.

Den Sonntag nutzen wir zum Entspannen und zum Erledigen einiger liegen gebliebener Arbeiten. Die Kinder schwimmen und spielen. Nur die Eleonore und die Croix du Sud fahren schon mal vor in den Norden der Insel nach Portsmouth. Wir anderen folgen morgen. Dort wollen wir dann noch mal gemeinsam einen Ausflug zum Indian River machen. Aber davon erzähle ich ein anderes Mal.

[ssba]

2 Kommentare

  • Annika

    24. Januar 2017 at 18:06 Antworten

    Mhm… Also wenn ich es mir recht überlege, dann würde ich euch gerne ein Film-Team an die Seite stellen. Ihr wärt mit Sicherheit der Hammer! ?
    Und die Kulisse stimmt ja sowieso! ?

    Ich hoffe Papa hatte einen schönen Ehrentag?! Das klingt im Bericht zumindest so, das beruhigt mich. ?
    Ich hab sehr an ihn gedacht. Und ich hoffe sehr, dass er meine Nachricht auch bekommen hat…

    Sonnt euch (solange ihr noch könnt ?)!!
    Ich hab euch lieb!!

  • Petra

    29. Januar 2017 at 11:05 Antworten

    Juhuuuuu,
    der rote Wirlpool ist grandios. Die Bilder sind traumschön.
    Anja, während du im blauen Sommerkleid über Stock und Stein kletterst, haben wir morgens bis -8 Grad Celsius! Diese Autokratzerei nervt….seit gestern wird es wärmer. Puh….bis zum Sommerkleid dauert es aber noch ein wenig.
    Liebe Grüße und nachträglich alles Gute zum Geburtstag an Andre.

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