Aktivurlaub und unruhige Nächte – Sint Eustatius und Saba

Am Freitag, 17.03.2017, machen wir uns auf nach Sint Eustatius. Dort haben wir uns mit der Diana-Crew verabredet, die wir schon einige Wochen nicht mehr gesehen haben. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen.

Sint Eustatius (Statia) ist eine kleine Insel mit rund 4.000 Einwohnern, ca. 35 sm südlich von St. Martin/ St. Maarten. Als wir am Nachmittag die Insel erreichen, wirkt diese auf uns zunächst wenig einladend: große Öl-Tanks, ein Dock für die Öltanker und zahlreiche ankernde Schlepper und Schuten.

In der einzigen Ankerbucht der Insel nur ein Segelboot: die Diana. Bis auf ein paar kleine Fischerboote sind wir also alleine. Die Wiedersehensfreude bei den Erwachsenen und Kindern ist groß und endlich können wir auch Nestor persönlich nachträglich zum Geburtstag gratulieren. Abends quatschen wir noch gemütlich bei Rumpunsch auf der Diana und verabreden uns für den nächsten Morgen zur Wandertour auf den Vulkan „The Quill“.

Die Wanderwege auf Statia sind gut beschildert und so haben wir keine Probleme, den Kraterrand zu erreichen. Die Wanderung dauert ca. 45 Minuten und noch einmal ca. 15 Minuten bis zu einem Aussichtspunkt, von dem man einen wirklich sehr schönen Blick über die Insel hat.

Als uns, fast oben angekommen, auf den letzten paar Metern ein Hahn begleitet, wundern wir uns zunächst. Als wir kurze Zeit später Pause machen und unsere Brote und Kekse rausholen, erkennen wir, dass der Hahn sehr wohl weiß, dass es hier was abzustauben gibt 😉

Nach dem Abstieg machen wir noch einen Rundgang durch den Ort Oranjestad. Es ist Wochenende und alle Läden, bis auf einen kleinen Supermarkt, sind geschlossen. Der Ort wirkt ziemlich verlassen, aber die wenigen Menschen, die uns begegnen, grüßen uns freundlich. Im Ort und auch am Strand gibt es zahlreiche Ruinen.

Statia hat viele Friedhöfe. Auch dazu gibt es eine Legende: Früher lagen die Engländer und Franzosen in der Karibik ständig im Krieg. Immer gab  es irgendwelche Territorial-Ansprüche zu verteidigen. Die im Krieg befindlichen Nationen haben natürlich keinen Handel miteinander getrieben. Das haben die Niederländer clever ausgenutzt und erklärten Statia zur Freihandelszone. Damit konnten die kriegerischen Nationen auf Statia indirekt dann doch miteinander handeln. Die Insel blühte zu dieser Zeit und war sehr reich.

Zur gleichen Zeit strebten die Kolonien nach Selbständigkeit. Als ein amerkanisches Kriegsschiff beim Einlaufen nach Statia mit Kanonenschüssen salutierte, ließ der damalige Governeur von Statia mehr oder weniger irrtümlich antworten. Damit wurde Amerikas Souveränität zum ersten Mal von einer fremden Macht offiziell anerkannt. Das schmeckte den Engländern wiederum nicht und der grausame Admiral Rodney wurde nach Statia zur Plünderung geschickt. Zunächst fand er aber viel weniger Gold vor, als er erwartet hatte. Allerdings hatte Statia für so eine kleine Insel sehr viele Friedhöfe. Admiral Rodney ließ einige Gruften öffnen und fand das Gold, welches die Bewohner von Statia dort versteckt hatten.

In einer kleinen Bar eines Tauchshops gibt es kühle Getränke und Free-Wifi. Bis auf ein paar Taucher scheint es außer uns wenige Touristen auf der Insel zu geben.

Die Nacht verbringt Robin auf der Diana und am Sonntag machen wir uns gemeinsam auf zum Strand. Die Kinder haben viel Spaß und wir Erwachsenen sitzen bei kühlen Getränken in der Bar und genießen die Ruhe.

Später besuchen wir noch das restaurierte Fort Oranje und gehen im sehr gut sortierten Supermarkt einkaufen. Hier merkt man, dass Statia Teil der Niederlande ist: es gibt viele niederländische Produkte, mit denen wir uns reichlich eindecken.

Leider ist unser Ankerplatz ziemlich unruhig und wir schaukeln zum Teil so stark, dass wir fast seekrank werden und froh sind, wenn wir an Land sind. Am Sonntag abend heißt es schon wieder Abschied nehmen von den Dianas. Wir wollen am nächsten Tag nach Saba und die Dianas fahren nach St. Martin.

Montagmorgen (20.03.2017) machen wir uns nach einer erneuten unruhigen Nacht schon kurz nach Sonnenaufgang auf den kurzen Weg nach Saba.

Saba, nur 13 km2 groß und mit nur 1.800 Einwohnern, liegt 17 sm von Statia entfernt. Auch hier gibt es nur einen ausgewiesenen Ankerplatz mit einigen Mooringbojen. Zunächst muss jedoch im Süden der Insel in Fort Bay einklariert werden. Dazu gibt es vor der kleinen Hafeneinfahrt eine einzelne „Check-in“-Boje, an der wir festmachen.

Nachdem Andre alle Formalitäten erledigt hat, fahren wir in den Westen der Insel zum Ankerplatz. Es sind nur noch wenige andere Schiffe da und wir können uns eine der freien Bojen aussuchen.

Den Rest des Tages lassen wir es ruhig angehen und am Nachmittag gehen wir noch am Torres Point schnorcheln. Saba soll laut unseres Revierführers eines der schönsten Tauch- und Schnorchelreviere der Karibik sein und tatsächlich ist das Schnorcheln ein echtes Erlebnis. Viele Fische, Schildkröten, Höhlen (die wir jedoch aufgrund des Schwells lieber auslassen) und Unterwasserfelsen.

Die erste Nacht ist unruhig. Diesmal liegt es jedoch nicht an dem Schwell an der Bucht. Im Gegenteil: es ist nahezu windstill. Das hat zur Folge, dass sich unser Schiff wahllos auf der Stelle dreht und damit in regelmäßigen Abständen die Boje überfährt, die dann mit einem nervtötenden „bong – bong – bong“ gegen die Bordwand schlägt. Anfangs schmeißen wir noch jedes Mal die Motoren an, klarieren wieder alles und legen uns wieder hin…. für ca. 30 Minuten. Selbst das beste Oropax ist dagegen machtlos. Die Nacht ist kurz und wir morgens entsprechend müde.

Wir beschließen, unsere Lebensgeister mit einer Wanderung zu wecken und machen uns gegen Mittag mit dem Dinghy auf den Weg zurück nach Fort Bay. Dies ist der einzige Ort auf der gesamten Insel, an dem angelandet werden kann und das sind immerhin fast 2 sm. Für einen Weg mit dem Dinghy ziemlich weit. Als wir ankommen, sind wir so nass, dass unsere Klamotten tropfen. Die Stimmung ist nicht gerade gestiegen. Wir lassen unsere Sachen eine halbe Stunde lang trocknen (bis sie nur noch nass sind, aber nicht mehr tropfen) und rufen uns dann ein Taxi.

Es ist sehr anstrengend, sich auf dieser Insel zu Fuß zu bewegen. Die gesamte Insel ist vulkanischen Ursprungs und extrem bergig. Mittelpunkt der Insel ist der Vulkan „Mount Scenery“ (877 m). Natürliche Strände gibt es nicht, nur Steilküsten und eine Hauptstraße „The Road“, von der man viele Jahre geglaubt hat, dass es unmöglich sei, diese auf dieser Insel überhaupt bauen zu können. Bis in die frühen 1940er Jahre musste Alles und Jeder über „Ladder Bay“, denn dies war bis dahin der einzige Zugang zur Insel Saba. Über 800 Stufen wurden hier in den Stein gehauen; auf halber Strecke steht noch heute das alte Zollgebäude.

Außerdem hat Saba einen Flughafen, dessen Landebahn mit 400 m als eine der kürzesten kommerziell genutzten gilt und für die die Piloten eine Zusatzausbildung benötigen. Auch Saba gehört, wie auch Sint Eustatius, zum Königreich der Niederlande. Es ist damit überseeisches Hoheitsgebiet, gehört aber nicht zur EU.

Wir nehmen also das Taxi und lassen uns bis zur Ortschaft „Windwardside“ bringen. Die Fahrt über die steile Straße ist beeindruckend und führt uns zunächst durch die Hauptstadt „The Bottom“. Sowohl Windwardside als auch The Bottom wirken sehr sauber, sehr europäisch und gefallen uns sehr gut.

Von Windwardside aus führt ein Wanderweg hinauf auf den Mount Scenery. Ein Hinweisschild am Anfang des Pfades weist uns auf die 1.064 Stufen bis zum Gipfel hin.

Wie bereits erwähnt, ist die Bewegung zu Fuß auf Saba extrem anstrengend und da macht auch dieser Wanderweg keine Ausnahme. Er führt durch Regenwald und wir brauchen ca. 75 Minuten bis ganz nach oben.

Wie bereits vor Monaten auf Madeira bin ich fix und fertig. Dafür haben wir den höchsten Punkt der Niederlande erreicht. Da wir über den tiefliegenden Wolken sind, ist die Aussicht, wie wahrscheinlich an den meisten Tages des Jahres, monoton weiß. Unsere Geduld (oder vielmehr die geraume Zeit, die ich benötige, um wieder zu Atem zu kommen) wird belohnt und die Wolkendecke reißt auf und es bietet sich eine tolle Aussicht über Windwardside und andere Teile der Insel.

Für den Weg nach unten brauchen wir dann auch nur noch 45 Minuten und nach einigen kühlen Getränken machen wir uns auf den Rückweg. Der Plan sieht so aus, dass wir einen eher einfachen Wanderweg von Windwardside nach The Bottom nehmen und von dort ein Taxi zurück nach Fort Bay. Der Weg ist wirklich schön und mit schönem Blick auf The Bottom.

Leider gibt es hier nirgendwo ein Taxi und wir gehen auch zu Fuß zurück nach Fort Bay. Der Weg führt zwar nur bergab, ist aber sehr steil. Wir sind alle froh, als wir wieder in unserem Dinghy und kurze Zeit später zurück an Bord sitzen.

Die nächste Nacht wird leider noch schlimmer als die vorherige und am nächsten Morgen entschließen wir uns spontan zur Abreise. Wir sind ein bisschen traurig, denn die Insel gefällt uns sehr gut und wir hätten gerne noch mehr gesehen, aber so geht das nicht. Andre fährt erneut nach Fort Bay zum Ausklarieren und bereits um 9.15 Uhr heißt es „Leinen los“. Nächstes Ziel: Anguilla.

 

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4 Kommentare

  • Ilka

    6. April 2017 at 6:25 Antworten

    Hach, ich stelle immer wieder fest, dass Herr Bergermann bei mir einen schlechten Job gemacht hat – Ihr seid teilweise in Ecken unterwegs, von denen ich noch nie gehört habe…. Durch Euch mache ich mehr Geographie als in meiner gesamten Schullaufbahn…. 😃

    Fühlt Euch gedrückt!

  • Annika

    8. April 2017 at 8:12 Antworten

    Hihihi… Irgendwie musste ich zwangsläufig schmunzeln.
    Aber ich glaube, ich kann Papa trösten: Jeder Mensch wäre nach diesem Aufstieg erst einmal „atemlos“. Das behaupte ich zumindest einfach mal ganz frech 😉

    Mir gefallen die Bilder aus den letzten beiden Beiträgen unheimlich gut! Die Orte wirken total lebhaft durch das viele „Grün“ und die bunten Häuser. Da sieht man mal wie „langweilig“ es in Deutschland ist: eine Stadt reiht sich an die Nächste.

    Was nur allerdings noch aufgefallen ist: Geht euch der ganze Behördenkram (vor dem Ankern) auf den Keks?? Da geht bestimmt ordentlich Zeit flöten.

    Übrigens sieht Robin ziemlich groß aus auf den Bildern – hat er einen Schub gemacht?? Nicht das er mich bald eingeholt hat 😀

    Liebe Grüße aus der Heimat 🙂

    • Andre Schulz

      8. April 2017 at 14:31 Antworten

      Hallo Annika,
      das geht ja jetzt gar nicht… Bitte schau Dir den Verfasser des Artikels an. WER war völlig am Ende nach der Wanderung???

      LG
      Papa

      • Annika

        9. April 2017 at 16:13 Antworten

        Ehem…. Ups… 🙈
        Dann fühlt sich Anja eben getröstet 😜

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