(Blauwasser-) Familienleben -erste Begegnungen-

Dürfen wir uns schon Blauwasser-Segler nennen? Oder gilt das wohl erst ab der Atlantik-Überquerung? Das wissen wir nicht so genau. Aber wir kommen immer mehr in unserem neuen Leben an. Die Tage fühlen sich nicht mehr wie „Urlaub“ an, sondern es stellt sich mehr und mehr ein Alltag ein, der sich natürlich von dem „zu Hause“ etwas unterscheidet. Das heißt aber nicht, dass die Tage nicht auch viel zu kurz sind und wir nicht auch täglich Dinge machen müssen, die wir nicht so lieben, wie z.B.: Abwaschen, Deck schrubben, Schule, Reparieren usw…. 🙂

Nachdem wir Madeira unsicher gemacht haben, freuen wir uns auf die 2,5-tägige Überfahrt zu den kanarischen Inseln. Wir haben uns  via email bei den spanischen Behörden rechtzeitig um die erforderliche Anker- Genehmigung für La Graciosa bemüht und diese auch bekommen. Es gibt vor dieser Insel, die zu einem Naturschutzgebiet gehört, nur einen einzigen legalen Ankerplatz. Dort wollen wir 2 Nächte bleiben und dann weiter zur benachbarten Insel Lanzarote. Die Überfahrt verläuft mit moderaten Winden relativ ereignislos. Natürlich müssen wir nachts wieder mit diversen Frachtern Funk-Kontakt aufnehmen, weil die Schiffe auf Kollisionskurs sind.

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Darüber hinaus habe ich endlich einmal Gelegenheit, meine Kurzwellen-Funkanlage im Sprechfunk zu verwenden. Auf See erreiche ich die Funkrunde des Intermar e.V., die von Kiel aus moderiert wird. Der Amateurfunk-Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Segler in entfernten Gebieten mit Wetterberichten und anderen Informationen zu unterstützen. Man hört mich gut und auch ich kann die Signale prima aufnehmen. Ich freue mich riesig über diesen gelungenen Kontakt. Das sind immerhin fast 3500 km Luftlinie.

Als wir vor La Graciosa ankommen, sind wir nicht die Einzigen, die hier ankern. Es ist schon ganz schön voll, aber wir finden ein Plätzchen. Der Strand ist wunderschön und hier liegen jede Menge Dinghis von den anderen Booten. Hier am Strand erfahren wir auch zum ersten Mal so etwas wie eine Blauwasser-Familie. Hier tummeln sich Engländer, Australier, Niederländer, Belgier und auch Deutsche. Es sind auch viele Kinder dabei. Wir werden sofort dazu eingeladen, an den Gesprächsrunden teilzunehmen und bei den Spielen mitzuspielen. Das ist toll! Robin und ich spielen bei einem Spiel mit, welches „Rounders“ heißt und so ähnlich wie Baseball funktioniert. Ich persönlich habe die Regeln bis zum Schluß nicht verstanden und laufe mehr oder weniger orientierungslos über das Spielfeld. Aber das spielt keine Rolle! Es macht Spaß und Tom aus den UK versichert mir, dass dieses Spiel sowieso von jedem anders gespielt wird. Robin hat aber Talent und haut den Ball mit dem Schläger nahezu quer über die Insel. Jede Runde ein Home-Run. Leider können wir nur 2 Nächte bleiben, weil wir ab Dienstag den Liegeplatz auf Lanzarote reserviert haben.

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Die Reservierungen sind leider erforderlich, weil sich jetzt in dieser Zeit alle Boote hier in der Nähe herumtreiben, die an der ARC oder ähnlichen Veranstaltungen zur Atlantik-Überquerung teilnehmen. Die Häfen sind rappelvoll und die Plätze für Katamarane sind rar. Die ausgewählte Marina Rubicon liegt im Südwesten von Lanzarote. Die Strecke von 35 Seemeilen hört sich für uns schon fast nach einem kleinen Hopser an, ganz anders als vor 3 Monaten noch. Da waren 35 sm noch eine planerische Herausforderung. Auf halber Strecke reize ich Anja mit einem Seufzer: „Ach! Wenn Marco doch nur schon da wäre…“ Es folgt ein verständnisloser Blick von Ihr. Ich setze fort: „Dann könnte ich den Spinnaker rauf und runter nehmen, so oft ich will…“. Meine Rechnung geht auf und Anja legt das Kindle weg und stimmt zu, die Vorbereitungen zu starten, weil „ich ja sonst sowieso keine Ruhe gebe“! Wir setzen den Spi und erfreuen uns an dem bunten Tuch.

Zwischen den kanarischen Inseln gibt es allerdings sogenannte „acceleration- zones“. Überall dort, wo die Inseln den See- Raum verengen, wird der Wind durch den Trichter-Effekt umgelenkt und verstärkt. Die Südwest-Spitze von Lanzarote ist so ein Bereich. Als wir uns nähern, nimmt der Wind langsam aber stetig zu. Weiße Schaumkronen auf den Wellen und die 22kn auf der Windanzeige zeigen uns an, dass es Zeit wird, den Spi zu bergen. Ich hänge mich mit meinem ganzen Gewicht an den Bergeschlauch, den ich über das Segel ziehen muss, um es zusammen zu falten und es passiert .. NICHTS! Das Segel steht unbeeindruckt in voller Pracht. Erst als wir den Kurs etwas ändern, so dass der Wind nicht mehr genau von achtern kommt, zeigen meine 100 kg Ihre Wirkung und das Segel faltet sich. Puh! Das war knapp! Den ganzen Tag läuft eine belgische Yacht „Minerva“ parallel und der Skipper Quint macht schöne Fotos von uns mit dem Spi, die er uns am nächsten Morgen via SD-Card übermittelt. Vielen Dank dafür! Im Gegenzug haben wir für einen der folgenden Abende auf ein kühles Bier eingeladen.

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Die Marina Rubicon gefällt uns sehr. Der Ort ist zwar touristisch voll erschlossen und vieles erinnert an frühere Urlaubsreisen in den Süden, aber vielleicht ist es genau das, was den Reiz für uns ausmacht. Im Hafen mit den großen Segel-Yachten zählen wir mit unserem 38- Fuß- Katamaran definitiv zu den kleineren Schiffen. Die meisten Schiffe sind hier >52 Fuß, aber dann eben auch „nur“ Einrumpfer -also halbe Boote- wie wir von unserem norwegischen Freund Geir Ove gelernt haben, der selbst überzeugter Katamaran-Fahrer ist. 🙂

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12 Kommentare

  • Ilka

    13. Oktober 2016 at 6:07 Antworten

    Ihr Lieben,

    schön, dass Ihr ‚ankommt‘ – Ihr wisst ja, der Weg ist das Ziel! 😉

    Dicken Knutscher für Euch alle! Ich vermisse Euch!

    LG, Ilka

  • Roswitha

    13. Oktober 2016 at 6:12 Antworten

    Hallo Andre, das hört sich alles so toll an und weckt die Reiselust in Einem. Aber unser Alltag entscheidet sich ja sehr von Eurem ? immer schön weiter berichten, es macht wirklich Spaß Euch zu folgen. Viele liebe Grüße von hier ?

  • Bernd F

    13. Oktober 2016 at 12:52 Antworten

    Ich sitze hier im Büro und acker, da liest man so etwas von euch gerne ,
    auch wenn ich kein Segler bin. Aber der Traum ist Super……
    Gruß Unbekannter Weise von Bernd

  • Martina Twittmann

    13. Oktober 2016 at 19:19 Antworten

    Hallo Family Schulz ,ich verfolge die Reise und Die schönen Geschichten von Euch täglich !

    Wenn die neue Infos kommen, schaue ich mir die mit Freude an ?

    Ich weiß nur nicht wie ich das verkraften soll wenn Ihr in der Karbik seid???

    Einfach nur schön?

    Wünsche Euch noch ganz viel Spaß lieben Gruß
    Martina

  • Paula

    13. Oktober 2016 at 22:03 Antworten

    Ich sehe Andre bildlich vor mir, wie er orientierungslos über den Strand läuft…. Hauptsache auf dem Atlantik hat er den Überblick?
    Lg

  • Petra

    13. Oktober 2016 at 22:03 Antworten

    Stimmt, inzwischen seit ihr so lange weg, dass ich manchmal denke „ich sollte mal Anja anrufen und wieder mit ihr Pause machen“ ….und dann fällt mir ein, der Weg ist zu weit 🙂
    Ich vermiss‘ dich weiter tapfer und lese ohne Seekrankheit begeistert mit!

  • Annika

    14. Oktober 2016 at 11:07 Antworten

    Hallo Familie,

    ich bitte meine „sehr späte“ Rückmeldung zu entschuldigen. Leider war ich aufgrund eines sehr großen Bergs an Bügelwäsche verhindert. 😉

    Toll, ihr seid gerade mal ein paar Monate weg und schon wird eine neue Familie gesucht… Ich nehme das einfach mal nicht persönlich 😉
    Hauptsache es geht euch gut!

    Irgendwie kaum vorstellbar, dass ihr in einem Hafen mal ein „kleiner Fisch“ seid. 😉

    • Andre Schulz

      14. Oktober 2016 at 11:42 Antworten

      Hallo Annika, die Verzögerung können wir gerade noch akzeptieren, auch wenn es allerhöchste Zeit wurde. ? Wahrscheinlich wird das für die Zeit der ARC und auch danach so bleiben, dass wir „kleine Fische“ sind. Die meisten Schiffe sind länger. Aber wenigstens haben wir kein „Halbes Boot“. Lass uns lieber von einer erweiterten Familie, statt von einer neuen sprechen. ? LG Papa

      • Annika

        14. Oktober 2016 at 16:30 Antworten

        Na gut, mit einer Erweiterung kann ich gut leben! 😉

  • Marco

    17. Oktober 2016 at 19:00 Antworten

    Dafür, dass ihr doppelt so viel Boot habt, seid ihr ganz schön langsam!

    Marco, 25, (noch) überzeugter Halbbootfahrer

    • Andre Schulz

      17. Oktober 2016 at 19:22 Antworten

      ???

  • Thomas Goeke

    23. Oktober 2016 at 17:53 Antworten

    Wir sind gerade erst wieder zurück und unsere BAHATI nach drei Jahren wieder im Winterlager auf Fehmarn. Wenn ich euren Bericht lese, packt mich doch schon ein wenig das Fernweh. Viel Spaß noch.

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