Das sind ja tolle Aussichten! Die Hudson- und Potomac-Flussfahrten 21.09.-07.10.2017

Donnerstag 21.09.2017

Direkt hinter unserem Ankerplatz soll nicht nur der schönste Flussabschnitt des Hudson beginnen, sondern sogar der schönste Flussufer- Bereich der gesamten Vereinigten Staaten. Wir warten am Mittwoch die Ausläufer von Hurricane José ab, die uns auch hier noch kräftigen Nordwind um 25 Knoten bringen und starten bei mäßigem Nordwind erst am Donnerstag.

Tatsächlich! Wir biegen am Ankerplatz um die Ecke und sehen ein großartiges Flusstal vor uns. Die Ufer fallen steil ab und bieten eine tolle Kulisse. Erinnerungen an den Rhein und die Lorelei werden wach. Allerdings wird auch der Wind hier stark kanalisiert und bläst uns heftig entgegen. Gut, dass wir bis heute gewartet haben. Die nächsten 10 Seemeilen sind wirklich sehenswert. Vorbei geht es noch an der sehenswerten Militär-Akademie „West Point“. Danach wird der Uferbereich wieder flacher und weniger spektakulär.

Der nächste adäquate Ankerplatz ist bei Marlboro. Wir ankern vor dem dortigen Yachtclub und dürfen sogar unser Dinghy kostenlos an deren Stegen parken. Wieder fällt uns die Freundlichkeit der Amerikaner auf. Ständig wird man angesprochen und als wir am Abend in den Ortskern laufen wollen, kommt uns eine Dame mit Ihrem Auto hinterher gefahren und bietet an, uns herauf zu fahren. Wir sind jedoch froh, nach mehreren Tagen an Bord mal wieder ein bisschen laufen zu können und lehnen dankend ab. Erst als sie danach wieder zum Yachtclub zurückfährt, begreifen wir, dass sie nur für uns ins Auto gestiegen ist und haben ein schlechtes Gewissen. Bestimmt war das jetzt unhöflich von uns, die Hilfe abzulehnen. Marlboro selbst ist eine typisch amerikanische Kleinstadt. Gemeinsam mit den Elli´s kehren wir bei „Raccoon Saloon“ ein und bestellen „die besten Hamburger der Stadt“ mit selbstgemachtem Ketchup. Lecker!

Auf Hurricane José soll Marie folgen und versperrt uns weiterhin den Weg zurück Richtung Chesapeake im Süden. Wir haben also Zeit und bleiben noch einen Tag hier. Wir studieren die Wetterlage vor und zurück. Langsam werden wir ein bisschen nervös. Es soll immer kälter werden und wir haben ja auch schon Ende September. Wenn wir Washington noch in Ruhe besichtigen wollen, müssen wir Anfang Oktober dort sein. Wir brauchen 2-3 Tage zurück für den Hudson River, 2-3 Tage für die Fahrt an der Küste entlang nach Süden und bestimmt noch einmal 5-6 Tage bis wir dann in Washington sind. Und momentan ist noch kein Wetterfenster abzusehen, wann wir die 2,5-Tage-NonStop-Fahrt an der Küste entlang in Angriff nehmen können. Wir entschließen, am nächsten Tag mit der Rückfahrt auf dem Hudson zu beginnen und nötigenfalls auf Staten Island im Süden von New York so lange zu warten, bis das Wetter passt. Sollte sich dann kurzfristig die Wetterlage zu unseren Gunsten verändern, sind wir bereit und können von dort jederzeit starten.

 

Samstag 23.09.2017

Gesagt-getan. Wir haben mal wieder einen Plan! Das lindert die Nervosität. Die Elli´s mögen sich uns, morgens um 6.30 Uhr, noch nicht anschließen und somit trennen wir uns wieder einmal für ein paar Tage. Die Rückfahrt durch das Flusstal toppt die Hinfahrt dahingehend, dass wir Wind von hinten haben und den Abschnitt sogar segeln können.

Wir schaffen ein großes Stück bis zur Haverstraw Bay. Der Ort ist uns auf der Hinfahrt schon aufgefallen und der Ankerplatz hält, was wir uns davon versprochen haben. Die riesige Bucht ist gleichmäßig um 2,5 bis 3 Meter tief und es gibt keine Strömung. Schnell ist entschieden, dass wir hier einen Tag bleiben und die Ruhe genießen wollen.

Vielleicht können wir auch in einer der umliegenden Marinas Wasser tanken. Nach 2 Wochen wird es langsam knapp. Ich versuche es telefonisch zu erfragen. Das gestaltet sich aber schwierig! Der gute Mann will mir unbedingt einen Liegeplatz in der Marina verkaufen und preist diesen an wie Sauerbier. Nach einigen zähen Minuten gebe ich auf. Er will nicht nur das Wasser herausrücken und wir wollen keine 80,-$ für den Liegeplatz bezahlen! Dann müssen wir eben weiter Wasser sparen.

Am Sonntag liegen wir dann inzwischen hunderten von Motorbooten in der Bucht. Aber es bleibt erstaunlich ruhig. Die wenigen Jetskis sind weit weg. Leider darf man am Strand nicht anlanden. Mindestens 250 Meter sollen wir wegbleiben, teilen uns die riesigen Schilder mit. Nun gut! Dann ist das eben so. Wir vertrödeln den Tag an Bord und abends sind wir wieder ganz allein und genießen die Ruhe.

Tagsüber
Abends

Montag 25.09.2017

Wieder müssen wir sehr früh um 6.15 Uhr den Anker aufnehmen, damit wir Schiebestrom haben. Wir sind zwar schon um 10.00 Uhr am bereits bekannten Ankerplatz an der 79th-Street in New York City, aber bis zur Battery im Süden von New York schaffen wir es mit dieser Tide nicht mehr. Wir wollen hier bis zum Nachmittag ankern und dann abends das restliche Stück bis zum Liberty Parc fahren. Aber so kann sich das Bild ändern: Während wir auf der Hinfahrt den Ankerplatz 79th Street so gar nicht mochten, weil es so rollig war und die heftige Flussströmung am Schiff vorbeirauschte, bietet sich uns jetzt ein viel freundlicherer Ort an. Die Sonne scheint, das Wasser ist relativ ruhig und auch die Strömung ist viel geringer. Liegt es daran, dass wir deutlich näher am Ufer liegen?

Als dann die Elli´s ankündigen, am Abend auch dort zu sein, ist die Planänderung perfekt. Wir bleiben und wollen morgen bei schönem Sommerwetter gemeinsam in den naheliegenden Cental Parc, damit die Kinder auf dem Wasserspielplatz toben können. Mittlerweile sind unsere Wassertanks zwar ganz leer, aber den einen Tag werden wir noch überbrücken können. Den Wassermacher auf dem Hudson River laufen zu lassen, kommt für uns nicht in Frage.

Der Tag im Central Parc macht Spaß! So viel Müßiggang hatten wir während unseres ersten New York-Besuches vor 2 Wochen nicht! 🙂

Robin lernt Geige spielen im Central Park

Mittwoch 27.09.2017

Zurück nach Great Kills auf Staten Island.

Abschied von New York

 

Mittlerweile scheint sich ab Samstag ein Wetterfenster für die Fahrt zur Chesapeake Bay abzuzeichnen. Ein paar Tage brauchen wir noch für die Vorbereitungen, also scheint es zu passen. Außerdem passt jetzt noch etwas ganz anderes: Anja´s Cousine Kathrin ist ab Freitag in New York. Spontan entschließt sich Anja am Freitag noch einmal einen Nachmittag in Manhattan einzulegen und überrascht Kathrin im Hotel. Robin und ich lassen die Frauen mal alleine und starten abends die Party an Bord mit Cola, Chips und Spielfilm auf dem PC.

Am Rockefeller Center wird schon die Eisbahn aufgebaut

 

Leider wird die Wettervorhersage für die Fahrt am Samstag immer ungünstiger. Während anfangs Windböen um 24 Knoten vorhergesagt wurden, sind es nun bis zu 36 Knoten. Es gibt keinen wirklich guten Zwischenstopp, falls es zu heftig wird und im Gegensatz zu den Elli´s, die die Delaware-Bucht hochfahren wollen, möchten wir durch bis zur Chesapeake-Bay. Der Sonntag verspricht ruhiger zu werden, mit Pech dann aber wieder zu ruhig und der Motor muss ran. Die Elli´s verlieren die Nerven und fahren am Samstag, wir warten auf Sonntag.

Gegen Abend machen wir noch einen schönen Spaziergang am Strand, während Robin fleissig Treibgut sammelt.

Als wir uns endgültig vom Richmond County Yachtclub in Great Kills verabschieden, teilt man uns mit, dass sie uns dort vermissen werden. 😉

 

Sonntag 01.10.2017 – Dienstag 03.10.2017

Aufbruch am frühen Morgen – Die Verrazano Narrows Bridge

 

Als wir um Sandy Hook herum sind, ist die Welle recht hoch und kommt blöd von der Seite. Der Großbaum schlägt wie verrückt und das Großsegel mit dem losen Unterliek knallt erbärmlich. Wir müssen was tun! … und setzen den Spi. Die Sonne scheint und es läuft! Wir sind zufrieden mit unserer Törnplanung. Bis 13.00 Uhr! Dann ist der Wind weg. Als ich den Spi bergen will, sagt Anja noch : „Einen Moment. Bin gleich da!“ und schimpft ein paar Sekunden später: „Du solltest doch warten!“ Aber ich habe gar nicht viel gemacht. Der Wind ist so schwach, dass der Bergeschlauch von alleine über den Spi fällt, als ich eine Leine nur etwas fiere. Motor an! Als ich in der Nacht gegen 1.30 Uhr die Wache übernehme, haben wir wieder Wind und können mit Groß und Genua segeln. Die Welle hat nachgelassen. Es ist angenehm, wir haben einen hellen Mond und nur 2 Stunden von 4.00 bis 6.00 Uhr ist es wirklich dunkel.

Der Montag ist windtechnisch fast eine Kopie des Sonntags. Bis 13.00 Uhr Wind, danach fast ausschließlich Motor bis 1.00 Uhr Nachts. Als wir am Nachmittag ein paar Stunden segeln können, fangen wir um 16.30 Uhr einen Thunfisch mit unserer neuen Angel. Mittlerweile wissen wir auch, wie wir ihn zubereiten müssen, damit er saftig bleibt. Den ersten Thunfisch haben wir damals auf St. Lucia noch zu lange gegrillt und er schmeckte deswegen wie Dosenfisch. Das gelingt uns bei diesem hier viel besser.

Nach rund 290 Seemeilen und 57 Stunden Fahrtzeit fällt bei Deltaville, diesmal in der Fishing Bay, der Anker. Die Fishing Bay ist eine riesige Ankerbucht. Wir genießen die Stille und machen erst mal wieder einen Tag Pause.

Am Abend fördert dann unsere Trinkwasserpumpe nicht mehr richtig. Ich sehe mich schon bei West Marine in Deltaville eine Neue kaufen und Anja fürchtet schon um den Oktober-Etat. Da stellt sich ein verstopfter Aktivkohle-Filter als Ursache heraus. Als in New York die Wassertanks 1,5 Tage leer waren, stand der Filter trocken. Wahrscheinlich mag er das nicht. Ersatzkartuschen sind natürlich an Bord und die Pumpe fördert wieder.

Keine Frage: Wir wollen Washington sehen. Aber fast jeder, mit dem wir reden, rät von der 100 Seemeilen langen Flußfahrt auf dem Potomac-River ab. Nehmt lieber ab Annapolis ein Auto, heißt es oft. Die Literatur hingegen spricht von einzigartiger Natur und einem tollen Erlebnis. Während Anja keinen Zweifel aufkommen lässt, dass sie da hoch will, zweifele ich, ob nicht die anderen alle am Ende Recht haben. Motorstunden haben wir in der letzten Zeit genug gehabt. Wir sind mal gespannt.

 

Donnerstag, 05.10.2017 – Samstag, 07.10.2017

Am Donnerstag SEGELN wir den ganzen herrlichen Tag bei Südwest-Wind, bis wir rund 20 Seemeilen hinter der Mündung des Potomac in den Yeocomico-Tribute einfahren. Wir ankern in der kleinen „Long Cove“, die gerade genug Platz für die Step by Step bietet. Viel Grün, viel Ruhe, nur ein paar Wochenend-Häuser stehen hier. Das hat sich schon mal gelohnt.

Am Freitag wollen wir eigentlich nur bis zum Port Tobacco River, welcher rund 45 Seemeilen entfernt ist. Langsam wird der Potomac schmaler und wir können beide Flussufer gleichzeitig bewundern. Segeln können wir zwar wegen fehlendem Wind nicht mehr, aber das wäre heute überall woanders in der Chesapeake Bay auch so gewesen. Hier können wir wenigstens etwas sehen und das Wasser ist spiegelglatt. Als wir gegen 14.00 Uhr am Ziel ankommen, schiebt die Strömung gerade so schön mit und wir fahren weiter.

Wir kommen an der Mallows-Bay vorbei, einem der größten Schiffsfriedhöfe der Welt. Hier liegen mehr als 230 Schiffswracks, davon mehr als 100 davon sind hölzerne Dampfschiffe einer Flotte aus dem 1. Weltkrieg.

Am Ende des Tages haben wir 63 Seemeilen auf dem Tacho und ankern mit dem letzten Tageslicht am Eingang der Mattawoman-Bay. Hier ist zwar eine Gefahrenzone eingerichtet, in die man nicht einfahren darf, wenn die Navy irgendwelche Manöver übt, aber wir haben Glück und die Einfahrt ist frei. Morgen sind es jetzt nur noch 25 Seemeilen bis Washington und bisher lautet unser Fazit: „Das war doch ganz schön bis hierhin!“

Am Samstag nehmen wir mit dem ersten Tageslicht Anker auf. Sonst hätten wir bis Nachmittags warten müssen, damit die Stromrichtung wieder passt. Spätestens jetzt sind wir von der Landschaft hier endgültig begeistert. Welch´ herrliches Land die USA doch ist, die Natur ist grandios. Wir staunen Bauklötze.

Mount Vernon – ehemaliger Landsitz des 1. amerikanischen Präsidenten George Washington

 

Ab Alexandria ändert sich das Bild dann schlagartig, aber jetzt sind es auch nur noch 5 Seemeilen bis Washington.

Schon um 11.10 Uhr sind wir da und gönnen uns mal wieder einen Platz am Steg einer Marina. Mit 1,50$ pro Fuß/Nacht in der Gangplank Marina (also 57,-$ pro Nacht für uns) ist das noch im Rahmen und wir hoffen, in Washington mal wieder mit den Rädern fahren zu können.

Außerdem braucht die Step By Step mal wieder eine Wäsche. Daher ist Landanschluss aus mehreren Gründen sinnvoll.

Die nächste Großstadt wartet auf uns 😉

[ssba]

2 Kommentare

  • Annika

    10. Oktober 2017 at 19:53 Antworten

    Hoppla! Ihr seid gesegelt. War das ein Versehen?! 😋

    Das Bild von Robin mit dem Thunfisch ist ganz schön fies (Du bist gut getroffen Robin, keine Sorge 😉) – zumindest wenn man den Auschnitt unten rechts betrachtet 🤢 Also das wäre wirklich absolut nichts für mich…

    Viel Spaß in der Großstadt 🙂

  • Kathrin

    15. Oktober 2017 at 15:26 Antworten

    Hallöche ihr Lieben,
    welch eine Ehre in eurem Blog aufzutauchen 😊
    Ich habe mich tierisch gefreut, als Anja so plötzlich, in der Rezeption beim einchecken, hinter mir stand. Super Überraschung. Es wurde ein richtig schöner erster Tag in New York.
    Wer hätte gedacht, dass ich mal, mit Dir Anja, am Times Square sitze…
    Ganz liebe Grüße
    Kathrin

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