Der Nord-Atlantik – Teil 2 Bermuda-Flores (Azoren) 16.05.-29.05.2018

Wir melden wir uns vor der Ausfahrt durch den Town-Cut noch einmal bei Bermuda Radio ab. Der Radio-Operator fragt noch einmal unser Ziel und die voraussichtliche Ankunftszeit ab, damit wir nicht verloren gehen. Europa! Wir kommen!

Tag 1, Mittwoch 16.05.2018,

Wind aus Süd 8-10 kts, sonnig, Tagesweg 68 nm: 66 Segel, 2 Motor, Welle < 1 Meter

Wir haben damit gerechnet, dass wir am Anfang mehrere Tage motoren müssen. Umso mehr freuen wir uns, dass der leichte Wind zum Segeln reicht. Allerdings machen wir weniger als 5 Knoten Fahrt über Grund, obwohl die Logge knapp 6 Knoten anzeigt. Haben wir Gegenstrom? Wir kalibrieren die Logge ein paar Mal, aber das Ergebnis bleibt gleich. Das Wasser ist sonst ruhig, die kommende Nacht noch sehr dunkel. Erst gestern war Neumond.

Das Azoren-Hoch in den Grib-files / Weiß bedeutet sehr wenig Wind; Grüne Stecknadel: Bermuda / Rote Stecknadel Flores (Azoren)

 

Tag 2, Donnerstag 17.05.2018

Wind aus Süd 7-11 kts, sonnig, Tagesweg 123sm, 121 Segel, 2 Motor, Welle < 1 Meter

Am frühen Morgen zieht noch einmal ein Squall hinter uns her, aber er ist weit genug entfernt. Um 9.30 Uhr rauscht die Angelleine nur ganz kurz aus. War da ein Fisch dran? Robin holt die Leine ein und tatsächlich hängt ein kleiner Thunfisch am Haken. Der ist jedoch so klein, dass wir glauben, er sei aus dem Kindergarten abgehauen. Wir befreien ihn vom Haken und lassen ihn wieder frei. Der muss noch ein bisschen wachsen. Am späten Vormittag setzen wir den Spi und gegen Nachmittag machen wir auf einmal einen Knoten mehr Fahrt über Grund. Und das bei gleichen Windverhältnissen und gleicher Geschwindigkeit auf der Logge. Wir hatten also tatsächlich eine Meeresströmung gegen uns. Am Nachmittag setze ich mit Robin endlich einmal den Sextanten-Bausatz zusammen, den wir vor der Abfahrt von Freunden geschenkt bekommen haben. Wir sind gespannt auf den ersten Sonnenschuß am morgigen Mittag. Den Spi bergen wir für die Nacht wieder. Von den beiden Manövern stammen die Motormeilen.

Tag 3, Freitag 18.05.2018

Wind SSW bis SW 10-12 kts, sonnig, Tagesweg 129 sm, 95 Segel, 34 Motor, Welle < 1 Meter

Wieder setzen wir am späten Vormittag den Spi, nachdem alle ausgeschlafen haben. Zuletzt haben wir das gute Stück immer wieder in Frage gestellt, weil das Fenster, in dem wir ihn benutzen können mit 10 bis max. 20 kts-Wind sehr klein ist und weil er uns nicht wirklich schneller macht. Nun wissen wir wieder, wofür wir ihn brauchen. Bei diesen leichten Winden schlagen die weißen Segel in der Atlantik-Dünung erbärmlich, auch wenn der Baum mit dem sog. Bullenstander fixiert ist. Der Parasailor macht das viel, viel besser und sorgt für einen entspannten Segeltag. Ist ja doch gut, dass wir ihn haben…

Um 12.00 Uhr ist es dann so weit und wir benutzen zum ersten Mal unseren neuen Sextanten. Nur, wenn wir den Winkel der Sonne zum Horizont genau am höchsten Punkt Ihrer Umlaufbahn messen, also zum „wahren Mittag“, dann werden wir bei der Berechnung hinterher unseren aktuellen Breitengrad als Ergebnis bekommen. Um 12.00 Uhr liegen wir „nur“ 2 Breitengrade daneben, was aber immerhin einer Abweichung von 120 sm entspricht. Als wir um 13.00 Uhr noch einmal messen, liegt das Meßergebnis nur noch 0,5 Breitengrad daneben. Klar! Wir haben ja Sommerzeit! 13.00 Uhr Ortszeit ist 12.00 Uhr „normale Zeit“ Also gar nicht so schlecht, was wir da fabrizieren! 🙂

Als wir gegen Abend gerade diskutieren, ob wir den Parasailor in der Nacht stehen lassen, beantwortet das Segel diese Frage selbst. In der Dämmerung lässt der Wind nach und das Segel fällt ein. Da ist sie! Die lang befürchtete Flaute! Motor an!

Tag 4, Samstag 19.05.2018

Wind WSW 5-6 kts, bewölkt, Tagesweg 142 sm, alle mit Motor, Welle < 1 Meter

Bis darauf, dass wir die 2-Farben-Laterne im Bug repariert haben, weil sie in der Nacht wegen eindringender Feuchtigkeit ausgefallen ist, gibt es von so einem Tag unter Motor nicht viel zu berichten. Doch! Wir haben seit gestern schon wieder diesen ätzenden Gegenstrom. Gerade mit brummenden Motor tut es uns besonders weh, wenn nur 4 Knoten über Grund gemacht werden. Am Tage versuchen Robin und ich die verschiedenen Angelköder, aber leider ohne jeglichen Erfolg.

Ach ja! Nachdem wir via SSB-Funk mehrere Wegepunkte vereinbart haben, auf die wir zusteuern, treffen wir unser Buddy-Boat die „Eleonore“ wieder. Auch so manches ARC-Schiff kreuzt unseren Kurs auf den Weg nach Norden oder Süden. Alle suchen sie den Wind!

Tag 5, Sonntag 20.05.2018

Wind SW 6-8 Knoten, zun. 10-13kts, heiter bis wolkig, 114 sm, 69 sm Segel, 45 Motor, Welle 1,20 m

In der Nacht haben wir unsere Bordzeit um 1 Stunde vorgestellt, damit wir uns langsam an die Zeitverschiebung gewöhnen. Wir leben jetzt zu UTC -02. Um 9.00 Uhr morgens können wir den Motor endlich wieder stoppen. Ganz langsam driften wir nur mit der Genua mit 3 kts Fahrt dahin.

Um den Wind zu locken, setzen wir um 10.45 Uhr das Großsegel dazu. Und es klappt! Der Wind nimmt zu und wir machen 5,5 bis 6 kts Fahrt. Leider hat sich Wetterlage für die 2. Hälfte der nächsten Woche etwas verändert. Ein kräftiges Tief wird von der USA-Küste zu uns herüberziehen. Je weiter nördlich wir sein werden, desto mehr werden wir davon abbekommen. Wir werden also zunächst nicht weiter nach Norden fahren, sondern uns mehr östlich halten.

Tag 6, Montag 21.05.2018

W auf SW drehend 15-20 kts, meist sonnig, 143 sm, alles gesegelt, Welle 1 – 1,50 Meter

Mit der Drehung des Windes auf WSW, wird es schwierig, den reinen Ost-Kurs zu halten. Die Welle nimmt zu. Um Druck im Vorsegel zu behalten, müssen wir „Butterfly“ segeln. Das heißt Vorsegel auf der anderen Seite als das Großsegel. Das geht aber nur in einem ganz kleinem Winkelbereich vor dem Wind, damit eben nicht entweder das eine oder das andere Segel auf die andere Seite umschlagen will. Wir müssen auf Kurs ENE und später sogar NE gehen. Wir wollten doch nicht weiter nach Norden wegen des Tiefs in der zweiten Wochenhälfte! Aber vielleicht verzieht es sich ja noch. Das ARC-Schiff „Chat Eau Bleu“ und die „Step By Step 2“ beweisen sich wieder einmal, dass der Ozean zu klein ist. Beide Schiffe „kreuzen“ vor dem Wind und treffen sich mehrmals täglich auf Kollisionskurs. 🙂

Wir sehen zum ersten Mal einen Katamaran mit klassischer Passat-Besegelung

 

Tag 7, Dienstag 22.05.2018

WSW über N auf NE drehend 15-20 kts, meist bewölkt, 161 sm, alles gesegelt, Welle 2,5–3 Meter

Auch heute müssen wir „Butterfly segeln“. Die Welle stammt von einem weiteren Tief, welches gerade nördlich vorbei gezogen ist. Daher auch der Winddreher in der kommenden Nacht. Ich spiele mit dem Weather-Routing-Plug-In des OpenCPN–Programmes herum. Wenn man dieses Programm richtig füttert, kann es mit der aktuellen Windvorhersage den schnellsten Segelkurs zwischen 2 Punkten errechnen.

So sah das WeatherRouting vor unserer Abfahrt aus

 

Hierdurch kommen wir auf eine neue Idee: Bisher war es für uns sonnenklar, dass wir das nächste Tief nördlich vorbei ziehen lassen wollen, aber es gibt noch eine andere Möglichkeit: Wenn wir jetzt nach NE segeln, können wir uns von den Ausläufern des Tiefs vorne wegschieben lassen und uns einige Meilen und die dahinter drohende Flaute ersparen. Wir müssen dann aber schnell genug sein. Wenn uns die Front nämlich einholt, haben wir mit Zitronen gehandelt und kriegen richtig was auf die Mütze. Gerade der Skipper kann der Versuchung kaum widerstehen nach den 1,5 Motortagen in der letzten Woche. Wir wollen es versuchen. Das bedeutet dann allerdings ein paar Stunden leichten Gegenwind in der Nacht, in der wir einen Teil der gewonnenen Höhe wieder hergeben müssen.

Tag 8, Mittwoch 23.05.2018

ENE 15-20 kts auf SW 10-15kts drehend, teilw. Regen, 139sm, 115sm Segel, 24sm Motor, Welle 2m

Der Gegenwind in der Nacht ist stärker als vorhergesagt und dauert auch länger an. Außerdem schaffen wir es bei der Welle nicht hoch genug an den Wind. Die Nacht ist extrem schaukelig und ungemütlich. E-Wind gegen W-Dünung! Wir sind zu langsam und verlieren mehr Zeit als angenommen. Damit ist schnell klar, dass der schöne Plan von gestern nicht aufgehen wird. Die Front wird uns einholen. Wir müssen also wieder runter nach Süden, um dem schlimmsten auszuweichen. Aber auch das geht am Morgen wegen der Welle wieder nur auf ganz bestimmten Kursen im Butterfly. Das Schlagen der Segel beim Hin- und Her-Rollen des Schiffes ist sonst trotz 16-18kts Wind zu erbärmlich. Obwohl wir ein Reff im Großsegel haben, welches das Schlagen normalerweise minimiert.

Den Bogen im Kreis verdanken wir dem Gegenwind

 

Es regnet noch dazu. Plötzlich ist der Wind für ein paar Stunden weg, aber die Welle bleibt. Motor an. Am frühen Nachmittag nimmt der Wind wieder auf 12-15 kts zu und wir setzen den Parasailor, obwohl eine Cumulus-Wolke im Süden gerade einen stattlichen Amboss bildet: Gewitter? Die Wolke löst sich 1,5 Stunden später wieder auf und am Abend ist es fast zu schade, den Spi zu bergen, aber es ist zunehmender Wind angesagt. Wir werden von der „Sophia“ angefunkt. Enrique ist Portugiese aus Madeira und seit 32 Tagen alleine auf See. Er ist mit seinem 9-Meter-Boot in Brasilien gestartet und will nach Hause. Verzweifelt fragt er nach dem letzten Wetterbericht und freut sich, als ich ihm zunehmende Winde bestätigen kann. Er ist froh, mal ein bisschen quatschen zu können und lädt uns prompt in sein Gästehaus auf Madeira ein.

Tag 9, Donnerstag 24.05.2018

SW 18-22 kts, heiter, 189 sm, alles gesegelt, Welle 1,8 bis 2 m

In der Nacht kommt der versprochene Wind. Wir haben schon mehrmals festgestellt, dass das genau die Bedingungen sind, die unser Schiff wohl liebt. Es läuft wie auf Schienen. Um 7.30 Uhr funkt uns die Yacht „Galatea“ an. Wir unterhalten uns bestimmt 15 Minuten auf Englisch bis wir unsere Vornamen austauschen. Annemarie heißt die Lady. „Ach, dann seid Ihr bestimmt aus den Niederlanden?“ frage ich immer noch auf Englisch. „No! We are a German vessel!“ kommt die Antwort. Annemarie ist ziemlich baff, als ich dann sage: „Dann lass uns doch deutsch sprechen“. Die „Galatea“ will ab sofort auch an unserer SSB-Funkrunde teilnehmen. Wir freuen uns darauf.

Gegen 16.00 kommt eine Delfinschule dazu und begleitet uns ein Stück. Das zaubert uns immer wieder ein Lächeln auf´s Gesicht. Das lange versprochene Tiefdruckgebiet kommt allerdings auch immer näher. Wir haben uns entschieden, ungefähr auf 36° 15´N zu bleiben. Hier sollte das meiste nördlich an uns vorbeiziehen. Windböen bis zu 30 kts sollen wir noch bekommen. Das kriegen wir hin! Morgen wird es soweit sein.

Das heranziehende Tiefdruckgebiet

 

Tag 10, Freitag 25.05.2018

SSW 20-35kts, bewölkt teilw. Regen, 182 sm, alles gesegelt, Welle 2,50 – 3 m

In der Nacht stellen wir unser Bordzeit noch einmal eine Stunde vor. Jetzt sind wir UTC -01. Der Wind nimmt weiter zu. Immer wieder gleichen wir unsere Position mit den Wetterdaten ab. Ja, der Breitengrad müsste passen. Die „Eleonore“ hat sich etwas weiter nach Norden ins vermeidliche Zentrum des Tiefs drängen lassen und die „Once Around“ ist sogar noch nördlicher. Nun gut! So hören wir hinterher wenigstens, wie es wirklich dort gewesen ist. Den ganzen Tag reffen wir je nach Windstärke immer wieder stärker ein oder auch wieder etwas aus. Am Nachmittag gegen 16.00 Uhr ist es dann soweit. Im Süden steht eine mächtige Wolkenbank, die ein beeindruckendes Echo auf dem Radar erzeugt.

Das muss es sein und es zieht zu uns herüber. Ich ziehe mir Ölzeug an und schnalle mich hinter dem Steuerrad an. Kurz darauf geht es los. Der Squall nimmt uns schön in die Mitte und für 2 Stunden pfeift es uns mit 30 – 35 Knoten Mittelwind und höheren Böen um die Ohren. Die „Step By Step“ surft die Welle hinunter, aber der Autopilot kriegt es meistens sauber hin. Nur manchmal schießt unser Bug in den Wind und ich bin kurz davor einzugreifen. Dann aber fängt sich das Schiff wieder. Einmal lässt uns dieser Squall aus seiner Mitte heraus und wir reffen das Vorsegel schon wieder aus. Da fängt uns die Wolke wieder ein und es bläst erneut mit 35 kts. Schräger Trick von Poseidon! Kaum hat der gesamte Squall unsere Kurslinie gekreuzt, sehen wir auf dem Radar, wie er sich auflöst. Nur für uns also der ganze Spuk? Vielen Dank Poseidon! Die abendliche SSB-Funkrunde mit der „Eleonore“ und der „Once Around“: Beide hatten Maximum 22 Knoten Wind!!! Soviel dazu!

Tag 11, Samstag 26.05.2018

SSW 15 auf SW 8-10 drehend, bewölkt, 145 sm, alles gesegelt, Welle 1-2m

Die gute Nachricht? Wir befinden uns weit genug südlich, um die Flaute hinter dem Tief zu vermeiden. Die Vorhersage beschert uns 12-15 Knoten Wind aus SW für die nächsten Tage bis Montag.

Die schlechte Nachricht? Danach soll es dann Gegenwind geben. Schade! Wir werden es wohl kaum vorher bis Flores schaffen. Außerdem wird vor dem Ankerplatz der Insel Flores bei NE und E-Wind gewarnt. Sehr starker Schwell! Die kleine Marina ist dann auch nicht mehr zu nutzen und wird geräumt.

Sturmschaden! Abgebrochene Hafenmauer in Lajes (Flores)

 

Wir werden das mal im Auge behalten und müssen eventuell Flores überspringen und direkt nach Horta weiter. Das sind aber nochmal 120 Meilen mehr – und das bei Gegenwind. Wir haben noch ein paar Tage Zeit für die finale Entscheidung.

Als der Wind gegen 14.30 abnimmt holen wir erneut den Spi heraus. Wieder diskutieren wir am Abend die Segelführung für die Nacht. Die Vorhersage ist stabil! Der Spi soll draußen bleiben! Kurz bevor ich mich dann für die diversen abendlichen Funkgespräche nach unten verziehe, bildet sich noch einmal ein Squall südlich von uns. Verdammt! Wir dachten, die Dinger gäbe es hier oben nicht. Was nun? Doch runter mit dem Spi? Anja wird das im Auge behalten und ich gehe funken. Um 21.30 Uhr ruft mich Anja hoch. Wieder einmal entscheidet der Parasailor selbst, dass er NICHT über Nacht draußen bleiben möchte und fällt immer wieder ein. Der Wind hat etwas gedreht und noch weiter abgenommen. Mit dem letzten Tageslicht nehmen wir ihn runter und wechseln auf weiße Segel.

Tag 12, Sonntag 27.05.2018

SW 14-19kts, heiter bis wolkig, 174 sm, alles gesegelt, Welle 1-1,5m

Immer wieder berechnen wir mit dem Wind unsere Ankunftszeit auf Flores. Die Routing-Software sagt beharrlich Dienstag. Wir mögen es noch nicht glauben und rechnen eher mit Mittwoch. Vor allem der NE ab Montag-Abend und der folgende E-Wind ab Dienstag machen uns Sorgen. Was ist, wenn wir nach Flores fahren und dann nicht dort bleiben können, weil der Schwell am Ankerplatz zu hoch ist? Verschiedene Wettermodelle sagen unterschiedliche Windstärken voraus, aber immer E-Wind. Sollen wir doch direkt nach Horta? Unsere Freunde von der „Diana“, die letztes Jahr schon diese Tour gemacht haben, waren so nett und haben während unserer Passage immer wieder einen Blick auf die Großwetterlage geworfen und Trends frühzeitig mitgeteilt. Nun haben Sie via Internet die Lage in Flores ausgekundschaftet und machen uns Mut hinzufahren. Ok! Machen wir! Danke Diana´s!

Robin beim Eintragen der täglichen Positionen in die Karte

 

Tag 13, Montag 28.05.2018

SSW 18-20kts über W auf NNW drehend 8-12kts, bewölkt, 167sm, alles gesegelt, Welle 1-1,50m

Die letzten Etmale liegen meist weit über 160 sm. So langsam müssen auch wir an eine Ankunft am Dienstag glauben. Auch heute läuft es wieder wie am Schnürchen, aber am Abend soll der Wind drehen. Dann werden wir sehen.

Unterwegs haben wir sehr viele portugiesische Galeeren gesehen. Diese Quallenart ist hübsch anzusehen, aber gefährlich. Ihre Tentakeln sind bis zu 5 Meter lang und besitzen extrem schmerzendes und auch lähmendes Gift. Sie können auch dem Menschen gefährlich werden.

Tag 14, Dienstag 29.05.2018

N auf ENE drehend 15-20 kts, bewölkt teilw. Regen, 93 sm, 86 Segel, 7 Motor, Welle 1,60- 2m

Der Wind dreht später als vorher gesagt! Das ist gut für uns! Erst ab 6.00 Uhr morgens müssen wir hart am Wind gegen den ENE-Wind kämpfen. Poseidon zeigt uns in den wenigen Stunden, dass die Überfahrt auch ganz anders hätte aussehen können. Es ist 16°C kalt, grau und regnerisch.

Im unserem Handbuch steht, dass Flores wegen seiner Höhe schon aus 40 sm Entfernung auszumachen ist. Als wir gegen 9.00 Uhr nur noch 25 sm zurückzulegen haben, sehen wir immer noch nichts. Sind wir falsch abgebogen? 2 sm weiter nördlich läuft eine andere Yacht parallel. Der will bestimmt auch nach Flores. Dann können wir so falsch nicht sein. Ich gehe frühstücken und während ich im Salon so aus dem Fenster schaue, hebt sich Flores aus dem Nebel. LAND IN SICHT!

Während wir näher kommen, kommen auch langsam die Farben dazu. Die Steilküsten sind atemberaubend schön! Man stelle sich vor, wir hätten auch noch Sonne dazu.

Bis an die SW-Ecke von Flores können wir segeln. Dann dreht der Wind, wahrscheinlich auch durch die Land-Ablenkung, auf E. Wir machen kurzen Prozeß für die letzten 7 Seemeilen. Segel runter – Motoren an. Die Yacht, die wir heute Morgen schon gesehen haben, läuft 10 Minuten vor uns ein und belegt den letzten Platz an der SE-Mole der Marina, wo auch die „Once Around“ schon liegt. Wir müssen vor dem Hafen auf 15 Metern Wassertiefe ankern. Es ist 13.35 Uhr Bordzeit!

Das Objekt der Begierde! Der Hafen. Nach 13 Tagen und 1 Stunde.

 

Der Ankerplatz ist jetzt schon ganz schön unruhig und der Wind soll noch ungünstiger drehen und zunehmen. Auf eine Dinghi-Fahrt in den Hafen haben wir bei diesen Bedingungen schon wenig Lust. Das hatten wir uns nach fast 2000 sm doch ein wenig anders vorgestellt. Aber wenigstens sind wir da. Da ruft uns Peter von der „Once Around“ über Funk. Er hat dafür gesorgt, dass die Schiffe ein Stück zusammen rutschen. Es ist jetzt Platz für uns. Wir sollen reinkommen. Wir freuen uns und nehmen den Anker wieder auf. Die Einfahrt rückwärts in den engen Hafen ist bei dem zunehmenden Wind, Schwell und Strom noch einmal tricky, aber mit der Leinen-Hilfe von Peter und dem gerade anwesenden Trans-Ocean-Stützpunktleiter Christian kriegen wir das auch noch hin. Wir liegen um 14.15 Uhr in der Marina Lajes das Flores.

Fazit: Unsere Überfahrt über den Nord-Atlantik von Bermuda nach Flores war deutlich besser als ihr Ruf. Wir haben wohl einen guten Zeitraum gewählt. Die Fahrt dauerte 13 Tage und 1 Stunde (Zeitumstellung eingerechnet). Die Großkreis-Entfernung beträgt 1680 sm. Durch Bögen für Wind und Wetter wurden daraus 1735 sm über Grund, während unsere Logge 1969 sm gezählt hat. Wir haben 1699 sm gesegelt und sind 270 sm unter Motor gefahren. Wir hatten sehr häufig Gegenstrom. Ob sich alleine hieraus die Differenz zwischen „über Grund“ und „durchs Wasser“ erklärt, können wir nicht zu 100% sagen. Aber so ungefähr wissen wir mittlerweile, wie schnell unsere „Step By Step 2“ bei bestimmten Bedingungen unterwegs ist und die Geschwindigkeit auf der Logge fühlte sich richtig an. Das würde für viel Meeresströmung gegenan sprechen. Günstige Strömungen sind auch einer der Gründe, warum die renommierte Segel-Literatur weiter nördlich reisen will. Wir würden es jedoch wieder so machen und weite Teile südlich des 36. Breitengrades absolvieren.

Aber jetzt genießen wir erstmal das Ankommen.

Die Route bisher von den Bahamas zu den Azoren
[ssba]

14 Kommentare

  • Susanne

    3. Juni 2018 at 15:44 Antworten

    Hallo Ihr Drei,
    Leider kommen meine Mails an Euch immer als unzustellbar zurück,….Vielen Dank für die Geburtstagsgrüsse, habe mich sehr gefreut.😌
    Kommt Ihr nach Hause um zu bleiben oder zieht es Euch wieder hinaus in die Welt? Es macht immer viel Spaß und Freude Eure Berichte zu lesen und die tollen Bilder zu sehen….erweckt aber auch Fernweh. Aus Eurem tollen Fotomaterial und den ganzen Erlebnissen solltet ihr ein Buch machen…🌅📖
    13 Tage auf See ohne Land in Sicht stelle ich mir ganz schön anstrengend und auch etwas Angst einflößend vor!
    Bleibt weiterhin gesund und kommt gut nach Hause- wir freuen uns auf ein Wiedersehen!
    Ganz liebe Grüße aus Wuppertal
    Susanne und Axel

    • Andre Schulz

      5. Juni 2018 at 0:48 Antworten

      Hallo Susanne, mit den emails sollte jetzt klappen. 13 Tage auf See waren 9 weniger als auf dem Hinweg. Sozusagen ein Kurztripp. 🙂 Nein ehrlich: wenn man erst mal unterwegs ist, spielt das kaum noch eine Rolle. Wir freuen unss aber schon immer auf´s Ankommen.LG

  • Lothar

    3. Juni 2018 at 16:20 Antworten

    Schön dass ihr gesund angekommen seid, Respekt für die seglerische Leistung! Liebe Grüße aus Korfu! Lothar & Natalia

    • Andre Schulz

      5. Juni 2018 at 0:44 Antworten

      Hallo Lothar, hallo Natalia, schön von Euch zu hören. Vielen Dank noch mal für die Mittelmeer-Tipps. Die Step By Step wird erst mal in Almerimar bleiben. LG Anja, Andre und Robin

  • Annika

    3. Juni 2018 at 18:03 Antworten

    Ich finde ihr wart schon ziemlich schnell unterwegs dieses Mal.
    Es ist nur irgendwie traurig, dass euch Europa mit so einem unschönen Wetter begrüßt… Ihr Armen! Gewöhnt euch schon einmal an das Wetter 😉

    Die komische Qualle ist bei uns übrigens aktuell auch in allen Nachrichten. Auf Malle sind viele Strände deswegen gesperrt. Auf den Bildern sieht sie sogar eigentlich relativ hübsch aus.

    Ich wünsche euch viel Spaß beim „Ankommen“ 🙂

    • Andre Schulz

      5. Juni 2018 at 0:43 Antworten

      Hallo Annika, wir sind heute schon wieder weiter nach Faial (Horta). LG

  • Silke

    3. Juni 2018 at 18:43 Antworten

    Welcome to Europe! Glückwunsch nochmal und interessanter Etappenbericht – erstaunlich, dass ihr da noch Squalls hattet (und wie nervtötend!). Aber es gibt doch nichts schöneres als die erste Azore am Horizont. Hoffentlich geht‘s Euch gut!
    Liebe Grüße, Silke

    • Andre Schulz

      5. Juni 2018 at 0:42 Antworten

      Hallo Silke, danke uns geht´s gut. Wir sind überrascht, wie voll es auf den Azoren ist. Bleibt das auf den anderen Inseln auch so? Ihr seid doch jetzt auch bald wieder auf der Entropie?

  • Joachim Krotz

    6. Juni 2018 at 15:01 Antworten

    Ganz schoen wellig mit bis zu 3m. Bei Welle > 0,5m ueberlege ich ob ich ueberhaupt raus gehe,

    • Andre Schulz

      7. Juni 2018 at 23:40 Antworten

      🙂 Welle < 0,5m ? Da hätten wir wahrscheinlich auf eine Eisschicht auf dem Atlantik warten müssen.... 🙂

  • Hallo ihr lieben Steppies,
    ganz herzlichen Glückwunsch zur zweiten Atlantiküberquerung! Wir freuen uns mit euch über das tolle Erlebnis! Das Wetter war bei uns auf den Azoren anfangs auch sehr bescheiden; später auf São Miguel wurde es deutlich wärmer und sonniger.
    Ganz liebe Grüße eure Dianas

    • Andre Schulz

      7. Juni 2018 at 23:42 Antworten

      Hallo Ihr lieben Diana´s, vielen Dank noch einmal, dass Ihr ein Auge auf unser Wetter hattet, als wir unterwegs waren. Das war sehr beruhigend für uns. LG

  • Stefan

    8. Juni 2018 at 17:04 Antworten

    Willkommen zurück in Europa und eine gute Zeit auf den Azoren und wohin es euch noch zieht während eurer Heimreise!!
    Liebe Grüße aus Ahlen/Dortmund

    • Andre Schulz

      11. Juni 2018 at 0:05 Antworten

      Hallo Stefan, vielen Dank! Die Azoren sind ein toller Kontrast zu den letzten 18 Monaten. Viel Grün (und Feuchtigkeit). 🙂 LG Andre

Hinterlasst uns einen Kommentar