Doc Oc und die Meerjungfrau – Exumas 01.02.-06.02.2018

Am Donnerstag, 01.02. geht es weiter nach „Little Farmers Cay“. Hier findet jährlich das 5F-Event statt (First Friday of February Festival at Farmers Cay). Jeder kennt es und jeder, mit dem wir gesprochen haben, will dahin. Das wollen wir uns dann natürlich auch nicht entgehen lassen und kommen sicherheitshalber schon einmal am Donnerstag an. Wir hoffen, noch einen vernünftigen Ankerplatz zu bekommen.

Bereits um 7.55 Uhr gehen wir am Black Point Settlement Anker auf. Wir haben perfekte Segelbedingungen: Halber Wind mit 16 kts und null Welle. Das macht so richtig Spaß! Leider haben wir bis „Little Farmers Cay“ nur 11 sm zu absolvieren. Als wir schon um 9.50 Uhr ankommen, fällt es uns schwer, die Segel wieder einzuholen. In letzter Zeit sind wir so viel mit Motor gefahren und heute hätten wir mal die Gelegenheit so richtig Meilen unter Segel zu machen…. Zu allem Überfluß sehen wir auf dem AIS noch unsere Freunde von der „Poerava“, „Tookish“ und „Ondine Blue“, wie sie gerade „Little Farmers Cay“ in Richtung Süden verlassen. Nanu, die wollten doch auch zum Festival? Allerdings waren die alle schon ein paar Mal hier. Wir entscheiden uns, den Anker zu werfen und sind mit immerhin rund 100 anderen Schiffen in guter Gesellschaft.

Am Nachmittag wollen wir nur kurz zur Insel, damit wir uns ein wenig orientieren können. Außerdem müssen wir morgen zum Festival-Start wissen, wo die Musik spielt. Wir gehen die ganze Insel von A (wie Airport) bis Y (wie Yachtclub) ab. Ein bisschen ungewohnt ist es schon, dass wir hier einfach so über die Start- und Landebahn laufen können, aber es landen nur 1 bis 2 mal täglich kleine Privatflugzeuge. Die Insel ist klein und schön, aber im „Ort“ ist nicht viel los. Einkaufsmöglichkeiten gibt es hier keine. Die kleine „Grocery“ hat nur ein paar Dosen im Regal stehen. Frischwaren gibt es nicht.

Als wir am Yachtclub ankommen, findet dort offensichtlich eine Party statt. Wir schauen vorsichtig durch die Fenster und sehen, dass eine Art Buffet aufgebaut ist. Wir hatten nicht vor, auswärts zu essen und laufen somit nur einmal um das Gebäude herum. Als wir eine einheimische Dame ansprechen, wo denn Morgen der „Meeting Point“ für das Festival ist, erfahren wir, dass die Regatta in der Nähe unseres Ankerplatzes das zentrale Element ist. Gut! Dann liegen wir mit der „Step By Step“ ja richtig.

Als wir dann in Richtung unseres Dingis aufbrechen wollen, schaut sie uns groß an: „Wo wollt Ihr hin? Wir haben das Buffet nur für Euch Cruiser aufgebaut! Essen und Trinken ist frei! Bleibt jetzt hier, geht in den Yachtclub und genießt! Los jetzt!“

Hoppla! Das ist ja mal ´ne Ansage! Der können wir uns nicht entziehen und wir gehen zur Party. Wir stellen uns am Buffet an und bekommen einen gehäuften Teller voll mit lokalen Spezialitäten und auch die Getränke sind kostenlos. Welch´eine Gastfreundschaft! Als kleine Gegenleistung erbringen wir eine Spende, welche der örtlichen Kirche und der Schule zu Gute kommt. Man legt aber größten Wert darauf, dass die Spende nichts mit den Buffet zu tun hat. Weil drinnen alle Tische besetzt sind, gehen wir nach draußen und setzen uns zu Susann und Rick aus Kanada von der „Othergoose“. Die beiden sind mit Ihrem 13-jährigem Enkel „Todd“ unterwegs nach Georgetown. Das passt prima! Robin und Todd verschwinden nach dem Essen gemeinsam auf der Suche nach WiFi und freunden sich an. 🙂

Yachtclub nach der Party

Am Freitag-Morgen harren wir am Ankerplatz der Dinge, die da kommen werden und warten auf den Regatta-Start. Es passiert nicht viel und keiner weiß was Genaues. Irgendwann bittet ein Cruiser via Funk bei Ty´s Strandbar um eine allgemeine Ankündigung der Aktionen. „Kein Problem!“ sagt Ty „Ich melde mich in ein paar Minuten“. Das war das letzte, was wir in der Angelegenheit von ihm hörten… 🙂

Gegen Mittag kommt Bewegung herein. Einige offene Segelboote mit riesigen Gaffel-Segeln bereiten sich vor und finden sich nach und nach an der Startlinie ein. Wir genießen das Rennen von unserem Schiff aus und bewundern die einheimischen Segler, wie sie immer im richtigen Moment, häufig zu zweit, auf einer langen Planke seitlich ausreiten, um ein Kentern zu verhindern.

Auch die Lokalpresse darf natürlich nicht fehlen

Am Nachmittag fahren wir an den Stand und entspannen bei einem Rumpunsch in Ty´s Strandbar. Bei der Gelegenheit können wir live zusehen, wie die Conch-Muscheln aus der Schale geholt werden.

Am Sonntag wäre eigentlich ein guter Tag, um weiterzufahren. Der Wind passt und wir könnten es an einem Tag bis Georgetown schaffen. Aber Robin bittet um Verlängerung, weil er sich so gut mit Todd von der „Othergoose“ versteht. Dem Wunsch entsprechen wir natürlich, obwohl dann am Montag Windstille herrschen und ab Dienstag der Wind in eine für uns ungünstigere Windrichtung drehen soll.

Außerdem ist am Sonntag-Abend „Super-Bowl“ angesagt. DAS American-Football-Event um die Meisterschaft. Ty´s Strandbar bietet einen großen LCD-Bildschirm an und so erleben wir am Abend eine tolle Atmosphäre und drücken den Außenseitern von den Philadelphia-Eagles die Daumen. Ty freut sich über seine Gäste und gibt mehrere Schnaps-Runden aus und sogar einen warmen Imbiss (Conch-Fritters) gibt es für jeden Tisch kostenlos. Außerdem gibt es eine Art Lotterie, die sich am Spiel-Stand orientiert und Anja ist bis 3 Minuten vor Schluß auf der Gewinner-Position. Zum Glück machen die Eagles kurz vor Schluß noch einen Touch-Down und Anja gibt den ersten Platz an eine einheimische Lady ab. Die Eagles gewinnen zum ersten Mal in Ihrer Vereinsgeschichte. Wir sind Zeugen eines historischen Momentes.

Wie vorhergesagt gibt es dann am Montag kaum Wind. Wir nehmen um 8.50 Uhr Anker auf und fahren im Westen der Inseln weiter nach Süden. Als wir an Musha Cay vorbeikommen, stockt uns fast der Atem. Erstens weil die Durchfahrt extrem schmal und flach ist und zweitens weil die Aussicht auf die private Insel wirklich atemberaubend schön ist.

Die Insel gehört David Copperfield und gilt als das wohl luxuriöseste Insel-Resort der Welt. Für läppische 57.000 USD pro Nacht können hier bis zu 24 Gäste von 30! Angestellten verwöhnt werden (wenn es interessiert: www.mushacay.com). Wenn wir nicht eine Verabredung mit der „Piano-Mermaid“ des Herrn David Copperfield hinter „Rudder Cut Cay“ hätten, würden wir hier spontan den Anker fallen lassen. Es ist zwar nicht erlaubt, die Insel zu betreten, ab man kann dort trotzdem ankern.

So aber fahren wir noch ein kleines Stück weiter und schnorcheln an der berühmten Skulptur, die jetzt bei Hochwasser recht tief unter Wasser zu finden ist.  Leider sehen wir erst beim Überspielen der GoPro, dass ein Scherzbold der Mermaid eine Sonnenbrille aufgesetzt hat.

Bei der Gelegenheit finden wir zwischen den Felsen einen großen Oktopus, der uns nach anfänglicher Zurückhaltung doch noch eine tolle Vorstellung seiner grazilen Fortbewegung-Art gibt.

Die „Othergoose“ ist auch hier und Rick zeigt uns nach dem Schnorcheln, wo sie für die Nacht hinter „Lee Stocking Island“ ankern werden. Das ist noch einmal 12 Seemeilen weiter, verkürzt aber die direkte Distanz nach Georgetown auf 25 sm. Der Wind kommt morgen aus ESE und wir müssen kreuzen. Deswegen ist es eine gute Idee, heute noch ein paar Meilen gut zu machen. Wir schließen uns an und werfen um 15.25 Uhr den Anker vor der Coconut-Beach. Trotz des äußerst schwachen Windes hatten wir bei maximalem Ebb-Strom ungemütliche Wellen im Adderly Cut. Wir möchten bei mehr Wind und Ebb-Strom nicht hier durchfahren müssen. Die Cuts, das sind die schmalen Durchfahrten zwischen den einzelnen Inseln der Exumas. Hier herrscht starker Gezeitenstrom und bei den vorherrschenden Ostwinden ist die Ebb-Strömung besonders heikel. Den Abend verbringen wir mit einem Spiele-Abend auf dem Katamaran von Brenda und Rob, die ebenfalls aus Kanada stammen.

Am Morgen des Dienstages, 06.02, bin ich nervös und will los. Wir haben gestern gesehen, welche Bedingungen im Adderly Cut herrschen können. Heute ist mehr Wind und um 5.30 Uhr war Niedrigwasser. Je länger wir jetzt warten, desto mehr Strom herrscht im Cut. Diesmal zwar Flutstrom, also mit dem Wind, aber dann müssen wir gegen Wind und Strom herausfahren. Das kann auch anstrengend sein. Außerdem möchten wir schnellstmöglich auf dem freien Wasser des tiefen Exuma-Sounds sein, damit wir segeln können. Deswegen kommt für uns die „Innen-Route“ zum südlicheren „Rat Cut“ nicht in Frage. Auf dem Weg dorthin ist es auch ziemlich flach. Manche Stellen weisen nur 1,20 Meter aus und wir haben 1,15 Meter Tiefgang (leer). Mit der Tide würde es wohl passen, aber wir wollen nichts riskieren.

Also schmeiße ich Anja aus dem Bett und um 7.18 Uhr nehmen wir Anker auf. Kurz vor dem Cut fahren wir an einem Monohull vorbei, der bei Niedrigwasser auf Grund gelaufen ist. Wir bieten Schlepphilfe an, aber der Skipper will lieber auf Hochwasser warten. Ok! Das soll uns recht sein.

Draußen ist die Welle wieder höher und unangenehmer als erwartet, aber nachdem wir einen 2 sm langen Schlag nach Nordosten gemacht haben, können wir ziemlich genau Kurs Georgetown mit 140° anliegen und haben einen schönen Segel-Tag. Auch die Einfahrt nach Georgetown nehmen wir unter Segel und nur für die letzten 2 Seemeilen zum Ankerplatz kommen die Motoren zum Einsatz.

Unterwegs passieren auch den mit 36 m höchsten „Berg“ der Exumas auf Lee Stocking Island.

Zunächst ankern wir in der Nähe des Lake Victoria. Hier haben wir einen kurzen Weg zum Dingi-Dock des „Exuma-Markets“ für unsere Einkäufe. Mal sehen, ob wir hier unsere Vorräte wieder ein bisschen mit frischem Obst und Gemüse aufstocken können.

 

[ssba]

4 Kommentare

  • Annika

    12. Februar 2018 at 20:12 Antworten

    Die Meerjungfrau am Piano ist super schööön – auch wenn es zugegebenermaßen irgendwie doch ein bisschen gruselig wirkt. Ich werde gleich mal googeln was es mit der Skulptur auf sich hat. Auch wenn sie berühmt ist, sagt sie mir überhaupt nichts 🤷‍♀️ An dieser Stelle einen schönen Gruß an meinen ehemaligen Geschichtslehrer 😂

    Ich drücke euch die Däumchen für traumhaftes Segelwetter 🙂

    • Andre Schulz

      12. Februar 2018 at 23:43 Antworten

      Mmh! Hab ich geschrieben, dass sie berühmt ist? Na ja! Irgendwie ist sie das jetzt ja auch.

      • Annika

        13. Februar 2018 at 17:27 Antworten

        😂 Und ich hab über eine Stunde gegoogelt und hab mich schon gewundert warum man NICHTS findet. Jens und ich haben dann mit dem Gedanken „Vielleicht wieder so ein Ding unter Seefahrern“ aufgegeben. 🙈

        • Andre Schulz

          17. Februar 2018 at 23:57 Antworten

          Sorry!

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