Eleuthera von Nord bis Süd 19.02. -03.03.2018

Der Ankerplatz vor Royal Island ist rundum gut geschützt. Es handelt sich praktisch um eine abgeschlossene Wasserfläche mit einer schmalen Einfahrt. Allerdings gibt es hier nicht viel zu tun und zu sehen. An Land gehen kann man nicht und darf man nicht, weil die Insel privat ist. Und selbst wenn wir die Möglichkeit dazu hätten, gäbe es außer Felsen nicht viel zu erforschen.

Außerdem hat mich noch ein heimtückischer, subtropischer Männerschnupfen erwischt, den ich während unseres Aufenthaltes hier auskuriere. Außer, dass wir Amy und Terry mit Ihrem Katamaran „World at Bay“ bei einem Sundowner an Bord der „Step By Step“ kennenlernen, passiert hier auch nicht viel. Zum Schwimmen und Schnorcheln ist es uns zu windig. Wir nutzen die Phase, um die Bordschule für Robin mal wieder in den richtigen Rhythmus zu bringen und zum Wäsche waschen.

Diesmal bin ich derjenige, der einen Tapetenwechsel braucht. Am Donnerstag-Morgen, den 22.02. nehmen wir Anker auf und verholen 4 Seemeilen weiter. Der Anker fällt vor Meek´s Patch. Eine kleine Insel mit einem hübschen Strand. Hier hat man allerdings nun auch einige Schweine angesiedelt und möchte sage und schreibe 10,-$ pro Person für das Erlebnis kassieren, mit den Schweinen zu schwimmen. Nein danke! Wir machen schnell ein paar Fotos und verschwinden wieder. Dann fahren wir eben rüber, wenn der gute Mann an der Kasse Feierabend hat. Als er gegen 17.00 Uhr endlich verschwindet, sind allerdings auch die Schweine weg. Nur der „Boss“ kommt noch mal gucken, ob wir etwas zu essen bringen. Die anderen Schweine sind wohl irgendwo auf der Insel weggesperrt worden. Mach nix! Wir hatten das Vergnügen ja schon mehrfach auf anderen Inseln.

10,- US-$ pro Person sparen wir uns
Hai-Gebiss als Warnung für Zechpreller?

Diesen Seestern finden wir beim Schnorcheln

Freitag-Morgen, 23.02., gehen wir dann bereits um 8.00 Uhr Anker auf, damit wir um 9.00 Uhr pünktlich in der Werft zum Kranen sind. Die Einfahrt nach Spanish Wells ist wieder recht eng und an den Rändern sehr flach. Gut, dass uns ein „Lotse“ in Form eines Delfines den Weg zeigt. Genau bis hinter die Einfahrt schwimmt er vor. Dann dreht er ab, als wolle er sagen: „Den Rest müsst Ihr alleine schaffen!“. Vielen Dank, Lotse! 🙂

Die Einfahrt nach Spanish Wells ist eng
Aber mit Lotse kein Problem

Das Anlegen in der Werft ist bei den Verhältnissen noch mal schwierig. Wir bekommen die Anweisung, mit der Steuerbord-Seite anzulegen. Daher haben wir 23 kts Wind von hinten, der zusammen mit der 2- bis 3-Knoten-Strömung enorm schiebt. Ich breche das Manöver 3- oder 4-mal ab, weil wir viel zu schnell auf die Poller zurasen. Das kriegen wir niemals rechtzeitig aufgestoppt!!! Wir würden das Boot auf jeden Fall beschädigen. Anja hat dann schließlich die entscheidende Idee, rückwärts und damit gegen Wind und Strom heranzufahren. Das gelingt auf Anhieb. Wir können uns fast im Stand Schritt-für-Schritt (eben „Step By Step“  🙂 ) herantasten.

Der Kanal bei Spanish Wells vom Dock aus gesehen

IMMER GEGEN WIND UND STROM ANLEGEN!!! Lernt man zwar in der ersten Segelklasse, vergisst -Mann- (also ich) immer wieder gerne mal, weil es meistens auch anders herum ganz gut geht und oft ist es uns wichtiger, dass wir später mit der Schokoladenseite, nämlich Backbord an der Pier liegen. Dann ist das Ein- und Aussteigen leichter. Außerdem legen wir ja nur noch alle paar Monate mal irgendwo an.

Gegen 12.00 Uhr ist dann Hochwasser und die „Step By Step“ wird aus dem Wasser geholt. Die R&B-Werft in Spanisch Wells hat dafür keinen Kran, sondern eine Plattform, die ähnlich wie eine Auto-Hebebühne funktioniert. Die Plattform wird abgesenkt und das Schiff darüber positioniert. Der Chef geht mit Taucherbrille und Atemschlauch ins Wasser und sorgt dafür, dass die Kiele an der richtigen Stelle sind. Dann werden noch ein paar Stützen untergestellt und die ganze Plattform mit dem Schiff zusammen aus dem Wasser gehoben. Ein simples, aber fast geniales Konzept. Für unseren Katamaran ist das viel schonender als in den Krangurten zusammengequetscht zu werden.

Die Hebebühne für Schiffe
Der Chef geht baden
Langsam hebt sich die Step By Step
Geschafft!

Anschließend besprechen wir mit Robert (das „R“ in R&B-Boatyard) den weiteren Ablauf der Reparatur. Zu seiner Erleichterung haben wir es nicht so eilig wie die meisten seiner Kunden. Es kommt uns sogar entgegen, wenn wir für den Rest des Tages an Land bleiben, weil wir dann bequem den Ort erkunden können und unsere Einkäufe erledigen können.

Spanish Wells ist so ganz anders als der Rest der Bahamas. Überall sind die Leute beschäftigt, überall ist was los und es wird kräftig gewerkelt. Nach dem ersten Rundgang finden wir einen großen Supermarkt mit akzeptablen Preisen und stocken unsere Vorräte auf. Auf dem Rückweg hält ein Golf-Cart neben uns. Der 92-jährige Fahrer bietet uns eine Rücktour zum Boot an und verlangt dafür nichts weiter als ein bisschen Unterhaltung und Klönschnack. Mit 92 Jahren möchte ich bitte auch noch so sicher unterwegs sein. Das hat uns beeindruckt!

Wegweiser
So einen großen Supermarkt hatten wir lange nicht
Überall wird gebaut und gewerkelt

Ein Garagen-Café könnte noch ein paar Gäste mehr vertragen

Am Abend wollen wir im „Budda´s“ etwas essen gehen. Auf unserem Weg dahin stoppt wieder ein Golf-Cart. „Wo wollt Ihr hin? Ich fahr Euch!“ fragt uns diesmal Dennis. „Nein danke! Wir sind froh, ein bißchen zu laufen.“ antworten wir. Dennis dreht und lässt es sich nicht nehmen, uns trotzdem zu fahren. Die sind aber alle nett hier!

Budda´s; der In-Scene-Treff in Spanish Wells
Die Küche ist in einem Truck untergebracht

Die Preise im „Budda´s“ sind erstaunlich günstig und lecker ist es auch. Leider ist die Kellnerin offensichtlich ein bisschen überfordert und als mein Essen endlich vor mir auf dem Tisch steht, sind die Pommes kalt. Als ich das anmerke, weiß die Kellnerin damit gar nicht umzugehen und wirkt so hilflos, dass ich abwinke und das einfach so akzeptiere. Zum Dank ignoriert sie mich danach völlig und nimmt weitere Drink-Bestellungen und auch die Bezahlung nur noch von Anja an. 🙂 Sonst gibt es aber nichts zu meckern hier. Es war lecker und gemütlich ist es hier auch. Das mit den Pommes kann ja mal passieren.

Am Samstag-Morgen um Punkt 8 Uhr schließt Robert das Büro auf. Das ist doch kein gebürtiger Bahamian oder etwa doch? Ein Stunde später geht der Chef persönlich an den Wechsel unserer Saildrive-Dichtungen heran, nachdem sein Mitarbeiter gestern schon den Propeller demontiert und das Öl abgelassen hat. Die schwierigen Sachen macht der Chef, der übrigens aus Nassau kommt, wohl doch lieber selbst. Ist uns recht so.

Chefsache !
Die Ordnung in der Werkstatt will erstmal verstanden werden

Das neue Öl besorge ich im Marine-Hardware-Store nebenan selber, weil ich natürlich die Gelegenheit nutze und auf der anderen Seite auch einen Ölwechsel vornehme. Puh! Das Öl schlägt schon mal mit 100,-$ zu Buche. Das ist happig! An der US-Küste hätte ich weniger als 20,-$ dafür bezahlt. Ich habe damals im Walmart davor gestanden, aber nicht damit gerechnet, dass wir vor der Heimfahrt noch einmal das Öl in den Saildrives wechseln werden. Dafür ist gegen Mittag die Reparatur abgeschlossen und die Gesamt-Rechnung erfreulich niedrig. Ist das Februar-Budget doch noch zu retten?

Blick auf die „Hauptstrasse“ von unserem „Liegeplatz“
…und weiter im Norden

übriggebliebene Weihnachtsbeleuchtung

Erholung mit Kaltgetränken

Gegen 14.30 Uhr geht es nach einem weiteren Spaziergang über die Insel zurück ins Wasser und wir verholen zurück zu unserem Ankerplatz vor Meek´s Patch für die Nacht.

Die erste Herausforderung am Sonntag, 25.02. besteht dann wieder im richtigen Timing der Durchfahrt des „Current Cut“ (Zur Erinnerung 6 bis 10 Knoten Strömung dort). Wir entscheiden uns für den Zeitpunkt „2 Stunden nach Niedrig-Wasser Nassau“ und haben gegen Mittag an der engsten Stelle nur 1,5 bis 2 Knoten Strom gegenan. Der Zeitpunkt war also gut gewählt.

Mit nur einem Kreuz-Schlag können wir hart am Wind zügig zu unserem Tagesziel, dem sogenannten „Glass-Window“ im Nordosten der Bight of Eleuthera segeln. Wir ankern zunächst dicht davor und fahren mit dem Dingi an Land. Als wir über die spitzen Korallenfelsen klettern, erinnere ich mich etwas über „festes Schuhwerk“ gelesen zu haben. Wir sind natürlich alle auf Flip-Flops unterwegs. NICHT zu empfehlen!

Weil wir uns nur flüchtig eingelesen haben, hatten wir hier eigentlich eine Glas-Plattform o.ä. erwartet, auf der wir die Ozean-Brandung des Atlantiks auf der anderen Seite bewundern können. Stattdessen finden wir eine schmale Betonbrücke, die auch schon bessere Tage gesehen hat, aber zugegebenermaßen an einer landschaftlich sehr reizvollen Stelle steht. Auf der einen Seite der dunkelblaue, tiefe Atlantik und auf der anderen Seite das türkisfarbene, flache Wasser der Bight of Eleuthera.

Rechts der tiefblaue Atlantik
Links die flache „Bight of Eleuthera“
mit Wasseraustausch zwischen den Wasserflächen

Wir fragen einen Taxifahrer, wo das „Glass Window“ denn zu finden ist und er klärt uns auf: Bevor die Betonbrücke gebaut wurde, gab es hier eine eindrucksvolle Naturbrücke aus Felsen, welche die einzige Verbindung zwischen dem nördlichen und dem südlichen Teil von Eleuthera darstellte. Wenn man unter dieser Naturbrücke durchschaute, war es, als sähe man durch ein Fenster. Daher der Name! Die Felsenbrücke wurde vor mehr als 100 Jahren durch einen Hurricane zerstört. Die Betonbrücke hat den Namen geerbt und ist auch den Naturgewalten ständig ausgesetzt. „Ach so!“, denken wir etwas enttäuscht, obwohl das Ganze schon sehenswert ist.

Mit etwas Phantasie sieht es wie ein Fenster aus

Zurück auf „Step By Step“ verholen wir zunächst an einen besser geschützten Ankerplatz. Am Abend erinnern wir uns, irgendwo etwas über „Queen´s Bath“ gelesen zu haben. Das war doch auch hier irgendwo. Dank Internet finden wir die gewünschte Information. Obwohl für Montag-Morgen noch mal guter Segelwind vorhergesagt ist, wollen wir uns „Queen´s Bath“ erst noch ansehen. Gute Entscheidung! Es ist eine Ansammlung von Natur-Pools, die nur bei Niedrigwasser +/- 2 Stunden zu besuchen sind. Das war mal wieder richtig sehenswert. Wir können nicht verstehen, warum unser Bahamas-Führer zwar das „Glass-Window“ beschreibt, aber das „Queens Bath“ mit keiner Silbe erwähnt.

Naturpools laden zum Baden ein

Robin ! Herr der Elemente. Abrakadabra…
…und Platsch!

 

Höhlen gibt es auch

Anschließend kreuzen wir gegen den Wind zu unserem nächsten Ankerplatz vor der „Rainbow-Beach“. Bei den heutigen SE-Winden ist es ein bisschen rollig hier.

Am Dienstag, 27.02. ist der Wind weg. Wir nutzen die Gelegenheit und fahren unter Motor nach Governor´s Harbor. Der Hauptstadt Eleuthera´s! Der Ort ist bei Seglern vor allem wegen seines schlechten Ankergrundes bekannt. Und er ist wirklich schlecht. Erst beim zweiten Versuch packt unser Rocna und als ich anschließend mit dem Schnorchel kontrolliere, hat sich gerade mal die Ankerspitze ein bisschen im harten Sand verklemmt. Und dass, obwohl wir beide Motoren „voll zurück“ geben, um den Anker schließlich zu versenken. Weil die Wind-Vorhersage weiterhin flautig ist, halten wir das Risiko für überschaubar und belassen es dabei. Der Anker-Alarm ist natürlich, wie immer, eingeschaltet.

 

Hier ist es! Das Stadion der legendären Harbor Hustlers
Die VIP-Zuschauerplätze…
…und das Spielfeld

 

Ein Kino gibt´s auch

Am Mittwoch, 28.02. haben wir deutlich mehr Wind, als die Vorhersage versprach. Statt 5-6 Knoten haben wir 17-20 Knoten Wind und das auch noch aus der richtigen Richtung aus NE. Das nutzen wir aus, um zügig zum Rock Sound ganz im Süden von Eleuthera zu segeln. Der Rock Sound ist wieder eine große Wasserfläche mit Rund-um-Schutz. Allerdings kann man auch an Land gehen. Hier wollen wir auf das richtige Wetter warten, um zurück zu den Exumas zu segeln. Die sind zwar nur 30 bis 40 Seemeilen entfernt, aber wir müssen dafür den tiefen Exuma-Sound kreuzen und anschließend den richtigen Zeitpunkt treffen, um einen der Cuts in Richtung Exuma-Banks zu nehmen. Außerdem erwarten wir hier zum Wochenende die Ausläufer des extremen Wintersturmes, der gerade an US-Ostküste wütet. Da sind wir hier im Rock-Sound gut geschützt.

Die Strand-Bar

Zu unserer großen Freude läuft am Donnerstag, 01.03. die „Quandary“ von Vivienne und Tom ein. Die Beiden gehörten zum „harten Kern“ während unserer Weihnachtszeit in Fort Pierce. Gemeinsam besuchen wir das hiesige „Blue Ocean Hole“. Ein fast 200 Meter tiefer Salzwasser-See mitten auf der Insel. Die Abende vertreiben wir uns gemeinsam mit der Quandary-Crew beim Kartenspielen.

Das Ocean Hole

Am Freitag, 02.03. verholen wir innerhalb des Rock-Sounds an die NW-Küste, um noch besseren Schutz zu finden. Hier gibt es wirklich viele gute Stellen zum Ankern. Für jede Windrichtung ist was dabei.

[ssba]

5 Kommentare

  • Annika

    4. März 2018 at 20:40 Antworten

    Mein lieber Scholli!! Was zum Geier esst ihr da so?! Robin ist ja gigantisch gewachsen 😳 Zumindest wirkt er auf dem letzten Bild riesig 🙈

    Und so einen schönen Lotsen hätte ich auch gerne jeden Morgen. Das ist doch netter anzusehen als der typische „Opa mit Hut“ 😉

    • Andre Schulz

      4. März 2018 at 22:29 Antworten

      Hihi! Reingefallen! Guck mal, wo Robin´s Füße sind… 🙂

      • Annika

        5. März 2018 at 18:37 Antworten

        Das hab ich schon gesehen 😉 Dennoch bin ich relativ sicher, das er mich mittlerweile „eingeholt“ hat. Und alles über 1,66 m ist RIESIG! 😜

  • Nicki

    15. April 2018 at 22:44 Antworten

    Phantastische Fotos! 😍
    Wahnsinn- traumhaft schön … wenn ich das so sehe, kann sehr gut verstehen dass es euch dort so gut gefällt!!!

    • Andre Schulz

      16. April 2018 at 0:24 Antworten

      Leider ist es bald mit den Bahamas vorbei… Aber die Rückreise wird bestimmt spannend.

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