„Fluch der Karibik“ oder „Hetz´ mich nicht!“

Am nächsten Tag geht es also los in den Norden von Dominica –nach Portsmouth-. Es ist wenig Wind vorhergesagt und wir haben noch weniger. Es sind nur 18 Seemeilen. Wir haben aber auch nicht wirklich damit gerechnet, die Distanz segeln zu können, weil wir hinter den Inseln bisher immer Flaute gehabt haben. Also machen wir den Jockel an und tuckern gemütlich nach oben.

Die Bucht von Portsmouth heißt auch Prince-Rupert-Bay und ist ziemlich groß. Das ist auch gut so, denn hier liegen schon sehr viele Yachten vor Anker. Von unserem Guide in Roseau „Seacat“ haben wir die Empfehlung bekommen, dass wir uns in Portsmouth an Martin bzw. „Providence“ wenden sollen. Die JoEmi nimmt also kurz vor der Einfahrt via UKW-Funk Kontakt mit ihm auf und kündigt unsere 5 Schiffe bei ihm an. „Providence“ ist Martin´s Spitzname und heißt frei übersetzt „der-sich-kümmert“. Sein Name ist Programm. Er freut sich über unsere große Truppe und hat für alle Yachten unserer Gruppe eine zuverlässige Mooring-Boje zur Verfügung. Unsere „Step By Step 2“ ist das erste Schiff und bekommt den schönsten Platz, dafür ist dieser aber auch etwas von den Liegeplätzen der anderen entfernt. Macht aber nix! Wir haben ja das starke Dinghi.

Die Boatboys in Portsmouth haben sich vor einigen Jahren zu der PAYS (Portmouth Association of Yacht Services) zusammengeschlossen. Damals gab es hier sehr häufig Überfälle auf Yachten, welche die Existenzgrundlage der Jungs gefährdet haben. Es wurde sehr eindringlich vor dem Anlaufen in Portsmouth gewarnt. Gemeinsam als PAYS konnten sie das eindämmen, ja sogar eliminieren. Die Teamarbeit funktioniert sehr gut. Jeder hat seine Aufgabe und wir werden nicht, wie in den anderen Orten, x-mal wegen des gleichen Angebotes angequatscht. Wir fühlen uns sehr willkommen!

Kurz nach dem Festmachen kommt „Lawrence von Arabien“ vorbei und bedauert sehr, dass wir nicht gestern am Sonntag schon gekommen sind. Jeden Sonntag gibt es das legendäre BBQ der PAYS, sagt er. Aber er hat auch gute Nachrichten: Es gibt noch eine andere größere „Reisegruppe“, die gerade hier Halt macht und diese hat ihn gebeten, heute noch einmal ein Barbecue auszurichten. Wir sind herzlich eingeladen, uns ebenfalls anzuschließen. Der Preis ist mit 50,- EC-$ pro Erwachsenen (ungefähr 18,-€) incl. Rum-Punsch bis zum Abwinken absolut vernünftig. Da überlegen wir nicht lange und sagen zu. Nur die JoEmi und die Pierina hoffen darauf, beim Dinghi-Angeln noch einen Fisch zu fangen und kommen nicht zum BBQ. An diesem Abend bleibt der Fisch-Teller unserer Freunde aber noch leer J. Unser Abend ist gelungen. Das Essen ist prima und ausreichend (es gibt super leckeren Fisch, Hähnchen, Reis und Salat), der Rum-Punsch schmeckt. Was will man mehr? Als alle Gäste satt sind, holen die PAYS-Leute noch Ihre Familien dazu, die ebenfalls noch satt zu werden scheinen. So haben alle etwas davon. Sehr empfehlenswert!

Am nächsten Tag holt uns unser Guide „Providence“ zur Indian-River-Tour ab. Der Indian River ist Naturschutz-Gebiet, deswegen muss er uns auf dem Fluss rudern. Es sind mit ihm zusammen immerhin 7 Erwachsene und 5 Kinder im Boot.

Ein überwältigendes Panorama empfängt uns schon direkt nach der Einfahrt und die wilde und irgendwie noch unberührte Schönheit des Mangroven-Flusses macht uns fast sprachlos. Große Krabben und Fische runden das Bild ab.

Hier wurden viele Szenen des Filmes „Fluch der Karibik II“ gedreht. Die schiefe Hütte der Hexe „Calypso“ steht noch oder wurde nachgebaut (wen interessiert der Unterschied schon?) und passt perfekt in die Umgebung. Nur die Kinder dürfen auf dem wackeligen Steg aussteigen und für ein Erinnerungs-Foto posen.

Die verschlungenen Wurzeln der Mangroven-Bäume sehen so lebendig aus, dass wir uns nicht wundern würden, wenn sie anfingen, sich zu bewegen und nach uns zu greifen. „Providence“ erzählt in der Zwischenzeit Geschichten zum Fluss, zur Tierwelt und natürlich über Kokosnüsse. Kokosnüsse sind seiner Meinung nach das Allheilmittel und der Jungbrunnen zugleich. Deswegen lässt er es sich auch nicht nehmen, uns am Wendepunkt unserer Tour, an der es sogar eine schöne Bar gibt, eine frische Kokosnuss mit der Machete zu öffnen, zu teilen und zu kredenzen.

Eine eindrucksvolle Tour, die wir jedem Besucher dringend ans Herz legen möchten.

Am Nachmittag feiert McKenzie von der „Pierina“ noch seinen 11.ten Geburtstag. Robins Tag ist also wieder einmal bis oben mit „Terminen“ voll.

Einen weiteren Tag wollen wir noch bleiben. Die Stadt Portsmouth selbst muss noch erkundet werden und wir wollen ein wenig „hiken gehen“ (neu-deutsch für „wandern“ J). Gemeinsam mit den JoEmi´s und den Pierina´s ziehen wir los. Die Stadt Portsmouth scheint recht arm zu sein. Die Hütten, welche den Straßenrand säumen, sehen nicht so aus, als könnten sie dem nächsten Hurricane trotzen. Alle stehen irgendwie auf Stelzen oder Steinen, damit sie wenigstens ein bisschen vor dem Hochwasser geschützt sind.

In unserem Reiseführer wird ein Wanderweg angepriesen, der zu einem natürlichen Pool in einem Flusslauf führt. Da wollen wir hin! Leider lässt die Beschreibung zu wünschen übrig und wir sind uns nicht immer sicher, wo es lang geht. Oliver nutzt jede Gelegenheit, Einheimische nach dem Weg zu fragen. Leider scheint von denen aber niemand so richtig zu wissen, was wir eigentlich suchen.Dementsprechend ungenau und auch unterschiedlich fallen die Wegbeschreibungen aus. Manche winken auch nur freundlich und zeigen beim Hinweg in die eine Richtung und beim Rückweg in die andere, wenn wir mal wieder in einer Sackgasse gelandet sind.

Am Ende finden wir einen Pool in einem Flusslauf und entscheiden: „Hier ist es!“ Wir nehmen ein erfrischendes Bad, aber so richtige Begeisterung mag nicht aufkommen. Egal! Wir haben ja noch den großen Salzwasser-Pool direkt vor unserer Haustür.

Wir laufen noch ein wenig den Berg herauf, entscheiden dann aber irgendwann, dass es Zeit wird, umzukehren und laufen den Weg zurück.

Robin mit „frischer“ Kokosnuss

Erwähnen muss ich aber noch, dass Oliver gestern Abend endlich einen großen Kingfish beim erneuten Dinghi-Angeln mit seinem Freund Jan gefangen hat. Jan ist Deutscher und irgendwann mal hier auf Dominica hängen geblieben. Glückwunsch für Oliver und Jan! Ob das Eis jetzt wohl gebrochen ist? 😉

Am Donnerstag gibt es wieder Schokoladen-Seiten-Segeln. Wir segeln zu den „Les Saintes“ rund 20 sm weiter im Norden. Emilia von der „JoEmi“ möchte gerne einmal auf unserem Katamaran mitsegeln. Dem Wunsch entsprechen wir natürlich gerne. Bei moderatem Wind und kaum Welle starten die „JoEmi“, die „Pierina“ und die „Step By Step 2“ zeitgleich. Seit Wochen endlich mal wieder ohne Reff im Segel. Aber… Was ist los? Habe ich schon wieder Geburtstag und die anderen lassen mich vor? Die kleine „Step By Step 2“ setzt sich bei diesen Ideal-Bedingungen schon wieder gegenüber den beiden viel größeren „Konkurrenten“ ab. Die „JoEmi“ bleibt uns zwar sehr lange sehr dicht auf den Fersen, aber sie schafft es nicht, zu überholen. Am Ende haben wir sogar noch einen kleinen Vorsprung herausgeholt. Ein Segelboot ist ein Segelboot – zwei Segelboote sind eine Regatta! J

Vor dem Ort „Bourgh“ auf „Terre d’en Haut“ fällt der Anker neben der „Eleonore“, die gestern schon herüber gesegelt ist. Der Weg mit dem Dinghi zum Ort ist weit, aber natürlich klarieren wir noch am gleichen Tag beim Zoll ein. Die Insel und auch der Ort sind sehr hübsch, aber der Ankerplatz gefällt uns nicht so richtig. Hier sind wir Wind und Welle stark ausgesetzt und die „Nähe“ zum Ort ist auch nicht wirklich vorhanden.

Deswegen verholen wir nach 1,5 Tagen in die Nachbarbucht „Anse à Cointre“, wo die „Diana“ schon seit einigen Tagen liegt. Hier ist es doch viel romantischer.

Beim Schnorcheln sehen wir Tausende Fische und auch sonst ist es hier viel ruhiger. Meistens! Als wir mit unserem Schlauchboot zum Dinghi-Steg in der Bucht fahren und gerade, wie immer, langsam und konzentriert auf den Steg zufahren, platscht es plötzlich ziemlich laut neben uns im Wasser. Wir erschrecken! Was war das? Haben wir etwas verloren? Nein, hier jagen Pelikane! Sie lassen sich von oben mit einem Bauch-Klatscher auf das Wasser fallen, wenn sie einen Fisch erspäht haben. Das sieht nicht gerade elegant aus, ist aber offensichtlich wirksam. Nach dem Auftauchen sieht man fast jedes Mal diese typische Aufwärts-Kopf-Bewegung, wenn der gefangene Fisch in die Speiseröhre befördert wird.

Am Sonntag-Nachmittag wollen wir uns noch etwas die Beine vertreten und fahren an Land. Wir finden einen Wegweiser, der in den Wald zeigt und mit „La Chameau“ beschriftet ist. Er sieht interessant aus und wir gehen ihn. Der Weg wird immer steiler und steiniger. Bald müssen wir klettern. Klar! Der Weg führt auf den höchsten Berg der Insel. Gegen 17.00 Uhr haben wir das Ziel noch nicht in Sicht und wir brechen ab. Um 18.00 Uhr wird es dunkel und dann wollen wir wieder unten sein, außerdem haben Anja und Robin nur Flip-Flop-Schuhe an. Eine angriffslustige Schlange, die wir kurz vorher getroffen haben, tut das Übrige. Und das, obwohl es laut Reiseführer gar keine Schlangen hier gibt. 😉 Die Schlange wurde von Anja aufgeschreckt und schießt erst auf Robin zu, dreht dann ab und kommt auf mich zu. Ich erschrecke, wie wahnsinnig schnell die ist. Sie springt förmlich über den Boden. Aber sie springt in 2-3 Metern Abstand vorbei. Die Schlange ist ungefähr 1,20 Meter lang, recht schlank und schwarz. Wir wissen nicht, ob sie gefährlich ist und haben deswegen gehörigen Respekt. Wir beschließen trotzdem, dass wir morgen nach der Schule einen weiteren Anlauf nehmen wollen, diesmal früher und mit besserem Schuhwerk.

Suchbild: Wo ist die Schlange?

Auf dem Rückweg laufen wir noch einige Minuten zum Strand Anse de Crawen, einem sehr schönen Naturstrand. Leider fängt es mal wieder an zu regnen und eine nette Dame macht uns darauf aufmerksam, dass Robin unter einem der berüchtigten Manchinel-Bäume sitzt. Es handelt sich hierbei um einen der giftigsten Bäume der Welt. An diesem Baum ist wirklich alles giftig: Blätter, Rinder und die apfel-ähnlichen Früchte. Der Verzehr der Früchte ist sogar tödlich. Bei Regen wird eine milchig-weiße Substanz abgesondert, die auf der Haut schwere Hautreizungen und Blasenbildung hervorruft. Die Bäume stehen meistens am Strand und sind gekennzeichnet. Leider war die rote Warnfarbe am Stamm dieses Baumes nur noch sehr schwach und wir haben es übersehen. Da müssen wir definitiv noch aufmerksamer werden.

Als wir am Montag-Mittag ins Dinghi steigen, glauben wir schon fast, dass es mit diesem Wanderweg nicht sein soll. Auf halbem Weg streikt plötzlich der Außenbord-Motor und wir bekommen ihn nicht mehr gestartet. Glücklicherweise hat uns Markus von der Diana beobachtet. Er steigt in sein Schlauchboot und bietet Schlepphilfe an. Zurück beim Schiff fühle ich mich in meine Mofa- und Kleinkraftrad-Zeit zurück versetzt. Ich schraube Zündkerzen heraus, trockne sie, lasse den Motor trocken drehen, versuche erneut zu starten und drehe diese Runde noch 3-4mal, bis er endlich wieder läuft. Wir können los. Wir klettern wieder den Berg herauf und sind froh, dass wir gestern rechtzeitig gedreht haben, denn der Weg wird zum Gipfel hin immer anspruchsvoller. Das ist schon mehr Bergsteigen als Wandern.  Unterwegs treffen wir noch auf 2 weitere Schlangen, diesmal grüne. Die Begegnungen sind aber deutlich weniger dramatisch als gestern. Für den anstrengenden Aufstieg werden wir auf dem Gipfel mit einer tollen Aussicht über die ganze Insel belohnt.

Zurück geht es dann über den vermeintlich einfacheren Weg -eine ehemalige Straße- entlang. Auch dieser Weg ist allerdings äußerst steil. Bergauf wäre das kein Spaß gewesen! Da war die Kletterei doch abwechslungsreicher.

Am Nachmittag fährt Robin mit seinem Waveboard noch Wasserski in der Anker- Bucht und hat mächtig Spaß dabei. Die Nachbarn dulden den Motorlärm des ziehenden Dinghis mit einem Lächeln. Sie haben Verständnis für den Spaß. Danke!

Jetzt ist Montag-Abend und wir haben immer noch keine Ahnung, wann wir weiter fahren wollen und wohin. Die Schläge werden kürzer – die Pausen werden länger. Die „Entschleunigung“ scheint immer mehr einzusetzen. Wenn das der „Fluch der Karibik“ ist, können wir sehr gut damit leben. Aber selbst die alten Griechen hatten schon kein Verständnis für Reisende, die in Eile waren. Warum auch hetzen?

[ssba]

2 Kommentare

  • WaSa2 - Stavoren

    1. Februar 2017 at 17:33 Antworten

    Hi ihr Lieben, sehr eindrucksvolle Bilder!
    Laut DWD hatten wir den kältesten Januar im Vergleich der letzten 10 Jahren.
    Genießt die Zeit.
    Gruß Walter

  • Annika

    2. Februar 2017 at 18:35 Antworten

    Die Bilder sind mal wieder der Wahnsinn! Das muss in der Realität wirklich atemberaubend sein!! Die Natur ist einfach einzigartig… Während ihr solche riesigen Wurzeln, Flüsse, Bäche und sonstige verwunschenen Orte bestaunen könnt, gibt es in Deutschland nicht einmal Unkraut das wir als „Naturwunder“ bezeichnen könnten. ? Deswegen finde ich es schon ziemlich unverschämt, dass ihr diesen „Pool“ nicht wirklich wertschätzen könnt! Schämt euch! ?

    Für die Sache mit der Schlange beneide ich euch übrigens nicht… Da hätte ich vermutlich einen Herzinfarkt erlitten. Wahnsinn, dass ihr da so ruhig bleibt.

    Und immer an festes Schuhwerk denken! ?

    Fühlt euch gedrückt!

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