Hello Again and Good Bye – Überraschungen in Deltaville vom 23.07.-10.08.2017

Am 12.06. haben wir unsere „Step By Step“ hier in Deltaville verlassen und sind knapp 6 Wochen lang für einen Heimat-Urlaub nach Deutschland zurückgekehrt. Während dieser Zeit haben wir bei Anja´s Eltern Unterschlupf gefunden und sind von den Beiden erstklassig verwöhnt worden. Vielen, vielen Dank dafür. Wir haben die Zeit mit Euch sehr genossen.

Wir haben die Zeit in Deutschland vor allem genutzt, um Familie und Freunde zu treffen. Leider hat es nicht mit jedem geklappt. Dafür war die Zeit schon wieder zu kurz. Das holen wir dann beim nächsten Mal nach. Es sind auch einige Behördengänge zu erledigen gewesen und manche Ersatzteile für´s Schiff oder aber auch Schulbücher für Robin sind in Deutschland einfacher und besser zu bekommen. Wir mussten schwer aufpassen, dass wir auf dem Rückweg das Gewichtslimit für die Koffer nicht überschreiten…

Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, warum unser letzter Koffer mit so viel Verzögerung auf das Transportband fällt. Ich stehe bereits am Schalter für den „Baggage Claim“ als Anja doch noch freudig zu mir herüber winkt. Die Buchung des Mietwagens hat gut geklappt, aber nach der Ausfahrt vom Flughafen stellen wir uns erst einmal für 1 Stunde in den Stau. Der Rest der Fahrt verläuft reibungslos und wir schaffen es sogar, unterwegs noch die nötigsten Lebensmittel für das Frühstück an Bord am nächsten Morgen zu besorgen. Gegen 20.00 Uhr Ortszeit kommen wir nach rund 20 Stunden Gesamt-Reisezeit ziemlich müde bei unserem Schiff an. Die Rückreise überstehen wir ohne Jet-Lag. Auf der Hinreise nach Deutschland hatten wir einige Tage damit zu kämpfen, dass wir nachts einfach nicht in den Schlaf gekommen sind.

Unsere Freunde von der „JoEmi“ haben in der Zeit gut auf unsere „Step by Step“ aufgepasst. Auch Euch vielen Dank für Eure Hilfe.

Eigentlich wollten wir die „Step By Step“ bereits vor unserer Abreise nach Deutschland an Land stellen lassen. Dann hätte der Rumpf einmal etwas trocknen können und wir hätten uns vor der Abreise schon einmal einen Überblick über mögliche Überraschungen verschaffen können, die es ja doch immer gibt, wenn man das Schiff aus dem Wasser hebt. Das hat leider aus administrativen Gründen bei der Marina nicht geklappt. Nun wollen wir uns hier erst einmal eine Woche lang wieder etwas einleben und erst dann das Schiff kranen lassen.

Geplant sind an Land nur einige wenige Wartungsarbeiten. Wir hoffen, nach 2 oder spätestens 3 Tagen wieder im Wasser zu sein.

  1. Wir wollen das Coppercoat-Antifouling neu anschleifen, weil der Bewuchs seit den BVIs im April doch sehr stark zugenommen hat. Eigentlich wurde das Schleifen auch noch nie richtig gemacht. Die Werft in den Niederlanden, die das Langzeit-Antifouling in 2015 aufgetragen hat, hat damals ein halbe Stunde vor dem Zu-Wasser-Lassen einen lustlosen Azubi mit einer alten Schleifscheibe rausgeschickt, der nur die Bereiche auf Arm-Höhe ein bisschen gekratzt hat. Wir selbst haben dann im Mai 2016 schnell mal eben darüber gewischt, als an einem Nachmittag das Schiff an Land stand. Jetzt wollen wir mal etwas kräftiger darüber rubbeln und sehen, ob die Performance in der Karibik dann besser wird. Bisher hat unser Coppercoat, welches ja mindestens 10 Jahre halten soll, genauso gut, aber auch genauso schlecht funktioniert wie alle herkömmlichen 1-Jahres-Antifoulings bei den befreundeten Schiffen.
  2. Das Getriebeöl beider Antriebe wollen wir wechseln. Das soll jedes Jahr gemacht werden. Aus meiner Sicht ist es ein fataler Konstruktionsfehler, dass das Schiff für diese Arbeit aus dem Wasser heraus muss. Dass das auch anders geht, beweist der gleiche Hersteller bei den größeren Getrieben. Es sollen (aus meiner Sicht) noch ein paar Konstruktions-Faux-Pas dazu kommen. Dazu aber später mehr.

In der ersten Woche nach unserer Rückkehr erledigen wir also einige andere Dinge, wie z.B.: Motorölwechsel oder den überfälligen Wechsel der Kühlflüssigkeit. Jeden Tag bauen wir eines der Ersatzteile ein, die wir aus Deutschland mitgebracht haben. Robin freut sich derweil, dass er Emilia und Johanna von der „JoEmi“ wiedersieht und vertreibt sich die Zeit mit dem Erschaffen von wahren Kunstwerken in der klimatisierten Lounge der Marina.

Glücklicherweise funktioniert das WiFi in der Lounge noch
Unsere Katze Motte, die jetzt bei Andre´s Sohn Marco wohnt (frei nach Robin)

Das Kranen passiert dann am Freitag 04.08. und es ist immer wieder spannend, obwohl es bisher immer ohne irgendwelche Aufreger von statten gegangen ist. Auch diesmal wissen die Mitarbeiter der Werft, was sie tun und alles geht glatt. Die „Step By Step“ wird sorgfältig mit dem Hochdruckreiniger abgewaschen und kommt auf Ihren Parkplatz.

Wir fackeln nicht lange und legen los. Die Öl-Ablassschrauben der Getriebe stehen zuerst auf dem Plan und da kommen wir auch schon zu dem oben erwähnten Konstruktions-Faux-Pas Nr. 2: Die Edelstahlschrauben sitzen im Unterwasserbereich in einem Aluminiumgehäuse. Festsitzen durch Korrosion ist vorprogrammiert. Nun gut! Diese Werkstoffpaarung findet man an Bord recht häufig und sie ist auch nicht immer kostengünstig zu vermeiden, aber gerade im Unterwasserbereich ist das ziemlich unglücklich.

Das Saildrive-Getriebe (blau) wird uns noch Kopf-Zerbrechen bereiten

Konstruktions-Faux-Pas Nr. 3: Nur ein einfacher Schlitzschrauben-Dreher kann zum Lösen der Schraube benutzt werden. Kein Kreuzschlitz, kein Sechskant, nur ein einfacher Schlitz. Jeder der zu Hause schon einmal ein einfaches Holzregal auf- oder abgebaut hat, weiß wie schnell das Werkzeug abrutscht und der Schraubenkopf dabei beschädigt wird.

Konstruktions-Faux-Pas Nr. 4: Um ganz sicher zu gehen, dass es hier Probleme gibt, hat der Hersteller den Schraubenkopf auch noch in dem Gehäuse versenkt (eingelassen). Ist der Schlitz erst einmal beschädigt, kommt man auf keinen Fall von außen mit einer Zange oder ähnlichem dran.

Es kommt, wie es kommen muss: Am Backbord-Getriebe bekommen Anja und ich gemeinsam die Schraube mit Ach und Krach heraus, aber auf der Steuerbord-Seite geht mit Bordmitteln nichts. Wir biegen hochwertige Schraubendreher krumm und selbst der Schlagschrauber, den wir noch schnell im Werkzeugladen besorgen, richtet nichts aus. Die Schraube sitzt fest. Es ist Freitag-Nachmittag. Alle Werft-Mitarbeiter sind ausgeflogen. Wir wollen den Schraubenkopf nicht beschädigen und geben zunächst auf.

Am Samstag-Morgen treffe ich den Werft-Chef auf dem Gelände, der sich das Ganze ansieht. Na klar! Dafür haben wir das richtige Werkzeug, sagt er. Am Montag kommt jemand und der macht das eben. Wir sind gespannt!

Wir nutzen das Wochenende und schleifen das Unterwasserschiff. Das war deutlich anstrengender als erwartet.

Wenigstens habe ich einen kleinen Deltaschleifer mit
Mittagspause
Fertig!

Am Montag-Morgen kommt der Handwerker tatsächlich. Das richtige Werkzeug? Ein handelsüblicher Schraubendreher!!! Er setzt an und…rutscht ab. „Huch! Die sitzt aber fest.“ sagt er und verschwindet.

5 Minuten später kommt er zurück…mit einem Schlagschrauber, wie ich ihn am Freitag noch gekauft habe!!! Er setzt an und….nichts passiert. „Huch! Die sitzt aber sehr fest.“ sagt er und verschwindet.

5 Minuten später kommt er wieder… mit einem Gas-Brenner. „Aber, wenn wir das so heiß machen, ist die Dichtung dahinter kaputt, oder?“ frage ich. „Ja!“ sagt er und macht heiß! Mehrfach richtig heiß! Er probiert es noch mit einem schweren Akku-Schrauber, aber am Ende heißt es nach 30 Minuten Handwerker-Einsatz: „Die Schraube ist fest. Die kriege ich nicht heraus.“

Die festsitzende Schraube

„Na! Und jetzt?“ frage ich. „Schraube drin lassen und Öl eben nur soweit wie möglich von oben absaugen, geht ja jetzt auch nicht mehr, weil die Dichtung unter der Schraube kaputt ist.“ „Wir bohren das in der Werkstatt aus. Dafür müssen wir das Getriebe ausbauen und damit die Späne aus dem Gehäuse raus können, müssen wir dann die Antriebswelle auch noch ausbauen“ sagt er und geht kalkulieren.

Während ich mich noch frage, ob ich die ganze Aktion nicht besser gelassen hätte, kommt er zurück und die Kettenreaktion geht weiter. Er sieht nur noch eine 50%-Chance mit dem Ausbohren. Wahrscheinlich ist dann das untere Gehäuse kaputt und es muss ersetzt werden. Jetzt wird es aber langsam richtig teuer, denke ich noch.

Da kommt schon seine Kollegin vom Einkauf und teilt mit, dass es die Gehäuse nicht mehr gibt. Wir brauchen ein komplett neues Getriebe für 4500,- bis 5000,-$ plus Einbau plus Steuer.

Waaaas??? Für einen vorsorglichen Ölwechsel???? Das darf doch nicht wahr sein!!! Und dann haben wir ja auch noch unterschiedliche Antriebe auf beiden Schiffseiten.

Während die Werft noch das gesamte Angebot kalkuliert, holen wir an Bord Hammer und Meißel heraus und dreschen mit dem Mut der Verzweiflung auf die Schraube ein und …. werden am Ende doch noch belohnt. Der Schraubenkopf ist danach zwar völlig hinüber, aber die Schraube dreht sich langsam heraus. Den Stein müsst Ihr in Deutschland fallen gehört haben.

Doch noch geschafft

Bilde ich es mir später nur ein oder erkenne ich Enttäuschung beim Werft-Chef, als ich ihm später stolz die ausgedrehte Schraube präsentiere? Er musste seine Umsatzplanung für August vermutlich korrigieren: Streiche neues Getriebe und setze neue Ablass-Schraube.

Wir möchten aber klarstellen, dass wir nicht den Eindruck haben, dass man uns hier nur über den Tisch ziehen wollte. Wir glauben einfach, dass wir eine deutlich höhere Motivation und Ausdauer als „fremde“ Handwerker gehabt haben, als sich drohend das Riesenloch in unserer Reisekasse auftat. Vielleicht hätte man werftseitig noch etwas kreativer an der Lösung arbeiten können, wie z.B. mit einer Einschraubhülse nach dem Ausbohren o.ä. Aber, wenn bei einem Stundenlohn von 85-95,-$ stundenlang erfolglos rumgemurkst wird, sind wir ja auch nicht zufrieden. 🙂 Wir sind immer noch überzeugt, in der Deltaville Marina einen sehr guten und recht günstigen Liegeplatz zu haben und empfehlen sie gerne weiter. Die Lieferzeit für die Schrauben soll 2 Tage betragen. Das wäre heute am Mittwoch gewesen. Das hat leider nicht geklappt. Wir hoffen auf Morgen, denn eigentlich wollen wir Morgen wieder ins Wasser und am Freitag endlich weiterziehen.

Wir sind noch unschlüssig, wohin es zuerst gehen soll. Zunächst stand der Potomac-River bis Washington DC auf dem Plan, danach New York und dann evtl. Boston. Zufällig habe ich dann aber am Dienstag Thomas von der „That´s Life“ beim Werkzeug-Laden getroffen. Die „That´s Life“ war schon in New York. Er gibt uns am Nachmittag viele hilfreiche Tipps, die uns unseren Plan noch einmal überdenken lassen. Fahren wir jetzt zunächst den langen Weg bis nach Washington, haben wir wahrscheinlich im September keine Zeit mehr für Boston. Wir denken noch mal darüber nach.

Leider mussten wir uns am Dienstag auch von unseren Berliner Freunden von der „JoEmi“ vorerst endgültig verabschieden. Ihr Sabbatical-Jahr ist zu Ende und sie fliegen nach Hause. Das Schiff bleibt hier in der Obhut eines Maklers und soll verkauft werden. Wieder fließt das eine oder andere Tränchen. Wir haben uns zwar erst vor 10 Monaten kennen gelernt, aber es fühlt sich an, als seien es Jahrzehnte. Macht´s gut Ihr vier. Hoffentlich sehen wir uns wieder. Es war sehr schön mit Euch.

Nun sind nur noch die „Eleonore“ und die „Step By Step“ übrig von unserer ursprünglich so stattlichen „deutschen Reisegruppe“. Die Elli´s sind aber schon seit langer Zeit in New York. Wir werden Sie wohl erst spät im Herbst oder Winter wiedertreffen.

[ssba]

7 Kommentare

  • Annika

    10. August 2017 at 20:43 Antworten

    Die Tage mit euch in der Heimat waren wirklich sehr schön!! ? (Ich vermeide absichtlich das Wort „Zuhause“, denn ich hatte bzw. habe das Gefühl, dass dieses Wort hierzulande – zumindest momentan – für euch keine Bedeutung hat.) Ich freue mich schon auf das nächste Mal!! ❤️

    Den Stein habe ich definitiv gehört. Ich habe auch eine kleine Schnappatmung bekommen, als ich die Story von dir gehört habe.., Aber glücklicherweise stirbt die Hoffnung zuletzt und es wird alles gut. ? Ich hoffe, dass eure fehlende Schraube heute bei euch eingetroffen ist und ihr morgen wieder weiterziehen könnt?

    Fühlt euch gedrückt ihr Drei!

    • Andre Schulz

      10. August 2017 at 21:27 Antworten

      Hallo Annika. „Zuhause“ bleibt für uns mit dem Begriff „Heimat“ verbunden. Und in der Heimat haben wir uns wohl gefühlt.
      Leider kommen die Schrauben auch heute am Donnerstag nicht an. Sie wurden wohl gar nicht bestellt… Herausgekommen ist das aber erst nachdem ich allen hier fürchterlich auf den Keks gegangen bin. Nun sollen sie als „Übernacht-Express“ kommen. Vielleicht klappt es also Morgen. 🙁

      • Annika

        11. August 2017 at 13:00 Antworten

        Ohjeee… ?
        Ich drücke euch die Daumen!

  • Ilka

    11. August 2017 at 7:31 Antworten

    Oh Mann, was für ein ‚Re-Start’….

    Schön, dass wir uns mal wieder gesehen haben! Freu mich auf Euren nächsten ‚Urlaub‘!

    • Andre Schulz

      11. August 2017 at 19:16 Antworten

      Hallo Ilka. Ja. So ist das mit den Plänen… Mittlerweile ist herausgekommen, dass die Plugs gar nicht bestellt wurden. Das wurde dann gestern Nachmittag via Express nachgeholt. Nun ist Freitag Nachmittag und es ist immer noch keine Spur… Die Hoffnung stirbt zuletzt…

  • BlueShip

    12. August 2017 at 11:45 Antworten

    Heimaturlaub? Wir haben euch auf dem Stavorener Fußballplatz vermisst!!! ? Euch weiterhin eine tolle Zeit!!! ? Liebe Grüße von den BlueShip’s, die gerade auf der Stehenden-Mast-Route zurück nach Stavoren zockeln

    • Andre Schulz

      16. August 2017 at 16:41 Antworten

      Hallo Blueships,
      Wir freuen uns auf das nächste Trainingslager mit Euch.?

      LG aus der Chesapeake Bay

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