Horta – Szenetreff für Langfahrer und Liebe auf den 2. Blick 03.06.-13.06.2018

Am Sonntag um 19.15 Uhr werfen wir in Flores die Leinen los und setzen noch im geschützten Gewässer hinter der Mole das Großsegel im ersten Reff. Das ist gut so, denn schon neben der Mole taucht der Bug der „Step by Step“ tief in die Wellen ein und im Geschirr-Schrank wird wieder einmal alles durcheinander geworfen. Bis wir wieder am Festland sind, wird sich unser Anfangs-Bestand an Tassen und Tellern auf höchstens die Hälfte reduziert haben. 🙂

Später wird der Abstand der Wellen größer und bei 16-20 Knoten Wind haben wir genug Druck im Segel. Es läuft gut! Im Laufe der Nacht nimmt die Welle auf 2 Meter und der Wind auf 12 kts ab. Wir werden langsamer, aber solange wir bei Tageslicht in Horta ankommen, besteht kein Grund zum Handeln! Erst bei Tagesanbruch reffen wir aus. Am Montag kommt dann im Tagesverlauf Nebel auf, so dass wir Faial bei der Annäherung nicht bewundern können. Erst am späten Nachmittag wird es freundlicher. Dafür schläft der Wind an der Südküste der Insel komplett ein und wir müssen den Motor für die letzten 10 Meilen herannehmen.

Kaum haben wir die SE-Ecke der Insel umrundet, setzt bei Monte de Guia der Kap-Effekt ein. Der Wind nimmt zu und als wir hinter die Hafenmole fahren, haben wir plötzlich wieder 22 bis 25 kts Wind. Das ist ja wieder mal typisch! Ankommen bei Flaute und Hafenmanöver in Ruhe ist für uns wohl einfach nicht in der Wundertüte drin.

Der Anker liegt um 18.10 Uhr relativ weit vorne im Ankerfeld und wir bereiten das Dinghi für das Einchecken vor. Hafenmeister und Immigration sind im gleichen Gebäude und somit ist die Angelegenheit schnell erledigt. Hafenplatz für einen Katamaran? No way! Morgen könnten wir an die Fischer-Pier, aber an der Stelle gibt es weder Strom noch Wasser in Reichweite.

Im Verlaufe des Abends dreht der Wind immer weiter und wir rücken unserem Nachbarn im Ankerfeld ziemlich nah auf die Pelle. Es ist noch weiter zunehmender Wind vorhergesagt, also nehmen wir kurz vor dem Dunkelwerden den Anker noch einmal hoch und fahren ganz nach hinten ins Ankerfeld. Hier gefällt es uns gut, denn wir haben viel Platz um uns herum. Der Ankergrund in Horta soll relativ unrein sein, darum haben wir am Anker eine Trippleine mit Boje ausgebracht.

Den Dienstag verbringen wir an Bord, denn der Wind ist mit 25-30 kts ziemlich steif und auf Dinghi fahren haben wir keine Lust. Der versprochene Liegeplatz an der Fischerpier ist auch nicht frei geworden. Aber das macht nichts, denn wir haben uns sowieso dagegen entschieden, weil wir mit unserer Ankerposition sehr zufrieden sind. Und ohne Strom und Wasser bringt uns der Platz nicht die erhofften Vorteile.

Leider müssen wir unseren Ankerplatz gegen Abend dann doch noch aufgeben. Die Hafenbehörde mischt das ganze Feld auf, denn morgen früh wird ein großes Containerschiff erwartet. Das braucht Platz und wir müssen ALLE weiter nach vorne. Aber da ist doch eigentlich jetzt schon alles voll!!! Wir versuchen dreimal, den Anker so zu legen, dass wir nicht zu nah an die Nachbarn kommen, aber es will nicht gelingen. Hinzu kommt, dass der vorgelagerte Monte de Guia für Verwirbelungen des Windes sorgt, so dass sich die Schiffe nicht gleichmäßig bewegen. Nach dem dritten Versuch funken wir den Hafenmeister an und bitten um Rat. Anschließend dürfen wir längsseits an einem Katamaran festmachen, der in Reichweite von Strom und Wasser besser platziert am Fischereidock liegt. Es ist die „Honky Tonk“. Die Crew besteht aus jungen internationalen Jazzmusikern. Sie sind für das kommende Festival am Wochenende hier.

Der Liegeplatz ist zunächst nur bis Freitag verfügbar, also ist absehbar, dass wir auch hier nicht lange bleiben können. Wir fühlen uns ein wenig getrieben und kommen nicht so richtig in Horta an. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen und ständig müssen die Schiffe verholt werden, denn kaum einer liegt hier nicht im „Päckchen“.  Zwischendurch schaffen wir es trotzdem, uns ein bisschen die Marina und die Stadt anzusehen. Viele Gebäude sind ganz schön heruntergekommen und man kann nur noch erahnen, wie schön diese Häuser einmal waren.

Bereits am Mittwoch-Abend müssen wir dann auch die „Honky Tonk“  schon wieder rauslassen, weil sie einen Platz im Inneren des Hafens zugewiesen bekommen hat. Dafür haben wir aber jetzt direkten Zugang zu Strom und Wasser. Das ist auch was wert! Am späten Abend gehen wir zum Essen zur Kult-Kneipe „Peter´s Cafe Sport“. Seit Jahrzehnten DER Szene-Treff aller Langfahrt-Segler. Drinnen ist kein Platz mehr, also gehen wir auf die Terrasse mit Hafenblick. Dort bezahlt man aber 10% Aufschlag. Hoffentlich kommt das den zuständigen Service-Kräften zu Gute, denn die müssen da wirklich weit laufen und auch die Straße überqueren. Das Essen ist aber gut und wir genießen den Ausblick auf Pico, den mit 2.351 m höchsten Berg Portugals auf der gleichnamigen Nachbarinsel.

Für Donnerstag nehmen wir einen Mietwagen für 45,-€. Zunächst fahren wir zum Aussichtspunkt auf dem Monte da Guia und genießen den Blick über Horta und Umgebung.

Anschließend fahren wir zur Caldeira und wandern die 8 km lange Strecke (ca. 2,5 h) rund um den Krater des Vulkans im Zentrum der Insel. Es tut gut, mal wieder etwas Bewegung zu haben und die Wanderung bietet eine tolle Aussicht!

Als wir anschließend in den Westen der Insel zum Schauplatz des letzten Vulkan-Ausbruches von 1957 fahren, kommen wir mitten im Nichts an einem öffentlichen „Outdoor-Fitness-Studio“ vorbei. Es gibt 6 pinke Fitnessgeräte für die Frauen und 6 schwarze für die Männer 😉 Außerdem gibt es hier im „Parque Florestal do Capelo“  tolle Grillplätze und moderne Sanitärgebäude…und es ist kein Mensch hier! Entweder wird das hier am Wochenende belebt oder es sind touristische Konzepte, die nicht ganz aufgegangen sind. Es mutet schon etwas seltsam an.

Als wir dann bei „Capelinhos“ ankommen, bietet sich ein ganz anderes Bild. Bisher haben wir die Azoren so grün erlebt und hier ist der Boden auf einmal mit schwarzer Vulkanasche bedeckt. Wie mit einem Lineal gezogen verläuft die Grenze. Der Vulkan am Meeresgrund ist vor 60 Jahren zuletzt ausgebrochen und hat die Insel Faial um 2.4 km2 vergrößert. Mittlerweile ist ein großer Teil davon durch die Meeresströmung und Brandung wieder erodiert worden. Das tut der Faszination aber keinen Abbruch.

Am Ort des Geschehens wurde ein unterirdisches Informationszentrum gebaut, in dem die Geschichte des Ausbruchs und die Entstehung der Azoren aufgearbeitet und erklärt wird. Die Ausstellung besuchen wir und erklimmen danach auch den alten Leuchtturm, der bei diesem Ausbruch teilweise unter der Asche begraben wurde.

Auf dem Rückweg kommen wir noch an diversen Straßenschildern vorbei, die uns auf Badezonen hinweisen, aber diese bestehen aus kleinen Naturpools in Vulkangestein und schwarzem Sand und sind für uns, vielleicht auch wegen der kalten Wassertemperaturen, wenig reizvoll. Aber die Landschaft ist toll.

Am Freitag-Morgen bringe ich den Mietwagen zurück und gehe anschließend beim Hafenmeister vorbei. Vielleicht kommt der Fischer, dem unser Liegeplatz gehört, ja doch später zurück? Der Hafenmeister kann 1 Stunde später frohe Nachricht verkünden. Der Liegeplatz ist bis nächste Woche Dienstag verfügbar. Wir freuen uns, dass wir bleiben können, auch wenn unsere Festmacher-Leinen an der rauen Betonkante, trotz Gegenmaßnahme in Form von Überzug-Schläuchen, etwas leiden.

So können wir am Wochenende in Ruhe unsere Wäsche waschen und die Segel-Szene in Horta genießen. Wir besuchen  jeden Abend das Festival. Besonders gefällt uns natürlich die Darbietung unseres ehemaligen Nachbarn „Honky Tonk“. Der Chef der Gruppe spielt alleine auf mehreren Instrumenten bekannte Jazzsongs. Wie er das macht? Er nimmt die Akkorde mit den verschiedenen Instrumenten live auf und spielt sie dann parallel ab. So kommt Instrument für Instrument hinzu und der Song entwickelt sich langsam. Da macht das Zugucken Spaß, obwohl ich normalerweise für Jazzmusik überhaupt nicht zu haben bin. In mehreren kleinen Hütten und Buden gibt es leckeres Essen und für wenig Geld und abends gibt es noch einige Akrobatik-Vorstellungen. Dazu leckeres Bier für 1 € !!.

Natürlich verewigen wir uns auch auf der Hafenmauer. Wir finden einige Logos befreundeter Yachten und es macht Spaß, die vielfach wirklich kunstvollen Logos zu bestaunen. Künstlerische Kreativität gehört leider nicht zu unseren Stärken, aber wir sind verewigt.

Am Sonntag-Nachmittag gehen wir mit der „Once Around“ und den „Ellis“ zum „Casa do Cha“. Hier gibt es Kuchen und leckere Sandwiches zum günstigen Preis. Wir sitzen gemütlich im hauseigenen Garten.

Am Montag wäre dann eigentlich Zeit, nach Terceira weiterzureisen, aber es weht kein Wind. Das Azorenhoch ist zurück und wir können, wenn überhaupt, am Mittwoch mit ein bisschen Wind rechnen. Also reift der Plan, am Mittwoch-Morgen sehr früh um 6.00 Uhr die Leinen los zu werfen.

Dienstag nachmittag machen wir noch einen Spaziergang nach Porto Pim, einer Bucht auf der anderen Seite der Landzunge des Monte de Guia.

Damit bleibt dann auch am Dienstag noch Zeit, das „Cafe Sport“, mit den Ellis zusammen, einmal von innen zu besuchen. Der Hafenmeister gibt beim Auschecken am Nachmittag noch einmal grünes Licht für eine weitere Übernachtung am Fischerdock. Natürlich probieren wir auch den „Gin do Mar“, für den das Cafe u.a. bekannt ist. Sehr lecker!

Nach anfänglichen Schwierigkeiten sind wir doch noch gut in Horta angekommen. Eben Liebe auf den zweiten Blick!

[ssba]

2 Kommentare

  • Annika

    15. Juni 2018 at 18:54 Antworten

    Aller Anfang ist schwer… 😉

    Der Leuchtturm, vielmehr die Ausstellung, war vor gar nicht allzu langer Zeit mal Thema bei Galileo. Da haben Jens und ich uns noch gedacht „Wie abgefahren ist das denn?“ Und ein paar Wochen später: Familie Schulz besichtigt den Ort der Bewunderung. Zum Glück teilt ihr eure Abenteuer mit uns! 🙂

    Ich bin gespannt wo ihr als nächstes „landet“.

    • Andre Schulz

      15. Juni 2018 at 19:22 Antworten

      Hallo Annika. Nun weisst Du ja, dass wir keinen Fernseher haben. Also müssen wir da hinfahren, wenn wir es sehen wollen. 🙂

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