Hot Rods und Raketentechnik – Daytona und Titusville / 22.11. – 07.12.2017

Unser Ankerplatz gegenüber der Halifax-Marina in Daytona ist sehr ruhig. Wenn die Gezeiten wechseln, drehen wir uns, aber der Platz ist gut gegen Wind und Welle geschützt. Alle anderen Marinas im Umkreis haben durch den Hurricane Irma im September große Schäden erlitten. Die Halifax-Marina wurde verschont, weil sie gut geschützt hinter einer Landzunge liegt.

Wie viele Bereiche des ICW liegt auch die Gegend um Daytona in einem Gebiet, in dem Manatees leben. Deswegen stehen überall Schilder, dass Motorfahrzeuge außerhalb des Kanals nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen (auch Dinghies). Uns fällt sofort auf, dass sich hier wirklich jeder in der Hafeneinfahrt daran hält. Ob der örtliche Sheriff darauf achtet? Wir glauben schon, denn als wir eines Tages zum Landgang in die Marina fahren, kommt er uns mit seinem Patrouillen-Boot entgegen und will prompt unsere Rettungswesten sehen. Die sind hier in den USA nämlich auch im Schlauchboot Pflicht. Für Robin haben wir eine mit, für die Erwachsenen nicht. Er erteilt uns eine ausführliche Belehrung darüber und lässt uns noch einmal ziehen, weil wir Erst-Täter sind. Beim nächsten Mal sind 88,-$ pro fehlende Weste fällig. In der Marina sehen wir unseren ersten freilebenden Waschbären.

Daytona hat unserer Meinung nach außer der Rennstrecke nicht so viel zu bieten. Einen Ortskern in dem eigentlichen Sinne können wir nicht ausmachen. Das ist häufig typisch für die USA. Am Strand stehen viele Hotelburgen. Der Sand ist stark verdichtet und relativ hart. Ob dieses eine Folge davon ist, dass man hier in Daytona immer noch mit dem Auto auf dem Strand fahren darf?

Wir freuen uns auf das Wochenende und den Turkey Run auf der Rennstrecke. Am Samstag regnet es noch aus Kübeln und wir bleiben lieber an Bord. Am Sonntag aber ist das Wetter richtig gut. Wir fahren mit dem Bus zur Rennstrecke und erleben eine wohl typisch amerikanische Familien-Veranstaltung. Wir können die aufgemotzten Oldtimer und die sogenannten Hot-Rods bewundern. Das sind wirklich mehrere 1000 hier. Da sind ein paar ganz schön heiße Kisten dabei und als wir an einem Unterstand vorbei gehen, wo die Motoren auch gestartet werden, fallen uns bald die Ohren ab. Was für ein Sound! Wir wundern uns über die riesige Menge von vierrädrigen Elektro-Scootern, die hier unterwegs sind. Sind die alle gehbehindert? Nein! Während wir diese Dinger von zu Hause nur als Fortbewegungs-Hilfe für gehbehinderte und sehr alte Menschen kennen, ist das hier ein Lifestyle-Artikel für Lauffaule. Selbst Mittzwanziger rollen lieber mit so einem Ding über den Platz als dass sie zu Fuß gehen. Seltsam, seltsam!

Auch wenn wir die USA-Oldtimer bisher nur aus dem Fernsehen kennen und beim Anblick keine persönlichen Erinnerungen aufblitzen, hat sich der Ausflug gelohnt. Es gab viele Kuriositäten zu sehen.

Hihi! Wie zu Hause

Einige wenige Europäer gibt es dann doch hier:

Am Montag, den 27.11., geht es dann 43 sm weiter nach Titusville. Hier soll es vor der Marina der Gemeinde 78 Ankerbojen geben, an denen wir für 20,-$ pro Nacht festmachen können. Dafür können wir dann auch die Marina-Einrichtungen nutzen. Hoffentlich können wir eine Boje ergattern.

Unterwegs sehen wir auch hier wieder zahlreiche Irma-Schäden.

Als wir in Titusville ankommen, sind wir zunächst ganz entspannt. Es liegen höchstens 15 Schiffe vor dem Hafen. Da ist dann auf jeden Fall noch etwas frei.

Aber: Pustekuchen! Die Anfrage beim Hafenmeister via Funk ergibt die Antwort: „Alles voll!“ Wie kann das denn sein? Ganz einfach! Es sind nur 7 (!) Bojen da und die sind besetzt. Man hat zwar Platz für mehr als 100 Bojen, man nutzt ihn jedoch nicht. Wir können aber nördlich des Bojenfeldes ankern, wie ein paar andere auch, und dann für 6,40$ pro Tag die Anlagen der Marina mitnutzen. Na gut! Dann eben so! Sooo viel weiter ist es dann auch nicht. Als ich mit dem Dinghi zum Einchecken fahre, merke ich allerdings schnell, dass wir hier nicht trocken mit dem Schlauchboot unterwegs sein werden. Die Welle ist zwar nicht hoch, aber unangenehm kabbelig. Wenigstens wird man bei der vorherrschenden Windrichtung auf dem Rückweg nass. Dann kann man sich danach an Bord umziehen. 🙂

Am späten Nachmittag müssen wir allerdings noch einmal umankern, weil wir doch noch im (wenn auch ungenutzten) Bojenbereich liegen und der Hafenmeister uns aufscheucht. Wir nutzen die Gelegenheit und fahren kurz ans Dock, um Wasser zu tanken und den obligatorischen Pump-Out des Schmutzwassertanks zu machen. Hier in Florida wird nämlich vom Hafenmeister Buch geführt, wer wann und wo den Tank leerpumpen lässt. Bei einer Kontrolle muss der Schiffsführer die Pump-Out-Historie vorweisen können und wehe, das ist nicht schlüssig.

Leider liegt das Dock ungünstig in dem auffrischenden Wind und Schwell. Wir werden relativ kräftig gegen das Dock gedrückt. Hoffentlich kommen wir hier gut wieder weg. Nebenan fährt gerade ein Monohull ab. Der Krach und das Kreischen von Metall lassen auf einen verbogenen Bugkorb schliessen. Nicht so einfach das Manöver. Aber der freundliche Hafenmitarbeiter hält unsere Leine lange genug fest, dass wir etwas eindampfen können und unser Heck gut wegkommt. Danach ist es mit den beiden Motoren des Katamarans ganz einfach und wir kommen ohne Schäden vom Steg.

Die Einrichtungen der Marina sind gut. Es ist schön, mal wieder so lange unter der warmen Dusche stehen zu bleiben, wie wir möchten. In der Lounge gibt es gutes WiFi und wir treffen andere Segler und Ankerlieger, mit denen wir mal wieder ins Gespräch kommen. Die kommenden Bilder zeigen übrigens einen windstillen Tag. So sah es leider nicht immer aus.

Vom Ort Titusville selbst haben wir uns etwas mehr versprochen. Auch hier gibt es wieder keinen Ortskern zum Flanieren. Zur Blütezeit von Cape Canaveral haben hier die Raketen-Ingenieure gewohnt. Die Launch-Station in Cape Canaveral ist zwar sehr aktiv, aber die besten Zeiten hat der Ort eben hinter sich. Es ist fußläufig ein Supermarkt erreichbar. Das war´s dann aber auch schon! Das Kennedy-Space-Center ist nur mit dem Auto erreichbar.

Gerade rechtzeitig bekommen wir ein Angebot der Mietwagen-Firma per email. Wochenend-Special von Freitag-Morgen bis Montag-Morgen für 50,-$ incl. 300 Meilen. Abholung im Hafen inbegriffen. Das passt! Dann bleiben wir bis zum Wochenende und besuchen mit dem Auto das Kennedy-Space-Center und erkunden die Umgebung. Die Zeit bis dahin nutzen wir für Computer-Updates, Wäsche waschen usw.

Am Freitag hole ich das Auto ab. Ein kleiner Nissan Versa. Wir fahren einfach mal los. Auf dem Weg zum Strand kommen wir am Merrit-Island-National-Wildlife-Refuge-Park vorbei. Es handelt sich mehr oder weniger um den Puffer zwischen der Sicherheitszone für Cape Canaveral und der Umgebung. Hier darf sowieso nichts errichtet werden und da hat ein berühmter Tier-Fotograf angeregt, man könnte auch einen Wildlife-Park errichten und die NASA hat mitgemacht.

Für 10,-$ pro PKW, die in einem Briefkasten an der Einfahrt deponiert werden, kann man durchfahren und die Natur bewundern. Schon wieder Eintritt? Was bekommen wir wohl dafür? Wir versuchen es und sind begeistert. Eine tolle Landschaft erwartet uns, viele Vögel und vor allem frei lebende Alligatoren. Denen kommen wir jetzt doch viel näher, als wir uns auf der Alligator-Farm in St. Augustine vorgenommen haben. Die Tiere liegen dermaßen träge in der Sonne, dass man fast vergessen könnte, dass sie gefährlich sind –aber nur fast-. Hier könnte man auch einen ganzen Tag verbringen, aber es ist uns zu heiß dafür. Wir wollen zum Strand.

Zunächst besuchen wir aber noch einen Ort, an dem wir bei der Herfahrt mit dem Schiff Manatees gesehen haben. Wenn man nicht genau hinschaut, könnte man Ihre runden Rücken auch für Steine in flachem Wasser halten. Manatees bewegen sich kaum mehr als Alligatoren. Alle 2-3 Minuten stecken sie zum Luftholen mal kurz die Nase aus dem Wasser. Hier tummeln sich so an die 25 dieser Meeresbewohner. Außer der Nase bekommen wir aber leider nicht viel zu sehen. Das Wasser ist einfach zu trüb.

Ungefähr 1,5 Meilen vor dem Strand stoßen wir wieder auf eine Schranke und müssen nochmals 10,-$ für die Durchfahrt bezahlen. Zähneknirschend zücken wir das Portemonnaie. Der Strand wirkt wegen des vielen Seegrases ein bisschen unaufgeräumt. Trotzdem schön, mal wieder am Ozean zu sein.

Auf der Rückfahrt nervt unser Mietwagen doch langsam. Bei Geschwindigkeiten über 30 mph macht der Wagen im hinteren Bereich sehr viel Lärm. Vermutlich kommt das von den Reifen. Wir bringen ihn zurück zur Mietstation und bekommen als Ersatz einen riesigen Chevrolet Impala mit allem drum und dran. Na! Der Tausch hat sich mal gelohnt.

Am Samstag besuchen wir das Kennedy-Space-Center und müssen wieder zugeben: Show und Entertainment haben die Amis einfach darauf. Der Eintritt ist mit 160,-US-$ für uns 3 zwar wieder kein Schnäppchen, aber wir haben einen sehr schönen und vor allem interessanten Tag dort. Wir lernen eine Menge über die Geschichte der Raumfahrt. Schon alles sehr beeindruckend.

Am Sonntag machen wir noch einen Abstecher nach Cocoa-Beach. Der Strand ist nett und es ist richtig voll.

Auf dem Rückweg fahren wir noch zum Einkaufen bei Walmart vorbei. Es ist rappelvoll…. es ist Sonntag. Wir kommen kurz mit der Kassiererin ins Gespräch und bemerken, dass es doch ziemlich voll sei. Sie entgegnet, dass es das jeden Sonntag ist. Als wir ihr erzählen, dass bei uns alle Geschäfte Sonntags geschlossen haben, ist sie sichtlich erstaunt. Sie fragt: „Auch Walmart?“ Als wir ihr beichten, dass es bei uns gar keinen Walmart gibt, kann sie es kaum fassen.

Erst am Dienstag, 05.12. fahren wir weiter zu einem Ankerplatz am ICW, der den romantischen Namen „Honeymoon-Lake“ trägt. Wir liegen gut und der Anker hält wie bisher immer im ICW prima. Mehr gibt es hierzu aber auch nicht zu sagen.

Weil es keinen Grund gibt, einen weiteren Tag hier zu bleiben, fahren wir schon am Mittwoch, 06.12.2017, weiter. Robin freut sich über ein paar Süßigkeiten vom Nikolaus.

Gegen 10.00 Uhr bekommen wir eine email von der Marina in Fort Pierce. Unser Liegeplatz ist nun doch schon frei. Wir können kommen. Das ist schön, denn das Fahren auf dem Intra-Coastal-Waterway bietet uns nicht mehr täglich etwas Neues. Wir freuen uns darauf, mal wieder einfach so an Land gehen zu können.

Für heute ist der Weg allerdings zu weit. Wir müssen noch einmal ankern und machen das hinter der Wabasso-Bridge in der Nähe von Vero-Beach. Wir sind ein wenig verunsichert, weil manche Seekarten hier ein Ankerverbot wegen Unterwasserkabeln ausweisen. Das Active-Captain-System hat aber ausschließlich positive Bewertungen für den Platz. Es ist schon spät als wir ankommen und wir sehen keine Warntafeln. Also binden wir sicherheitshalber eine Trippboje an den Anker und riskieren es. Wir sind morgen ja sehr früh wieder weg. Vorweg: Active-Captain soll Recht behalten. Wir haben eine ruhige Nacht und keinerlei Schwierigkeiten, den Anker hochzuholen. Die Sonne geht gerade auf und das Wasser ist spiegelglatt. Toll!

Die fehlenden 15 sm nach Fort Pierce sind dann am Donnerstag-Morgen trotz Gegenstrom schnell gemacht. Während hinter Daytona kaum noch Gezeiten zu spüren waren, hat die Strömung seit ca. 15 sm vor Vero-Beach wieder zugenommen und beträgt rund um Fort Pierce ca. 3 kn. Wir tanken noch schnell und legen uns an den reservierten Steg. Hier in Florida gibt es wieder mehr Katamarane als weiter oben in den USA. Wir liegen gemeinsam mit einigen anderen hier und kommen schnell ins Gespräch.

Bereits am Freitag-Abend treffen wir uns alle bei Michelle und Pat zum Sun-Downer. Achtung! Sun-Downer in den USA heißt: Jeder bringt sich etwas zum Trinken mit. Der Gastgeber sorgt nur für ein paar kleine Snacks, wie z.B. Kartoffel-Chips.

Am Samstag gibt es dann eine Weihnachts-Boots-Parade im benachbarten Creek.

Hierbei lernen wir Kerstin und Ihre Tochter Essence kennen. Kerstin hat ein paar Jahre in Deutschland gelebt und lädt uns prompt zum Abendessen am Montag ein. Am Sonntag-Abend wird die „Turquoise Turtle“ von Alison und André aus Südafrika umgetauft und wir verbringen dort einen schönen Abend.

In den ersten Tagen hier in Fort Pierce haben wir schon so viele Leute kennen gelernt, dass wir aufpassen müssen, damit wir uns nicht verzetteln. Unser Plan scheint also aufzugehen und wir sind Weihnachten nicht allein. 🙂

Mit dem Mietwagen werden wir von hier aus das restliche Florida erkunden und berichten.

[ssba]

8 Kommentare

  • Nicki

    22. Dezember 2017 at 8:45 Antworten

    Hallo ihr Lieben!! Ich bin wieder und immer noch sehr beeindruckt von euren tollen Fotos, ihr habt ein so gutes Auge für gute Fotos.

    ICH 😬 lerne und sehe so viel von der Welt… euer Blog ist toll!!!
    Einfach traumhaft!

    Ja, bald ist schon wieder Weihnachten.
    Wahrscheinlich bei euch ein ganz „normaler“ Tag, wie jeder andere auch- ohne diesen RiesenHype!! Genial!!

    Ihr Süßen passt weiterhin gut auf euch auf. Ich denke ganz doll an euch und drück‘ euch fest! 😘

    Habt eine schöne Zeit und ich freu mich sehr immer von euch zu lesen, auch wenn ich nicht immer etwas kommentiere 😘

    • Andre Schulz

      22. Dezember 2017 at 17:43 Antworten

      Manno! Jeder lobt die tollen Fotos. Die macht Anja. Keiner freut sich über unsere tollen Texte. Die macht meisten Andre. … aber ich nehme es nicht persönlich. 😀

  • Annika

    22. Dezember 2017 at 18:57 Antworten

    PAPA! Anja steht grinsend neben einem VW-Bus!!!! Ich hoffe doch sehr, dass du die Chance dort nochmal genutzt hast?! Wenn nicht, dann wäre das auch nicht allzu dramatisch, denn das Grinsebild ist im Internet. Und das Internet vergisst nie!! Hihihi… 😜

    Ich mag übrigens Beides: Bilder und Texte! 😉
    Du schreibst immer alles schön detailliert und in Kombination mit den Bilder ist man als Leser fast „live“ mit dabei. 🙂

    • Andre Schulz

      22. Dezember 2017 at 19:05 Antworten

      Genau das habe ich mir bei dem Foto mit dem Bulli auch gedacht. ✌️
      Endlich freut sich jemand über die Texte. 😇

  • Britta

    23. Dezember 2017 at 0:04 Antworten

    Wir freuen uns alle über die Texte!
    Und hier bei uns fällt auf jeden Fall auf, dass du meistens schreibst und Anja „nur“ für die Fotos zuständig ist. Jeder Eintrag wird hier immer diskutiert und mit ein paar zusätzlichen Einzelheiten aus WhatsApp Nachrichten bereichert.
    Wir brauchen viel mehr davon 🙂
    Genießt die Zeit und wir wünschen Euch schöne Weihnachten..wo genau ihr die verbringt und mit wem, werden wir dann ja noch lesen 😉

    Ich drück Euch!

    LG
    Britta

    • Andre Schulz

      23. Dezember 2017 at 1:04 Antworten

      Na also! Geht doch! Auf meine Tochter und meine Lieblings-Schwägerin ist Verlaß. Ihr seid die Besten!👍👍👍

  • Petra

    25. Dezember 2017 at 20:01 Antworten

    Juhuuu, endlich mal keine Schiffe – AUTOS! Und sooo schöne 🙂 Falls also noch irgendwo Laderaum frei wäre, ich würde glatt einen Asylplatz für ein herrenloses, altes, US-Mobil anbieten. Nur mal so als Idee. Und ihr wärt dann auch zu Erinnerungszwecken jederzeit eingeladen, euer Mitbringsel zu besuchen. Deal?

    • Andre Schulz

      29. Dezember 2017 at 1:45 Antworten

      Hmmm! Ich befürchte, dass wird nix. Die Kollegen hier passen ziemlich gut auf Ihre Autos auf. Ich habe mir auch schon einen Dodge Challenger ausgeguckt, aber Anja lässt mich nicht.

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