Ich wär so unwahrscheinlich gern mit Dir in dem Waschsalon (frei nach BAP)

Guadeloupe vom 02.02.2017 bis 10.02.2017

Am Donnerstag ist es dann endlich soweit und wir verlassen die Les Saintes. Bis dahin haben wir uns die Zeit mit Schnorcheln vertrieben.

Aus den verschiedensten Gründen haben sich alle befreundeten Yachten für Guadeloupes Hauptort „Pointe à Pitre“ im Süden der Insel als nächsten Stopp entschieden und sind nach und nach dorthin weiter gefahren. Hier gibt es eine Marina und viele Versorgungs- und Reparatur-Möglichkeiten. Weil wir (noch) nichts zu reparieren oder installieren haben, reizt uns dieses Ziel nicht. Außerdem liegt Point à Pitre von uns aus gesehen ziemlich genau in Richtung des vorherrschenden Windes. Mit unserem Katamaran können wir das nicht gut segeln und wir müssten gegen Wind und Welle motoren. Klingt nicht sehr verlockend. Da lassen wir das lieber aus und wir entscheiden uns dafür, direkt an die Westküste von Guadeloupe nach Basse Terre zu segeln. Hier gibt es auch eine kleine Marina und dort wollen wir hin. Die Aussicht, wieder einmal „einfach so“ von Bord zu gehen, ohne dabei im Dinghi klitschnass zu werden, finden wir schon interessant. Zur Not können wir vor der Marina ankern, falls es uns drinnen nicht gefällt.

Gegen Mittag fahren wir los –wieder einmal gerefft-. Auch heute treffen wir zwischen den Inseln wieder deutlich mehr Wind an, als der Wetterbericht vorhergesagt hat. Aber wir können in die richtige Richtung gerade so am Wind segeln. Die Sonne scheint. Was will man mehr?

Als wir in die Nähe der Marina kommen, versuchen wir über Funk Kontakt aufzunehmen. Es sieht auf dem Plan alles sehr eng und teilweise auch flach aus. Wir wollen gerne sicher gehen, dass man auch wirklich einen Platz für uns hat. Aber es antwortet niemand. Eine englische Yacht hat es einige Zeit vor uns auch lange versucht und blieb ebenfalls erfolglos. Wir pirschen uns langsam heran und fahren durch die enge Einfahrt. Oups! Hier ist aber wirklich wenig Platz im Hafen und es sieht recht voll aus. Was nun? Die Tankstelle ist frei! Also machen wir erst mal hier fest.

Am Büro angekommen sehe ich, warum uns niemand geantwortet hat: „Lunch Break bis 14.30 Uhr“! Mmh…! Es ist aber jetzt schon 14.40 Uhr??? Das kann man wohl wieder nur mit „Caribbean Time“ erklären. Auf die Minute genau nimmt es hier keiner. Als Nathalie dann aus der Pause kommt, werden wir dafür umso netter bedient.

Der Marinero sorgt am Steg dafür, dass eine Yacht noch etwas zur Seite verlegt, damit für uns zwei Boxen nebeneinander frei werden. Der Katamaran ist nun mal breiter als Einrumpf-Schiffe. Die Vorleinen werden an Bojen festgemacht und die Heckleinen am Steg. Beim „Einparken“ konnten wir nur eine Boje erwischen und die Leine durchführen. Bei der zweiten Boje macht Robin das, nach dem Festmachen der anderen Leinen, kurzerhand per Tauchgang.

Wir packen seit St.Lucia im Dezember zum ersten Mal wieder die Gangway aus und gehen „einfach so“ an Land. Die Steganlagen sind fast neu. Bis auf die Sanitär-Anlagen macht alles einen tollen Eindruck. Sogar guten WiFi- Empfang haben wir zum ersten Mal seit langer Zeit wieder.

Wir wollen Guadeloupe von Basse Terre aus mit einem Mietwagen erkunden. Am Abend schreibe ich noch via email eine Anfrage an die Auto-Vermieter, deren Visitenkarten am schwarzen Brett hängen. Statt darauf zu antworten, steht der gute Mann einfach am nächsten Morgen um 8.00 Uhr mit dem Auto vor dem Hafen und übergibt uns einen recht neuen Citroen C3 für 40,-€ pro Tag incl. Voll-Versicherung und allen Kilometern. Er hat sich wohl gedacht: „Der frühe Vogel fängt den Wurm.“ Und er hatte Recht.

Der erste Ausflug führt uns am Freitag-Nachmittag an der Südküste von Guadeloupe zu verschiedenen Stränden und Aussichtspunkten. Der Verkehr ist fürchterlich hektisch! Wir stehen zum ersten Mal seit langer Zeit wieder im Stau und können damit kaum noch umgehen.

Der Strand von Saint Anne ist proppenvoll und wir finden keinen Parkplatz. Stattdessen fahren wir ein Stück weiter an den „Plage de Bois Jolan“ zum kurzen Schwimmstopp.

Mit dem letzten Tageslicht erreichen wir den Aussichtspunkt „Point des Chateaux“. Hier gibt es einen grandiosen Ausblick auf eine bizarre Fels-Landschaft, in welche die Atlantikwellen nach mehreren 1000 km nahezu ungebremst hereinrauschen.

Der Anblick fasziniert uns und wir sind froh, das noch gesehen zu haben. Zufrieden machen wir kehrt und halten auf dem Rückweg bei einem großen Einkaufszentrum in der Nähe von Point à Pitre. Bei Decathlon kaufen wir unter anderem eine Hängematte. Der Platz darin wird künftig an den Ankerplätzen zwischen Robin und mir sehr heiß umkämpft sein. 🙂

In diesem Einkaufszentrum wird auch der Gedanke an eine eigene Waschmaschine an Bord wieder zum Leben erweckt. Das Waschen im Waschsalon ist auf Dauer recht teuer und vor allen Dingen zeitaufwändig, vor allem dann, wenn die Maschinen nicht immer direkt frei sind. Bei uns an Bord in die Gästekabine passt aber maximal eine Maschine mit den Maßen 40×60 cm. Aber das scheint hier in der französischen Karibik sogar Standard zu sein, denn es gibt gleich mehrere Maschinen zur Auswahl für erstaunlich angemessenes Geld um die 400,-€. Aber gibt der Energie-Haushalt an Bord den Strom für eine Waschmaschine her? Die Entscheidungsfindung fällt sehr sehr schwer. Das kürzen wir jetzt hier im Interesse der Leser ab. Wir fahren insgesamt 3x deswegen nach Point à Pitre und verlängern am Ende sogar den Mietwagen um einen ½ Tag, damit wir die neue Waschmaschine an Bord bekommen. Auf dem Steg will der 75-jährige Liegeplatz-Nachbar unbedingt beim Tragen helfen und hängt sich auch noch an die 60kg schwere Waschmaschine dran. Das war lieb gemeint, aber leider eher kontra-produktiv. 😉 Den Liegeplatz im Hafen verlängern wir um einen Tag, damit die Maschine wenigstens provisorisch aufgestellt und getestet werden kann. Bei den ersten Tests hüpft die Maschine beim Schleudern noch munter in der ganzen Kabine herum. Nachdem ich ein paar Tage später dann auch die Transportsicherung der Trommel (danke Andrea!) entfernt habe, hat sich das schon deutlich verbessert. 🙂 Jetzt können wir also zu Hause waschen.

Am Sonntag machen wir mit dem Auto einige Ausflüge in den Regenwald Guadeloupes. Bei unserer Wanderung zu dem Wasserfall „Chute du Galeon“ macht der Regenwald seinem Namen leider alle Ehre. Wir sind nicht vorbereitet und haben nur T-Shirts an, die sofort am Anfang komplett durchnässt werden. Hier oben ist es mit nur 19°C auch ungewohnt kalt, aber wir halten durch und werden mit einem schönen Ausblick und nassen Füßen belohnt. Das anschließende Baden in dem „Baine Jaune“ verkneifen wir uns wegen der Gefahr, daß wir uns hier mit Amöben infizieren könnten. Davor wird per Hinweisschild gewarnt.

Der Rückweg führt uns durch Basse-Terre, die eigentliche Hauptstadt Guadeloupes. Die Strandpromenade ist wirklich schön und relativ neu. Der Rest der Stadt erscheint eher etwas heruntergekommen und wenig reizvoll. Dafür gibt es einen riesigen Supermarkt, den wir dank Auto großzügig nutzen.

Am Dienstag-Nachmittag geht es dann weiter nach Pidgeon Island. Bei der Insel soll ein fantastisches Schnorchel-Revier sein und am Ankerplatz gegenüber dem Festland soll es den perfekten Spot für Sonnen-Untergänge geben. Wir kommen am späten Nachmittag an. Unsere Begeisterung für den Ankerplatz hält sich in Grenzen. Wieder kein weißer Traumstrand mit Palmen und kristallklarem Wasser zum Schwimmen. Dafür ist das Schnorchel-Revier bei Pidgeon-Island am nächsten Tag umso eindrucksvoller. Hier gibt es Unmengen von großen Fischen, die man beinahe anfassen kann, weil sie überhaupt keine Angst zu haben scheinen. Bestimmt eine Stunde lang können wir uns nicht satt sehen an den tollen Eindrücken.

Leider beobachte ich aber auch zum ersten Mal auf unserer Reise, dass ein anderer Schwimmer sich an unserem Dinghi hochzieht und einen interessierten Blick hinein wirft, ob wohl etwas drin liegt, was er gebrauchen kann. Als ich mich auf den Weg mache, lässt er aber schon wieder ab. Auch Anja ist vorher schon aufgefallen, dass er sich etwas auffällig verhalten hat. Gut, dass nichts von Wert im Schlauchboot war.

Nach dem Schnorcheln fahren wir weiter nach Deshaies im Norden von Guadeloupe. Hier soll unser Absprung nach Antigua stattfinden. In Deshaies werden wir nicht freundlich empfangen. Beim ersten Ankerversuch beschwert sich ein Belgier lautstark, dass wir viel zu dicht vor ihm lägen. Und das obwohl wir noch mit gestreckter Ankerkette beim Einfahren des Ankers 30 Meter von ihm weg sind. Am Ende wären mindestens 40 Meter Platz gewesen. Er wolle aber morgen ganz früh weg und wir würden auf seinem Anker zum Liegen kommen. Wir lassen ihm sein Rässelchen und fahren einige Meter weiter nach Backbord und lassen unseren Anker schräg hinter einem Kanadier fallen. Als dieser dann auch noch anfängt zu meckern, befürchten wir, dass man hier mit uns „Schweinchen in der Mitte“ spielen möchte und wir versichern ihm, dass wir uns im Falle einer Winddrehung genauso drehen werden wie er auch und er nichts zu befürchten hat. Immerhin haben wir 40-50 Meter Abstand voneinander. Wir bleiben so liegen und im Laufe des Abends legen sich noch Schiffe dazwischen und noch viel näher heran als wir. Leider haben wir das Schauspiel nicht beobachten können, weil wir auf Landgang waren. 🙂 Als wir 2 Tage später Deshaies verlassen, liegt der Belgier vom ersten Anker-Manöver übrigens immer noch in der Bucht.

Am nächsten Tag besuchen wir gemeinsam mit der Eleonore-Crew den botanischen Garten von Guadeloupe. Das firmeneigene Taxi holt uns am Dinghi-Dock ab und fährt uns den Berg herauf zum Garten. Der botanische Garten ist sehr schön angelegt. Ein Ort zum „Runterkommen“ und Entspannen.

Es gibt auch eine Vielzahl von Tieren: Koi-Karpfen, Papageien, Flamingos.

Selbst der Spielplatz hat einen exponierten Platz mit tollem Blick auf die Bucht.

Nur der „Weihnachtsstern“ wirkt irgendwie fehl am Platz hier; verbindet man damit doch eher den kalten deutschen Winter und nicht 30° und Sonne.

Deshaies selbst erinnert ein wenig an den Ort Bourgh auf den Les Saintes.

Am Vorabend ist auch noch die Sameera hier in Deshaies eingelaufen. Die Sameera ist der Katamaran einer deutschen Familie, die wir vor 2 Jahren auf einem Seminar in Düsseldorf kennengelernt haben. Astrid und Roland sind mit Ihren 3 Söhnen ebenfalls für ein Jahr ausgestiegen. Nach dem Besuch im botanischen Garten fahre ich rüber, um Hallo zu sagen. Den Abend verbringen wir gemeinsam auf der Step By Step 2. Als Gastgeschenk bringen sie uns einen fertig zubereiteten Lion-Fisch mit. Dieser hochgiftige Fisch wurde vor einigen Jahren von Frachtern aus dem Pazifik hier in die Karibik eingeschleppt. Dieser gefräßige Räuber hat hier keine natürlichen Feinde, verbreitet sich inflationär und räubert die Riffs leer. Deswegen wird er gejagt und soll ausgerottet werden. Das Gift zerfällt beim Braten, so dass er gegessen werden kann. Er schmeckte übrigens vorzüglich! Danke!

[ssba]

2 Kommentare

  • Paula

    20. Februar 2017 at 8:04 Antworten

    Ach ihr Lieben. Welch ein Paradies.
    Wäsche waschen
    Stau
    Nervöse Nachbarn
    Giftige Fische zum essen
    Riesige Fische zum anfassen
    Amöbenangriffe
    Regen
    Bin mal auf die nächsten Alltagsgeschichten gespannt.
    Lg Paula

  • Annika

    20. Februar 2017 at 18:54 Antworten

    Lesestoff! Perfekt – nur leider wieder viel zu schnell „zu Ende gelesen“ 🙁

    Die Waschmaschine sieht sehr niedlich und winzig aus. Wieviel passt da rein???
    Das die Entscheidung euch da schwer gefallen ist, dass kann ich irgendwie nachvollziehen. Aber im Endeffekt ist eine Waschmaschine eben eine Waschmaschine. 😉

    Der Belgier und der Kanadier hatten wohl Angst, dass die Step by Step ihnen die Sonne mopst… Das ist so verdammt traurig. Die Menschen gönnen sich gegenseitig nichts mehr. Ich hoffe ihr lernt auf eurer Reise noch genügend Menschen kennen die anders sind. 🙂

    Aber es gibt natürlich auch keinen Beitrag ohne Schock: Ihr esst hochgiftige Fische?!

    Liebe Grüße aus Deutschland

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