Ocean-Passage von den Turks zu den Bahamas – 13.05.- 19.05.2017

Am Samstag nehmen wir pünktlich um 10.00 Uhr den Anker auf. Kaum haben wir gegen Mittag das flache Wasser der Caicos-Bank verlassen, beginnt Robin mit dem Angeln. Bei der ersten Leine zeige ich ihm noch, wie er den Köder und die Leine ausbringen muss. Aber unsere „Step By Step“ hat ja 2 Seiten, also ist es für Robin völlig logisch, dass wir auch zwei Angelleinen hinter uns her ziehen. Von da an kümmert er sich unermüdlich den ganzen Tag darum, dass mit den Ködern alles in Ordnung ist und wir kein Seegras oder Algen hinter uns her schleppen. Gegen Abend räumt er alles ordentlich weg, damit er die Haken morgens wieder erneut ausbringen kann. Er scheint seine Passion für die Reise gefunden zu haben.

Wir haben eher etwas flaue Winde. Deshalb müssen wir zwischendurch auch immer wieder mal den Motor anmachen, damit wir nicht vollständig zum Stehen kommen. Wenn der Motor läuft, machen wir den Wassermacher an und können uns damit am Abend eine Extra-Dusche können. So hat das Motoren etwas positives.

Nach 2 Nächten erreichen wir am Montagmorgen die kleine Insel „Conception Island“. Der Stopp wurde uns mit den Worten empfohlen: „ So etwas Schönes habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen“. Nun gut! Das wollen wir überprüfen und wir werden nicht enttäuscht. Ein toller Strand mit extrem klarem Wasser. Kaum haben wir unseren Anker liegen, taucht ein riesengroßer Rochen unter dem Schiff durch.

Das könnte auch die Düne in Heiligenhafen sein

Der tolle Spaziergang auf der Insel ist gerade beendet, als etwas Regen aufkommt. Ca. 2 sm südlich von unserem Ankerplatz gibt es einen Mangroven-See. Nachdem der Regen aufgehört hat, fahren wir mit den Dinghis hin. Wieder sind wir froh, mit 2 Schiffen unterwegs zu sein. Denn so fahren 2 Dinghis die relativ weite Strecke und man könnte sich gegenseitig helfen, falls einmal der Motor ausfällt. Die ganze Strecke zurück rudern, wäre eine echte Herausforderung. Die Einfahrt in die Mangroven ist noch einmal etwas kniffelig, weil es sehr, sehr flach ist. Aber dann trauen wir unseren Augen nicht. Das haben wir so schön nie erwartet. Stilles Wasser, überhaupt nicht grün, sondern türkisblau. Wir sehen überall bis auf den Grund und wir sehen Rochen, jede Menge Schildkröten und sogar kleine Haie. Besonders freuen wir uns, dass die Sonne gerade rechtzeitig herauskommt.

Schon wieder Hai-Alarm

Weil das Hochwasser langsam zurückgeht, bilden sich überall kleine Sandinseln. Auf einer machen wir noch einmal kurz Stopp.

Dann drängt die Zeit! Wir sind, wie empfohlen, bei Hochwasser herein und hatten so gerade genug Wasser. Nun läuft das Wasser ab. Hoffentlich kommen wir wieder heraus. Bei der Ausfahrt herrscht dann zwischen Anja und mir etwas Uneinigkeit, wo der Pass denn jetzt ist und prompt setzen wir mit der Schraube des Außenborders auf. Wir haben Glück im Unglück. Weil wir langsam unterwegs waren, ist nichts passiert.

Vor Conception Island hätten wir es mehrere Tage aushalten können, wenn da nicht der Wetterbericht wäre. Bereits am gleichen Abend müssen wir schon weiterfahren, damit wir 2 Tage später rechtzeitig vor dem Durchzug einer Front mit viel Wind und Regen auf „Great Abaco“ sind. Für die kommende Nacht ist aber erst einmal wenig Wind angekündigt. Umso größer ist die Überraschung als wir bereits nach knapp 2 Stunden die Segel reffen müssen. Bis zu 25 kn sind es auf einmal und wir kommen zunächst zügig in der pechschwarzen und regnerischen Nacht voran. Gegen 2.30 Uhr wird der Wind sehr unbeständig, aber die Welle ist noch da. Also: Motor an!

Leider können wir den Wassermacher nachts nicht laufen lassen, weil wir einen noch ungeklärten Spannungsabfall im Bordsystem haben. Dieser beträgt mittlerweile bis zu 1 Volt gegenüber der vorhandenen Batteriespannung. Damit sinkt die Bordspannung dann nachts auf einen kritischen Wert von 11.5 Volt oder gar darunter, wenn zu viele Verbraucher eingeschaltet sind. Ich verdächtige den Batterie-Hauptschalter, will aber da erst an der USA-Ostküste dran, wenn wieder Ersatzteile verfügbar sind. Tagsüber bringen die Solarzellen genug Strom, um die Spannung gut zu halten.

Wir motoren bis zum späten Vormittag. ZU LANGE, wie sich später noch herausstellen wird! Wie im Wetterbericht vorhergesagt, nimmt der Wind Stunde um Stunde ein bisschen zu. Gegen Abend haben wir nur noch 60 sm zu segeln und wir sind viel zu schnell. Wir wollen erst am Vormittag an der Passage des „Barrier Reef“ ankommen, weil dieses nur bei guten Sichtverhältnissen passiert werden soll. Am Ende segelt die „Step by Step“ nur noch mit dem Großsegel im 2. Reff, das Vorsegel ist ganz weggedreht. So machen wir nur noch 4,5 bis 5 kn und wir „strecken“ unsere Ankunft auf 8.00 Uhr am nächsten Morgen. Leider nimmt mit dem Wind auch die Welle zu. Die Wellen kommen genau von der Seite und mit der verlangsamten Fahrt schaukelt und stampft der Katamaran elendig. Könnten wir 6,5 oder gar 7,5 kn laufen, wäre das bestimmt besser. Unseren Freunden auf der „JoEmi“ ergeht es auch nicht besser. Dort haben sie sogar mit Seekrankheit zu kämpfen.

Die Riff-Passage klappt gut, auch wenn die Anfahrt mit Welle von hinten etwas Ziel-Anlauf erfordert. Glücklicherweise drehen wir nicht direkt in die Schneise zwischen den Korallen ein, sondern wir gestatten uns etwas „Anlauf“ von Nord-Osten. Das war gut so, denn im übermüdeten Zustand brauche ich eine Zeitlang „bis die Peilung steht“. Wir sind froh, dass wir uns heute Morgen noch für die einfachere Passage entschieden haben, die aber etwas weiter nördlich liegt.

Kurz danach fällt vor der Insel „Man-O-War“ der Anker und wir machen Frühstücks- und Badepause, bevor es noch einmal 5 sm nach „Marsh Harbour“ weitergeht. Dort müssen wir einklarieren und noch einmal Proviant einkaufen.

Die Einfahrt nach Marsh Harbour

Als erstes möchte ich auf den Bahamas einklarieren. Obwohl wir gelesen haben, dass die meisten Cruiser den Customs-Service in einer Marina beanspruchen, möchte ich lieber direkt beim Zoll vorstellig werden. Nach einem 20-minütigem Spaziergang erfahre ich vor der verschlossenen Tür, dass wir für das Einklarieren mit unserem Schiff an dem „Government Dock“ anlegen müssen oder eben den Service in einer Marina beanspruchen müssen. Auf jeden Fall wollen die Beamten an Bord kommen. Grummel! Das war so nicht geplant! Das Government-Dock ist eine hässliche, hohe Betonpier mit scharfen Kanten, wo normalerweise die Frachter anlegen, die zwischen den Inseln verkehren. Außerdem ist heute viel Wind! Nein Danke! Die Variante wird es nicht. Bereits etwas angesäuert kehre ich zum Boot zurück und bespreche das mit Anja. Wenn wir schon in eine Marina fahren müssen, dann wenigstens in eine Schöne, denn hier gibt es mehrere.

Danach will ich erst mal mit dem Schlauchboot zur „Harbour View Marina“ fahren und die Prozedur abklären. Auf einmal springt der Außenborder nicht an. Abgesoffen! Eigentlich weiß ich genau, dass ich jetzt 2 Optionen habe: Entweder mindestens 15-30 Minuten warten oder Werkzeug holen, Zündkerzen raus und trocken machen, aber ich will es nicht wahrhaben und zerre lieber 30 Minuten am Starterseil. Natürlich ohne Erfolg! Ich muss schließlich doch das Werkzeug holen.

Wider Erwarten drückt mir die nette Dame im Marina- Office einfach die nötigen Formulare in die Hand und ruft bei Zoll und Immigration an, dass die Beamten bitte kommen mögen. Als ich wissen will, ob wir nicht erst das Schiff an die Pier verlegen müssen, sagt sie achselzuckend „Nun! Das hängt davon ab!“ Ich fülle fleißig alles aus und hoffe, dass es auch so klappt. Obwohl die Damen im Büro noch dreimal beim Zoll anrufen, kommt trotz der Zusage „Wir sind Unterwegs“ bis zum Feierabend niemand mehr. Das Büro wird geschlossen und ich warte noch weitere 75 Minuten vor der Tür, obwohl ich mir (fast) sicher bin, dass niemand mehr kommen wird. Als ich um 17.30 Uhr zurück auf dem Schiff bin, ist meine Laune endgültig dahin und ich ärgere mich, die Bahamas überhaupt angelaufen zu haben. Wir werden 300,-$ für das Cruising Permit bezahlen müssen und haben doch sowieso schon so wenig Zeit für die Bahamas. Der erste Tag ist nun herum und wir haben nichts geschafft. Doch! Wir haben 20,-$ für eine Woche inselweites „Bezahl-WiFi“ ausgegeben und das funktioniert natürlich auch nicht.

Am nächsten Tag ist alles besser. Das WiFi funktioniert auf einmal und früh am Morgen fahre ich mit dem Dinghi zur Marina. 10 Minuten später kommen die Beamten und niemand spricht mehr von „Wir müssen an Bord“! Die Zollbeamtin ist begeistert von unserer Reise, sagt allerdings hinter der vorgehaltenen Hand, dass die „Exumas“ weiter im Süden noch viel schöner sind, als die hiesigen Inseln. Nun! Das haben wir gewusst, aber die lagen eben nicht auf der Route. Wir werden das im Winter nachholen und wieder 300,-$ bezahlen, denn das Permit gilt nur dann 1 Jahr lang, wenn man nach einer Ausreise binnen 90 Tagen wieder einreist. Das werden wir nicht schaffen.

Anschließend gehen wir im Supermarkt einkaufen und sind vom Angebot überrascht. Alles da und das meiste zu bezahlbaren Preisen. Nur eine Überraschung erleben wir noch. Als wir endlich einen Bargeld-Automaten finden, an dem unsere Karte funktioniert, bekommen wir „Bahama-Dollars“ ausgezahlt. Wir glaubten, dass US-Dollar die hiesige Währung ist. Nun haben wir wieder „Spielgeld“ wie bereits auf den Ost-Karibischen Insel mit den EC-$. Im Laufe des Tages lernen wir noch Susanne und Thomas aus Kiel von der „That´s Life“ und Anne-Mieke und Rob von der „Charlie II“ aus den Niederlanden kennen. Rob hat einen Adapter, mit dem man hier europäische Gasflaschen füllen lassen kann. Er borgt mir diesen -ohne zu Zögern- aus, obwohl er mich kaum kennt. Vielen Dank Rob!

Stadtplan
Die Marinas und Hotel sind aufgepeppt.
Aber nicht alle Marinas sind nach einem Hurricane im guten Zustand
Trotz Kanone mit Kugel haben wir aber nichts mit dem Zustand zu tun

[ssba]

5 Kommentare

  • Annika

    25. Mai 2017 at 16:53 Antworten

    Leck mich am A****!!
    WIE GEIL IST DAS DENN BITTE?!!! 😍
    Also die obere Hälfte zumindest… 😉
    Der Rest klingt nach zu viel unnötigem Ärger den kein Mensch braucht…

  • Ilka Göke

    26. Mai 2017 at 7:58 Antworten

    Na, da kann ich mich Annikas Worten nur anschließen………

    • Andre Schulz

      26. Mai 2017 at 16:32 Antworten

      ILKA! Solche Kraft-Ausdrücke von Dir? Mir fehlen die Worte….

      • Ilka Göke

        26. Mai 2017 at 22:34 Antworten

        War doch weggepiepst….. 😉

        • Andre Schulz

          2. Juni 2017 at 21:47 Antworten

          OK!

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