Rigg-Arbeiten und Golfstrom-Tücken 02.01. bis 14.01.2018

Die Zeit fliegt dahin und langsam aber sicher neigt sich der Zeitraum, den wir ursprünglich in der Marina gebucht haben, dem Ende zu. Wir erkunden die nähere Umgebung von Fort Pierce, u.a das hiesige Manatee-Center und den Jetty-Parc in der Nähe des Inlet. Das Hoverboard macht die Spaziergänge lustiger. Robin segelt mit Pat auf seinem „Katamaran-Dinghi“.

Manatees gibt es zwar heute keine zu sehen, aber dafür den berüchtigten Lionfish

Kühl ist es geworden

 

Robin und Pat auf Tour

 

Beim Puzzlen hat Robin natürlich die Ehre des letzten Teilchens

 

Am Wochenende haben wir noch einmal ein Auto gemietet, um die Einkäufe vom Walmart und Aldi bequem zum Schiff zu bekommen. Beim Aldi gibt es dunkles Vollkorn-Brot. Wir decken uns mit 40 ! Broten ein. Hier nur ein kleiner Teil des Einkaufes. Auf den Bahamas wird es ja wieder teurer und viel schwieriger mit dem Einkauf.

Direkt am ersten Tag hatten wir Kontakt zu einem Rigger aufgenommen, weil wir gerne die Wanten-Spanner austauschen möchten. Die Wanten, das sind die Drahtseile die den Mast seitlich halten. Also nicht ganz unwesentliche Teile auf einem Segelschiff. Die Hammerkopfschrauben der Spanner zeigen jeweils an der Oberseite ein unschönes Bild mit Rissen, welches vielleicht schon von der Herstellung der Teile rührt. Diese Risse waren auch letztes Jahr auf Gran Canaria schon vorhanden und der Rigger dort hat das beim Rigg-Check als unbedenklich und normal eingestuft, aber gefallen hat uns das nie.

Wir dachten, dass wir hier in Fort Pierce nun mehr als genug Zeit haben, Ersatzteile zu beschaffen, aber es wird am Ende doch wieder knapp. Der Rigger bekommt eine schöne Skizze mit allen Maßen von mir. Trotzdem geht die erste Woche alleine für die Bestellung drauf und die 800,- US-$ für die Teile dürfen wir auch schon einmal überweisen. Eine weitere Woche warten wir gespannt auf die Lieferung. Wir freuen uns, als der Mitarbeiter zum Schiff kommt und mir die Teile in die Hand drückt. Aber, Moment Mal! „Die sind doch viel zu lang!“, rufe ich dem guten Mann hinterher. Er stutzt, sieht sich das an und nimmt die Teile wieder mit. Ein Telefonat mit seinem Chef ergibt dann, dass er wohl nicht alle Maße beachtet hat und er bestellt eine vermeintlich kürzere Variante für uns. Diesmal dauert die Lieferung fast 2 Wochen. Dafür kommt der Chef persönlich und bringt die Teile und siehe da: „Genauso lang!“ Und jetzt?

Lange Rede, kurzer Sinn: Es gibt einige Lösungsansätze. Wir haben die Wahl zwischen:

1.)  viel Geld bezahlen und eine Bastel-Lösung bekommen und

2.) noch mehr Geld bezahlen und die Wanten komplett zu tauschen, dann aber was Richtiges zu haben.

Wir entscheiden uns natürlich für Zweiteres. Die Step By Step 2 ist jetzt 10 Jahre alt und spätestens nach 15 Jahren soll man sowieso das stehende Gut tauschen. Weil diese umfangreichen Arbeiten aber erst in der kommenden Woche gemacht werden können, müssen wir ein paar Tage in der Marina verlängern. Das fällt uns aber gar nicht schwer, weil sowieso gerade einige Wetterfronten durchziehen und das Überqueren des Golfstromes eine stabile Wetterlage erfordert. Außerdem haben wir hier nette Gesellschaft und die Marina berechnet für den verlängerten Aufenthalt nur den anteiligen Monatspreis. Das ist mehr als fair.

Am Montag, 08.01.2018, kommt dann wie versprochen der Rigger und misst die Wanten noch einmal genau nach. Bei der Gelegenheit sieht er sich auch alles andere noch einmal an. Es gibt sonst nichts zu beanstanden. Am Mittwoch kommen sie dann zu zweit und montieren die Drähte. So wird am Ende noch alles gut und wir sind froh, diese Arbeiten ausführen zu lassen. Jetzt kann es losgehen!

Das sieht besser aus!

Wenn wir den nach Norden laufenden Golfstrom nach Osten überqueren wollen, können wir auf keinen Fall frische Winde aus nördlichen Richtungen gebrauchen, denn dann bilden sich in kürzester Zeit hohe und steile Wellen. Diese Wellen können für kleine Schiffe ziemlich gefährlich werden. Wer in starken Gezeitengewässern unterwegs ist, weiß was wir meinen. Nur mit dem Unterschied, dass der Golfstrom mit rund 3-4 Knoten fließt und eben 30 bis 40 sm breit ist. Außerdem würden die Wellen seitlich eintreffen. Wir können aber auch keine stärkeren Winde aus Süd-Ost oder Süd gebrauchen, weil wir dann nicht nur gegen den Golfstrom, sondern auch noch gegen den Wind ankämpfen müssen. Am besten wäre ein moderater Wind aus SW oder West und den haben wir in den letzten Wochen nicht gesehen.

Die Wetterlage verspricht zunächst zum Wochenende noch ganz gut zu werden für eine Überfahrt zu den Bahamas . Leider verändert sich das stündlich und eben nicht gerade zum Guten. Am Ende glauben wir, dass wir nur in der Nacht von Donnerstag auf Freitag eine Gelegenheit haben, bevor es wieder für mindestens weitere 7 Tage zu gefährlich wird. Außerdem laufen bald unsere USA-Visa aus. Wir müssen los! Am Mittwoch-Abend organisieren Pat und Michelle von der „Jade“ noch eine kleine Abschieds-Party mit den anderen Nachbarn für uns. Vielen Dank! Wir werden Euch vermissen.

Unser Plan sieht so aus: Wir fahren unter Motor am Donnerstag-Morgen bei schwachen Südost-Winden an der Küste Floridas ca. 50 sm nach Süden. Auf der Höhe von Lake Worth starten wir am späten Abend nach Osten in Richtung Grand Bahama, genauer nach West-End. Bevor wir dann den Golfstrom ca. 10 sm vor der US-Küste erreichen, dreht der Wind auf Süd bis Süd-Süd-West und wir können selbst mit einer Abdrift von 30 bis 40° hart am Wind bei moderaten 15 Knoten segeln. Wir sind irgendwann in der ersten Tageshälfte am Freitag da und die Kaltfront, welche für den Abend angekündigt ist, kann kommen. Schöner Plan! Aber natürlich kommt es anders!

Die violette Linie in der Mitte: Unser Weg von Fort Pierce zu den Bahamas
Abschied aus Fort Pierce
Da war die Welt noch in Ordnung. Die Squalls regnen weit entfernt von uns ab!

Wir starten am Donnerstag-Morgen, 11.01.2018, und ahnen schon bei der Ausfahrt aus dem Inlet, dass die Wellen doch höher sind, als wir erwartet haben. Aber vielleicht wird es ja noch ruhiger. Den ganzen Tag haben wir 15 bis 20 Knoten Wind von vorne und die Wellen sind 1 bis 1,50 Meter hoch. Das ist zwar machbar, aber ungemütlich! Gegen Abend werden wir immer langsamer. Am Ende schaffen wir keine 3 Knoten über Grund mehr, obwohl beide Maschinen in Marschfahrt laufen. Die Strömung ist selbst hier an der Küste einfach zu stark. Jetzt wird es langsam nervig! Anja verliert gegen 22.30 Uhr die Nerven und ändert den Kurs mehr nach Osten, raus auf See. Das wirkt! Wir machen immerhin 4 Knoten, aber an Segeln ist nicht zu denken. Der Wind kommt viel zu weit von vorne und die Wellen auch. Gegen 0.30 Uhr übernehme ich die Wache. Wir sind am westlichen Zentrum des Golfstromes und gehen auf direkten Kurs nach Osten. Immerhin 5 Knoten über Grund. Im Golfstrom nimmt der Wind auf 20 bis 25 Knoten zu. Leider bleibt die Wind-Drehung auf Süd zunächst aus. Außerdem haben wir bei unseren Überlegungen nicht berücksichtigt, dass wir nicht nur 30 bis 40° Grad Abdrift haben, sondern auch unser Bug zeigt dann in die falsche Richtung. Das bedeutet, dass wir selbst bei Südwind zu hoch am Wind wären, um einen Kurs von 90 Grad segeln zu können. Das ich das übersehen habe, ärgert mich und langsam wird es ätzend, denn die ganze Nacht knallen die Wellen gegen den Rumpf. Die Wellen spülen über Deck und selbst auf unserem Katamaran fliegt alles durch die Gegend, was nicht niet- und nagelfest ist. So einen SCH… hatten wir noch nie! Gegen 1.30 Uhr werden wir auf einmal rot angeleuchtet und ich erschrecke. WAS IST DAS? Nachdem sich der erste Schock gelegt hat, stelle ich fest, dass es unsere eigene 2-Farben-Laterne im Bug ist. Sie ist von einer Welle aus der Halterung gespült worden, baumelt jetzt am Kabel herum und leuchtet in die falsche Richtung nach hinten. Das kann natürlich nicht die ganze Nacht so bleiben. Ich wecke Anja und hole mir vorne eine kräftige Salzwasser-Dusche ab.

Erst gegen 6.00 Uhr morgens, als wir das Zentrum des Golfstromes verlassen, können wir unsere Nase weit genug aus dem Wind herausdrehen und das gereffte Großsegel setzen. Es schiebt nun ein wenig mit. Anja übernimmt die Wache, ich lege mich wieder hin. Gegen 7.00 Uhr nehme ich mit Zufriedenheit zur Kenntnis, dass sie die Motoren stoppt und dass sie das Vorsegel herauszieht. Endlich wird es ruhiger. Den Rest der Strecke nach Westend fliegen wir mit 7-8 Knoten trotz stark gereffter Segelfläche. Die Wasserfarben sind endlich wieder blau und türkis. Großartig! Die Strapazen der Nacht sind fast schon wieder vergessen.

Bereits um 8.50 Uhr sind wir in West-End und fahren in die Marina zum Einklarieren. Das klappt dieses Mal viel besser als letztes Jahr in Marsh Harbour. Nach 20 Minuten ist alles erledigt. Weil wir nun doch ein wenig kaputt sind, gönnen wir uns einen Liegeplatz im Hafen für 2,-$ pro Fuß Schiffslänge plus 15,-$ für Wasser (ob man Wasser verbraucht oder nicht, spielt keine Rolle).

Papierkram auf den Bahamas

Dafür können wir aber auch die Resort-Anlagen, wie Pool, Bar usw. nutzen, wenn wir möchten. Gerne nutzen wir die Resort-Fahrräder, damit wir im Ort eine lokale SIM-Karte für´s Telefon kaufen können. Robin und ich fahren zum ersten Mal mit einem Tandem. Das ist witzig. Bei der Tour sehen wir einige Spuren von Hurricane Matthew in 2016. Die Prepaid-Karte selbst kostet einmalig 16,-$ und für weitere 35,-$ monatlich bekommen wir beim örtlichen Anbieter BTC immerhin 15 GB Daten. Das haben wir auch schon teurer erlebt. Den Rest des Tages nutzen wir dazu, das Schiff noch einmal mit Süßwasser zu duschen.

 

Am Abend überlegen wir, wie es nun weitergeht. Leider gibt es auf der Insel Grand Bahama offensichtlich nur wenige Ankerplätze und deren Qualität ist zweifelhaft. Wir entscheiden uns für Lucaya im Süden und hoffen, dass wir dort ein Fleckchen zum Ankern finden.

Am Samstag-Morgen wollen wir die Diesel-Vorräte noch einmal aufstocken und zum Fueldock verholen. Zu meiner Überraschung empfiehlt der Mitarbeiter, dass wir die Betankung mit Kanistern durchführen sollen. Das wäre besser als das Schiff am Dock zu beschädigen. Wir können zwar nichts Gefährliches entdecken und auch die Windrichtung und –stärke ist unserer Meinung nach völlig ok, aber wir wollen auf keinen Fall hinterher hören: „What did I tell you?“. Also geht es um 10.45 Uhr etwas später los, weil die Kanister-Betankung natürlich etwas länger dauert. 🙂

Während der Fahrt nehmen wir unseren Wassermacher wieder in Betrieb.  Den haben wir  in dem braunem Wasser an der USA-Küste nicht laufen lassen wollen. Mehr als ein halbes Jahr hat er nun gestanden und hoffentlich macht er jetzt keine Probleme. Ich lege den Schalter um und …der Elektromotor läuft NICHT an, obwohl die Spannung gut ist. Weil wir im letzten Jahr damit auch hin und wieder Schwierigkeiten hatten, wechsele ich die Motorkohlen. Die sind zwar nicht verschlissen, aber die Federn sind ein bisschen weich.  Das war´s! Er rennt wieder. Wir trödeln nur mit dem Vorsegel in den Süden von Grand Bahama. Etwas zu langsam, denn als wir in Lucaya ankommen ist der ausgewählte Ankerplatz schon besetzt und es wird nun rapide dunkel. Uns bleibt nichts anderes übrig, als auch hier wieder in die Marina zu fahren. Dieses Mal ist es der Grand-Bahama-Yachtclub für 1,60$ pro Fuß.

Am Abend checken wir Wetter und machen die weitere Planung. Die nächsten Fronten werden erwartet und wenn wir nicht morgen ganz früh direkt zu den Berry Islands weiterfahren, hängen wir für mehrere Tage hier in der Marina fest. Unser bereits überstrapaziertes Januar-Budget lässt das eigentlich nicht zu und so richtig gefällt es uns hier auch nicht.

Also fahren wir am Sonntag-Morgen bereits um 6.30 Uhr los, damit wir die 65 Seemeilen bis zu den Berries bei Tageslicht schaffen können. Mit 20 bis 25 Knoten Wind aus Raumschots fliegen wir nach Südosten. Meistens scheint die Sonne und als wir die Banks der Berries erreichen, haben wir noch Zeit genug, den Anker in aller Ruhe vor Bullocks Harbour im Westen von Great Harbor Key fallen zu lassen. Hier gibt es u.a. ein Flugzeug-Wrack zu erschnorcheln, welches 1983, voll mit Drogen beladen, hier abgestürzt ist. Die Drogen sind aber schon weg! 🙂

Ein Motor der Maschine ist bei Ebbe gut zu sehen
Endlich wieder Strand !
Ein großer Seestern im Wasser vor dem Strand

Wir sind nicht alleine und bereits kurz nachdem der Anker liegt, kommen Renee und Ryan von der Poerava und sagen Hallo. Hier werden wir es wohl ein paar Tage aushalten. Die strammen Nordwinde können kommen.

[ssba]

2 Kommentare

  • Annika

    18. Januar 2018 at 20:58 Antworten

    ÄTSCH! Da bist du endlich auch mal vorne am Bug nass geworden 😉 Eigentlich ziehe ich ja immer das große Los…

    Viel Spaß im türkis-glitzernden Meer! Vergesst nicht die tollen Momente weiterhin mit Bildern und Texten festzuhalten 🙂 Wir wollen alle daran teilhaben.

    Fühlt euch gedrückt!

    • Andre Schulz

      20. Januar 2018 at 21:44 Antworten

      Wo warst Du als die Dusche fällig war. Kann ja wohl nicht sein, dass ich mir die selbst abholen musste. 🙂

Hinterlasst uns einen Kommentar