St. Augustin – Alligatoren und Hurricane-Spuren 16.11.-22.11.2017

Da wir früh angekommen sind, bleibt noch etwas Zeit für einen ersten Landgang. St. Augustine steht im Ruf, dass sich Europäer hier besonders wohl fühlen, weil so vieles an Spanien erinnert. Das wollen wir überprüfen.

Zuerst werden wir vom „Castillo de San Marcos“ angezogen, welches mehr oder weniger neben dem Hafen liegt. Man erkennt die spanischen Wurzeln nicht nur am Namen. Von innen besichtigen wir es allerdings nicht, weil es in einer halben Stunde um 17.00 Uhr schließt. Dafür sind uns dann 10,-$ pro Person zu viel. Vielleicht an einem anderen Tag mit mehr Zeit. Aber auch von außen gibt es viel zu sehen. Unter anderem einen Ofen, in dem die Kanonenkugeln früher erhitzt wurden, damit die beschossenen Holzschiffe in Brand gerieten.

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Der Ofen für die Kanonenkugeln

 

Das historische Stadtzentrum selbst liegt in einer Fußgängerzone. Die Häuser hier könnten auch genauso gut aus einem Western-Film stammen. Man müsste nur das Pflaster auf der Straße wegdenken und durch festgetrampelten Sand ersetzen. Neben der ältesten Holzschule der USA gibt es jede Menge einladende Pubs, Eisdielen und vor allen Dingen „Candy-Shops“. Ja! Hier gefällt es uns.

Am Freitag, 17.11.2017, besuchen wir die hiesige Alligator-Farm. Wir sind morgens die ersten Besucher und erleben ein tolles Schauspiel, wie es sich später am Tag nicht wiederholen wird: Wir sind ein paar Schritte von der Alligator-Lagune entfernt, als wir ein tiefes Grollen hören. Ein Gewitter? Nein! Dafür grollt es dann doch zu häufig hintereinander. Der ganze Boden vibriert! Wir sind neugierig und folgen den Geräuschen. Die Alligatoren in der Lagune brüllen und richten sich dabei jeweils etwas auf. Wir haben das Gefühl, von Ihnen beobachtet zu werden und glauben bald, sie warnen uns mit Ihrem Gebrüll. Vor einer Alligator-Schnauze sieht man sogar die Luft vibrieren. Wow! Das ist wirklich respekt-einflößend. In freier Wildbahn wollen wir so etwas aber nicht erleben.

Später erfahren wir auf Nachfrage von einer Pflegerin, dass die Alligatoren dieses aus verschiedenen Gründen tun: z.B.: zur Brunftzeit oder auch nur zur Kommunikation untereinander, meistens jedoch nur früh am Morgen, wenn die Sonne herauskommt, um den Tag zu begrüßen. Wir haben also Glück, dass wir so früh hier sind.

Um 10.00 Uhr bekommen wir im Theater noch eine Privat-Vorführung mit Schlangen, Schildkröten und einem Hasen. Es sind ja noch keine anderen Gäste da, aber der Pfleger hat keinerlei Bedenken, die Vorführung für uns alleine durchzuziehen. Jetzt fragt Ihr Euch bestimmt, was der Hase mit Schlangen und Reptilien zu tun hat? Keine Angst! Er wird nicht verfüttert, sondern er dient nur als Beispiel für die perfekte Anpassung der Tiere an die Natur. In seinem Falle die Temperatur-Regulierung über die langen Ohren. Darüber hinaus ist er eben ein Bewohner Floridas.

In St. Augustine ist man stolz darauf, als einziger Zoo weltweit ALLE bekannten Alligator- und Krokodilarten vor Ort zu haben. Es gibt hier sogar weiße Albino-Alligatoren. Diese Tiere leben mit einem ganz besonderen Handicap: Die Kaltblüter brauchen einerseits Wärme von außen (Sonnenstrahlen), um Ihren Körper warm zu halten; andererseits würden Sie bei Sonneneinwirkung sofort einen Sonnenbrand bekommen, weil der Körper eben kein Melanin produziert. Im Zoo wird das mit Rotlicht geregelt.

Wir lernen den Unterschied zwischen Alligatoren und Krokodilen und sehen bei der Fütterung zu. Besonders überrascht sind wir, dass die Alligatoren bei der Fütterung recht entspannt bleiben. Es gibt also kein wildes Gemetzel wie man es erwarten würde. Im Gegenteil. Die Pflegerin ruft das eine ohne andere Tier beim Namen und es hört darauf und holt sich sein Häppchen ab. Sie warnt jedoch ausdrücklich davor, Alligatoren in freier Wildbahn zu füttern. Die Tiere dürfen Ihre natürliche Angst vor Menschen nicht verlieren, weil sie sonst die Nähe suchen würden, um Futter zu bekommen. Und das will doch keiner, oder?

Es gibt noch einige Papageien, Schildkröten, Vögel und Lemuren. Aber denen wird heute nur eine Nebenrolle zu Teil. Unser Fazit der Alligatorfarm: Absolut sehenswert und beeindruckend.

Galapagos-Schildkröte

Als wir zurückkehren schauen wir noch schnell im „Black Raven Ship-Shop“ vorbei. Wir wollen nachsehen, ob unser Bootshaken schon da ist, den wir uns hierhin liefern lassen haben. Nein. Ist er nicht! Aber während wir noch mit dem Betreiber-Pärchen schwatzen, kommt der FEDEX-Mann herein und ich kann den Empfang selbst quittieren. Das hat ja mal geklappt.

Im Ship-Shop haben wir erfahren, dass am Samstag, die „Night of Lights“ ist. Bereits bei unserem ersten Rundgang in St. Augustine waren uns die vielen Lichterketten aufgefallen, die zum großen Teil aber noch nicht erleuchtet waren. In St.Augustine ist es Tradition, dass dieses bei einem öffentlichen Count-Down in der „Night of Lights“ passiert. Ein buntes Rahmenprogramm gibt es auch.

Deswegen verlassen wir das Schiff am Samstag erst später, weil wir dann eben auch länger an Land bleiben möchten. In der Stadt ist heute viel, viel mehr los als noch am Donnerstag. An verschiedenen Stellen gibt es Bühnen, auf denen Kinder und Highschool-Schüler Ihre einstudierten Darbietungen zeigen. In einem Pavillon spielt eine kleine Big Band. Der für deutsche Stadtfeste an jeder Ecke so typische Bierwagen fehlt allerdings. Es gibt nichts zu trinken und auch einen Snack müsste man sich im Stadtzentrum in einer der Pizzerien besorgen. Hier sind uns die Schlangen aber zu lang. Das ist für uns Europäer etwas gewöhnungsbedürftig.

Wir setzen uns in der Nähe des Pavillons auf eine Wiese und warten auf den großen Moment des Countdowns um 18.30 Uhr. Als es dann endlich so weit ist und bei 0 zunächst nur der städtische Weihnachtsbaum erleuchtet wird, kommen wir als Dortmunder ein bisschen ins Schmunzeln. Der hätte bei uns ja fast ins Wohnzimmer gepasst, nicht zu vergleichen mit dem Dortmunder Baum. Als ich aber anfange zu frotzeln und einen Stromausfall vermute, wird schon der nächste Count-Down heruntergezählt und bei 0 werden alle anderen Lichterketten eingeschaltet. Ok! Das ist dann schon wesentlich beeindruckender. Insgesamt 3 Millionen Lichter sollen es sein.

Erst als wir uns auf den Heimweg machen, merken wir, dass sich der Platz im Laufe der Zeit noch viel mehr gefüllt hat. So viele Menschen auf einem Haufen! Das hatten wir lange Zeit nicht. Wie auf einem richtigen Weihnachtsmarkt 🙂 .  Auf dem Rückweg schauen wir noch mal bei der Pizzeria vorbei, aber die Schlange ist eher noch länger geworden. Wir essen auf dem Schiff.

Überhaupt ist hier bereits alles sehr weihnachtlich geschmückt.

Am Sonntag Morgen kommt der Marina-Tender zu uns an die Boje und macht einen kostenlosen Pumpout unseres Schmutzwassertanks. Ich drücke dem Fahrer etwas Trinkgeld in die Hand und erinnere ihn noch einmal daran, dass wir gerne etwas näher an die Marina und damit ans Dinghi-Dock heranrücken möchten. Es ist immerhin mehr als ein halbe Seemeile entfernt. Und siehe da: 15 Minuten später ruft er an und teilt uns mit, dass wir ganz vorne ein Plätzchen haben können, wenn wir jetzt sofort verholen. Die Bojen sind nämlich zurzeit restlos ausgebucht. Die Stege der Marina sind wegen der Schäden durch Hurricane „Irma“ nur zu ¼ nutzbar und im November ist hier in Florida Hochsaison.

Noch mehr Irma-Opfer?
Das Restaurant kann leider auch nicht mehr erreicht werden

 

Das haben wir auch an den vielen Absagen gemerkt, die wir in den letzten Tagen von den Marinas weiter im Süden bekommen haben. Wir versuchen, ein Plätzchen für die Weihnachtszeit zu bekommen und haben viele Anfragen geschickt, aber bisher nur Absagen erhalten. Vor März ist nichts zu bekommen. Gerade als wir Plan B schmieden und vielleicht doch schon vor Jahreswechsel zu den Bahamas fahren, bekommen wir eine mail der Marina aus Fort Pierce. Sie haben genau einen Platz frei, den wir haben können, wenn wir uns schnell entscheiden. Und billig ist es auch nicht gerade, aber wir entscheiden uns dafür. Wir möchten gerne ein bisschen Gesellschaft haben und die Weihnachtsstimmung in den USA auffangen. Letztes Jahr waren wir mit so vielen Freunden von der ARC in der Karibik unterwegs und außerdem waren Marco und Julia an Bord. Dieses Jahr sind wir alleine und wollen auf keinen Fall irgendwo in einer einsamen Bucht ankern. Um sicher zu gehen, rufen wir den Dockmaster an und bestätigen. Wie eng die Sache mit den Marinas ist, zeigt uns endgültig, dass wirklich nur das zuerst angefragte Zeitfenster frei ist. Gerne würden wir ein paar Tage vorziehen, aber das geht wohl nicht. Egal. Wir nehmen, was wir kriegen können. Schließlich möchten wir noch ein bisschen von Florida mit dem Auto erkunden und das ist aus der Marina heraus definitiv komfortabler.

Am Sonntag, 19.11.2017, laufen wir noch am Castillo vorbei zum „Old Town“ von Augustine mit dem alten Gefängnis.

Am Sonntag-Abend holen wir dann die Pizza nach. Bei „Pizza Time“ soll es die zweit-beste Pizza der gesamten USA geben. Hiervon wollen wir kosten, auch wenn das Attribut „zweitbeste“ immer einen komischen Beigeschmack hat. 🙂 Aber die Pizza ist lecker. Auf dem Rückweg lernen wir noch Heike und Herwig aus Lüneburg kennen. Sie sind mit Ihrer „Worlddancer 2“ seit 2015 auf Tour.

Am Montag fahren wir mit dem örtlichen Bus zum Walmart. Ein einfaches Ticket kostet 1,-$. Der Busfahrer merkt, dass wir uns nicht auskennen und gibt uns für den gleichen Preis ein Ganz-Tagesticket. Das kostet normalerweise 2,-$, ist dafür aber den ganzen Tag in allen Buslinien gültig. Versucht doch mal in Deutschland für diese Preise in einen Bus einzusteigen. 😉

Nachmittags gibt es noch eine Runde Minigolf auf dem ältesten Minigolf-Platz Floridas.

Am Dienstag-Morgen fahren wir weiter, obwohl ich eigentlich gar keine rechte Lust dazu habe. Irgendwie fehlt der Antrieb. Gerne will ich außen herum und segeln, aber das lohnt nicht. Unsere „Weihnachts-Marina“ ist rund 200 sm südlich und für diese Strecke haben wir jetzt fast 3 Wochen Zeit. Außen herum wären das nur 1,5 Tage. Also fahren wir auf dem ICW weiter. Bereits nach 13 Seemeilen fällt der Anker vor Fort Mantanzas. Der Ankerplatz ist sehr schön und hier soll es sogar kostenlose Führungen in dem Fort geben. Ein Stück weiter gibt es sogar einen Strand. Aber leider ist der Rest des Tages regnerisch, so dass wir nicht anlanden wollen. Wir würden ja noch einen Tag bleiben, aber Morgen am Mittwoch macht der Regen nur für einen Tag Pause. Am Donnerstag und Freitag soll es noch viel mehr regnen und vier Tage hier sind uns dann doch zu viel.

Deswegen geht es am Mittwoch, 22.11.2017, direkt weiter nach Daytona Beach. Direkt am Morgen gilt es noch einmal eine kniffelige Stelle im ICW am Mantanzas Inlet zu bezwingen. Aber wir haben Glück und die Stelle wurde im Frühjahr gebaggert. Trotzdem loten wir an der flachsten Stelle bei Hochwasser nur 2,7 Meter. Bei Niedrigwasser wären das nur rund 1,40 m gewesen. Die Versandung geht also weiter! Die Klappbrücken auf diesem Abschnitt öffnen zügig und halten uns gar nicht auf. Eine Brücke wurde ebenfalls von Hurricane Irma beschädigt und kann nur eine Seite klappen, aber das sieht bei der Annäherung viel enger aus als es hinterher für unseren Kat wirklich ist. Wir haben auf jeder Seite noch mehr als 2 Meter Platz.

Der ICW zeigt sich heute wieder von seiner besten Seite mit Sonne und ruhigem Wasser. Allerdings gibt es doch sehr viele zerstörte Stege am Ufer, die vermutlich alle der letzten Hurricane-Saison zum Opfer gefallen sind. Sonst fällt auf, dass die Ufer sandiger sind als bisher.  Das gefällt uns!

Bereits um 14.30 Uhr erreichen wir Daytona Beach. Wir ankern direkt gegenüber der Einfahrt zur Halifax-Harbour-Marina, wo es öffentliche Bootsrampen gibt, an denen wir unser Dinghi bei Landgängen parken können. Am Donnerstag ist Thanksgiving, ein hoher Feiertag hier in den USA. Auf der Daytona-Rennstrecke gibt es den sogenannten „Turkey Run“ mit einer großen Autoshow mit Fahrzeugen vor 1980. Laut Homepage werden mehr als 6000 Oldtimer und Klassiker erwartet. Wir hoffen, dass das Wetter mitspielt und wir die Veranstaltung besuchen können.

[ssba]

2 Kommentare

  • Annika

    24. November 2017 at 20:18 Antworten

    Neeeee, auch diese Tage wären nichts für mich gewesen. Alligatoren finde ich furchteinflößend und würde mir vermutlich in die Hose machen, wenn die so komische Geräusche machen. 😳
    Was mir sehr negativ aufgefallen ist: Ihr habt die Schlange und die Schildkröte fotografiert – Wo bitte ist der Hase?! 😒

    Dafür ist der „mickrige“ Weihnachtsbaum super schööööön! 😍 Der wäre was für mich gewesen. Ich bin schon ganz auf eure Beiträge in der Weihnachtszeit gespannt. Ihr werdet bestimmt einige schöne Dinge zu sehen bekommen. Bitte bitte teilt sie!! 🙂

    • Andre Schulz

      26. November 2017 at 14:33 Antworten

      Hihi! Ja, wo ist der Hase….? Die Schlange ist da….
      Nein. Er wurde wirklich nicht verfüttert oder sonst irgendwie mißhandelt.
      Wir haben ihn nur nicht fotografiert.
      Danke für Deine regelmäßiges feedback. 🙂

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