Washington D.C. – die Hauptstadt Amerikas und unser Weg aus der Kälte

Robins erste Worte bei der Einfahrt nach Washington: „Das ist Washington? Hier sind ja gar keine Hochhäuser!“. In der Tat hat die „Skyline“ von Washington wenig mit der von New York zu tun.

Zum Fahrrad fahren ist die Stadt aber wirklich gut. Jeden Tag fahren wir mit unseren Rädern zu einem anderen Museum oder Denkmal, von denen es hier in Washington viele gibt und die fast alle zentral rund um die „National Mall“ angeordnet sind. Zudem sind die meisten Museen hier auch noch umsonst.

Am Sonntag, 08.10.2017, treffen wir die Eleonore-Crew, die Washington von Annapolis aus mit dem Auto besucht. Wir besuchen das Washington Monument und das Lincoln-Memorial. Auch hier ist alles groß und beeindruckend.

Als wir noch das Weiße Haus besuchen wollen, werden wir schon beim Eingang der Grünflächen vom Secret Service aufgehalten. Alle Leute müssen weiträumig das Gelände verlassen. Wir warten noch eine halbe Stunde und harren der Dinge, die passieren, aber außer einem Feuerwehrfahrzeug und einigen Sicherheitsbeamten sehen wir nichts. Da müssen wir nochmal an einem anderen Tag wiederkommen. Später erfahren wir via Twitter, dass Donald Trump das Weiße Haus am Abend verlassen hat. Deswegen also die Absperrung.

Den nächsten Tag verbringen wir fast komplett auf dem Arlington Nationalfriedhof. Mit fast 5.400 Begräbnissen jährlich und fast 230.000 Begräbnissen bisher ist er unvorstellbar groß. „Normale“ Leute können sich hier jedoch nicht beerdigen lassen. Auch das Grab von John F. Kennedy und seiner Familie befindet sich hier. Wir beobachten den Wachwechsel am Grab des unbekannten Soldaten. Ein sehr strenges Ritual. Als einige Zuschauer zu sprechen beginnen, werden Sie im knackigen Militärton zu „Silence and Respect“ aufgefordert.

In den nächsten Tagen besuchen wir das Museum of Natural History (Naturkundemuseum), das Air- and Space- Museum (Luft- und Raumfahrt-Museum) und das Museum of the American Indian.

Wir radeln zu den verschiedensten Denkmälern und Sehenswürdigkeiten:

– das Weiße Haus

Der nationale Weihnachtsbaum vor dem Weißen Haus. Da können wir in Dortmund locker mithalten

 

– Franklin D. Roosevelt- Memorial – Thomas Jefferson – Memorial

– Theodor Roosevelt – Memorial (diesem Präsidenten ist sogar eine ganze Insel gewidmet)

– das Pentagon

– Korea- Krieg- Denkmal

– das Capitol

– Union Station (Hauptbahnhof) und Kolumbus- Denkmal

Wir besuchen den Ortsteil Georgetown mit schönen Häusern und einer stark befahrenen Einkaufsstraße.

Bisher hatten wir den Eindruck, dass Washington wirklich mehr als Regierungs- und Verwaltungssitz dient. Viele Touristen, relativ wenig Verkehr, viele riesige Verwaltungsgebäude.

Abends fahren wir auf dem Rückweg immer an dem Safeway-Supermarkt vorbei, der nur wenige Minuten von der Marina entfernt ist. Er ist groß und günstig und wir decken uns nach und nach großzügig mit allem ein.

Unser Liegeplatz in der Gangplank-Marina ist eher mäßig, da wir direkt neben zwei großen Ausflugsbooten liegen, deren Generatoren Tag und Nacht laufen und die beim Auslaufen einen Höllenlärm veranstalten. Auch die Sanitäranlagen und der Raum mit den Waschmaschinen und Trocknern sind ok, aber auch nicht mehr. Dafür haben wir, vor allem im Dunkeln, einen tollen Blick auf das Washington Monument. Außerdem ist der Preis von 57,-$ / Nacht für amerikanische Verhältnisse ein Schnäppchen.

Zum Wochenende wird mit Live-Musik und mehreren Feuerwerken ein großes Stück neuer Hafenpromenade eröffnet. Die Promenade ist wirklich schön geworden. Schöne Restaurants und Bars, nette Sitzgelegenheiten, Schaukeln, Wasserspiele…. für jeden ist etwas dabei. In 2 Jahren soll alles fertig gestellt sein. Dann hat Washington eine tolle Hafen-Promenade. Das kann man jetzt schon erkennen.

Nachdem unsere Wäsche gewaschen, das Schiff vollgebunkert und sauber ist und wir unsere Sightseeing-Bedürfnisse gestillt haben, verlassen wir am Sonntag die Marina wieder und verlegen uns, als wir in einer Nachbar-Marina auch noch die Dieseltanks gefüllt haben, für eine letzte Nacht in Washington vor Anker.

Am nächsten Morgen, 16.10.2017, geht es wieder den Potomac River runter in Richtung Chesapeake Bay.  Aufgrund der Tide nehmen wir bereits bei Tagesanbruch um 7.00 Uhr den Anker auf. Die nächsten Stunden motoren wir noch hoch motiviert. Bereits um 11.15 Uhr fällt der Anker nach 25 Seemeilen wieder im Mattawoman Creek, wo wir bereits auf der Hinfahrt waren. Der Wind hat ganz schön aufgefrischt und weht uns genau auf die Nase. Auch die Tide kippt jetzt und eine Weiterfahrt macht keinen Sinn mehr. In den letzten Tagen ist es bereits merklich kühler geworden und wir haben Glück, dass uns die Sonne noch ein bisschen wärmt.

Auch am nächsten Morgen müssen wir wieder früh aufbrechen. Die Temperatur im Schiff ist auf knappe 11 Grad gefallen und wir müssen uns dick anziehen. Wir sind uns alle einig: wir müssen dringend in den Süden. Wir wollen Wärme und schöne Ankerbuchten zum schwimmen. Der Anker fällt nach 28 Seemeilen (davon sogar 11 !!! gesegelt) kurz nach Mittag im Port Tobacco River.

Weil es so schön ist und die Tide sich leider in Richtung Süden nicht zu unseren Gunsten nach hinten schiebt, müssen wir auch am Mittwoch früh los. Das Thermometer im Salon zeigt arktische 9,6 Grad. Das relativ warme Wasser dampft und alles sieht im Licht der aufgehenden Sonne wirklich toll aus. Trotzdem:  wir frieren!! Nur Robin, der erst am späten Vormittag bei steigenden Temperaturen aus seiner Koje gekrochen kommt, findet es nicht ganz so schlimm.

Nach 30 motorten Meilen ankern wir mittags vor Leonardtown in der Breton-Bay. Da wir bereits früh vor Anker liegen, haben wir die Schulzeiten auf die Nachmittagsstunden verlegt. Am späten Nachmittag rudern Andre und Robin noch in den Ort Leonardtown, während Anja die Ruhe an Bord bei einem guten Buch genießt. Leonardtown ist eine nette Kleinstadt mit einer modernen Waterfront. Es gibt sogar eine kostenlose Gäste-Pier. Allerdings trauen wir der Tiefenabgabe von 1,50 m nicht, deswegen ankern wir lieber draußen.

Am nächsten Tag liegen die letzten Potomac-Meilen vor uns. Die Strömung ist auf unserer Seite und sogar der Wind spielt mit. Nach 47 Meilen (davon erfreulicherweise 29 unter Segeln) und 9 Stunden haben wir „Mill Creek“ erreicht. Hier waren wir bereits im August und es hat uns hier ausgesprochen gut gefallen. Auch heute ist es hier ruhig und wir sind ganz allein. Als die Dunkelheit hereinbricht, bricht an Bord Panik aus. Innerhalb von wenigen Minuten fallen Schwärme von Mücken über uns her. Innerhalb von Sekunden werden alle Mückennetze vor die Fenster gespannt und die Türen verrammelt. Gott sei Dank ist es so kalt, dass an draußen sitzen sowieso nicht mehr zu denken ist.

Auch der nächste Tag beginnt wie gehabt um 7.00 Uhr und wir fahren die letzten 23 Meilen bis nach Deltaville. Leider verpassen wir unsere Freunde von der Eleonore um einen Tag. Aufgrund eines geeigneten Wetterfensters haben diese sich auf den Weg um Cape Hatteras gemacht. Wir möchten innen rum durch den ICW (Intracoastal Waterway) fahren, der landschaftlich sehr schön sein soll. Die Durchfahrtshöhe ist aufgrund zahlreicher Brücken auf 65 Fuß begrenzt und während das bei uns gerade noch passt, ist der Mast der Eleonore zu hoch.

Der Ankerplatz im Jackson Creek vor der Deltaville Marina ist gut besucht und während wir noch die Tiefe loten, werden wir unsanft aufgestoppt. Das Echolot zeigt 2,50 m! Was ist los? Wir lernen eine neue Katamaran-Eigenart zu berücksichtigen: Das Echolot sitzt unter dem Backbordrumpf und wir sitzen mit dem Steuerbordrumpf auf, dazwischen sind 5,50 m, in denen die Tiefe stark abnehmen kann. Das ist zwar logisch, hatten wir aber bisher so nicht auf dem Schirm. Wir können uns zum Glück mit dem Rückwärtsgang schnell selbst befreien.

Bereits in New York war uns aufgefallen, dass die Durchflussmenge unseres Wasserhahns immer geringer wurde. Daraufhin hat Andre den Filter gewechselt, der mit einer schmierigen Schicht überzogen war. Kein Wunder, dass da nichts mehr durchkommt. Haben wir möglicherweise verunreinigtes Wasser getankt? Da wir das Wasser aus unseren Tanks auch als Trinkwasser nutzen, sind wir da etwas pingelig. Zunächst schien alles gut zu sein. Doch in den letzten Tagen war uns erneut aufgefallen, dass die Durchflussmenge wieder abgenommen hat. Wir bauen erneut den Filter aus und wieder ist da diese schleimige Schicht. Wir überlegen, was wir tun sollen. So möchten wir das Wasser nicht trinken.

Wir entschließen uns schließlich, uns in die Marina zu verholen und die Wassertanks komplett zu reinigen. Jetzt haben wir die Gelegenheit dazu und dann haben wir alles getan, was wir tun können. Andre fährt also schnell zum Supermarkt und zu West Marine und besorgt alles Nötige. Da wir am nächsten Morgen wieder früh loswollen, wird es ein langer Abend. Die Wassertanks müssen komplett leerlaufen, dann frisch befüllt und mit Desinfektionsmittel versetzt werden. Das Ganze dann wirken lassen, alles wieder raus, spülen und mit frischen Wasser neu befüllen. Fertig.

Obwohl wir gründlich spülen, schäumt es noch ein bisschen nach und wir beschließen, diese Tankfüllung nur zum duschen, spülen etc. zu verwenden, nicht aber als Trinkwasser. Das nehmen wir vorsichtshalber aus Flaschen.

Auch der nächste Morgen beginnt bei Sonnenaufgang. Die Fahrwasser nach Deltaville ist ziemlich flach und etwas tricky. Bisher hatten wir aber mit unserem sehr geringen Tiefgang keine Probleme. Es ist Niedrigwasser. Die Insider raten dazu, beim Rausfahren eher links im Fahrwasser zu bleiben. Wir tasten uns vorsichtig vor und bereits bei der zweiten Tonne sitzen wir fest. Wir gucken uns ratlos an. Da waren wir wohl nicht weit genug links? Wir fahren uns rückwärts frei, um gleich nach der Drehung wieder fest zu sitzen. Der Tiefenmesser am Backbordrumpf zeigt noch 2,80 m an. Das reicht dicke. Aber offensichtlich sitzen wir jetzt wieder mit der Steuerbordseite auf. Wir gucken uns nochmal ratlos an. Wo müssen wir denn jetzt her? Noch weiter links? Das kann nicht sein! Beim dritten Versuch sind wir nun ganz nah an der Tonne. Passt wieder nicht! Also nochmal zurück. Erst beim vierten oder fünften Versuch schaffen wir es, in dem wir die Tonne quasi über den Haufen fahren. Wir befinden uns entgegen dem Insider-Wissens nun extrem rechts im Fahrwasser! Für Katamarane ist wegen der Breite also wieder eine Sonder-Regelung nötig! Während ein Rumpf im Kanal war, wurde der jeweils andere wahrscheinlich schon durch den Schlick gezogen. Zum Glück besteht der Untergrund aus weichem Matsch und wir sind immer nur sehr sanft aufgelaufen. Hinter uns fahren mehrere Einrumpf-Boote mit mehr Tiefgang problemlos durch. Die kommen mit dem schmalen Kanal offensichtlich deutlich besser zurecht. Bis auf eine verlorene halbe Stunde und einen kleinen Adrenalinschub am frühen Morgen nichts passiert 😉

Der Tag wird lang. Wir wollen bis nach Norfolk. Dort beginnt der ICW und es sind knapp 50 Seemeilen, die wir leider an diesem Tag komplett unter Motor zurücklegen müssen.

Norfolk ist eher industriell und außerdem Marinebasis. Überall liegen alle Arten von Kriegsschiffen. Auch die neueste Anschaffung liegt dort: der Flugzeugträger USS Gerald R. Ford, der erst im Juli 2017 in Dienst gestellt wurde. Baukosten: 13 Milliarden US-Dollar. Er ist damit das teuerste Kriegsschiff der Welt. Zur Zeit sind übrigens noch 2 Schwesterschiffe im Bau.

Der Ankerplatz am Hospital Point liegt direkt gegenüber von der Waterside Marina und ist bereits gut gefüllt. Leider liegen in der gesamten Ankerbucht auch noch Krabbennetze, so dass es etwas schwierig ist, einen geeigneten Platz zwischen Yachten und Krabbennetzen zu finden. Glücklicherweise ist wenig Wind vorausgesagt und die Nacht bleibt ruhig.

Wir sind gespannt auf den ICW und freuen uns, endlich weiter in den Süden zu kommen. Hier in der Chesapeake-Bay waren wir jetzt wirklich lange genug.

[ssba]

2 Kommentare

  • Annika

    28. Oktober 2017 at 23:34 Antworten

    Ich gebe zu, am Ende des Beitrags habe ich herzlich gelacht – Verzeihung! 🙈 ABER ihr müsst zugeben, diese „festfahren – befreit – festfahren – befreit“-Sache könnte auch gut in einer Comedy-Sendung im TV laufen. Besonders mit dem einzigartigen fassungslosen Gesichtsausdruck von Papa 😂 Auch wenn es für euch in der Situation eher nicht so lustig war…

    Ihr fehlt mir!

  • Markus und Elke

    30. Oktober 2017 at 10:44 Antworten

    Liebe Steppis, schön, immer wieder etwas von Euch zu lesen. Eure Berichte aus New York und Washington sind sehr interessant. Tolle Ziele, die wir auch gerne irgendwann mit dem Schiff bereisen möchten! Ganz liebe Grüße von der Diana Crew!

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