Weltmeisterliches Sao Miguel vom 16.06. – 27.06.2018

Wir brechen am Samstag-Nachmittag, den 16.06., gegen 16.30 Uhr auf Terceira auf. Das ist früh genug, damit wir am Sonntag sicher bei Tageslicht in Ponta Delgada auf Sao Miguel ankommen. Es sind rund 90 sm zurückzulegen. Wir erwarten keinen Wind und vielleicht liegt es daran, dass wir die herrschende Flaute dieses Mal sogar genießen können. Der Nord-Atlantik ist platt wie ein Pfannkuchen. Nur ab und zu läuft die lange Dünung unter der „Step by Step“ durch. Die Sonne scheint, es ist warm, die Strömung schiebt leicht mit und am Abend kommt ein Delfin-Schwarm vorbei. Was will man denn mehr?

So sind wir gar nicht enttäuscht, dass auch die Nacht ohne Wind bleibt. Gegen Morgen nehmen wir sogar noch etwas Gas heraus, damit wir nicht zu früh in Ponta Delgada ankommen. Das Hafenbüro öffnet erst um 9.30 Uhr. Um 9.35 Uhr machen wir am Empfangs-Dock fest. Nach der kurzen Eincheck-Prozedur tanken wir voll und verholen zum zugewiesenen Liegeplatz in der West-Marina.

Wir treffen die „Eleonore“ wieder. Sie sind vorgestern direkt von Horta aus gestartet. Der erste Eindruck von Ponta Delgada ist so lala. Es erinnert uns ein wenig an Gran Canaria: Gute Versorgungslage, aber optisch keine Augenweide. Da war Angra auf jeden Fall schöner, aber wie schon Horta erschließt sich auch dieser Ort dem Betrachter auf den zweiten Blick. Die Altstadt hat sehr wohl schöne Orte und überall ist das Straßenpflaster in tollen Mustern verlegt. Es macht schon einen riesigen Unterschied, ob wir vom Hafen aus nach links in die Altstadt gehen (Hui!) oder nach rechts in Richtung Kasino (Pfui!). Hier natürlich nur die Hui-Fotos.

Wir nehmen für 3 Tage einen Mietwagen und erkunden das Insel-Innere. Der Höhepunkt jedes Tages ist jeweils eine 2,5 bis 3,5-Stunden-Wanderung durch die Vulkan-Landschaft. Dreimal dürft Ihr raten, welchem Crew-Mitglied das am wenigsten gefallen hat 😉

Am Mittwoch, 20.06. fahren wir zunächst nach Vila Franca do Campo. Dort gibt es oben auf dem Berg die Kapelle „Ermida de Nossa Senhora da Paz“, die einen tollen Treppenaufgang hat und von der man einen sensationellen Ausblick hat.

Anschließend fahren wir ins Inselinnere nach Furnas. Dort soll es heiße Mineralquellen geben. Leider liegen diese inmitten eines Parks, für den wir 25,-€ Eintritt zahlen sollen. Nur zum gucken ist uns das zuviel und wir fahren weiter in Richtung Norden zum Naturpark Ribeira dos Caldeiroes. Dieser Park hat einen sehr schönen Wasserfall, eine alte Wassermühle und ist landschaftlich wirklich sehr schön.

Wir sind genau zur richtigen Zeit hier. Überall blühen die Hortensien, die auf der gesamten Insel entlang der Strassen als große Hecken oder Einzelpflanzen wachsen. Wunderschön.

Zum Abschluss des Tagen wollen wir eine Wanderung zum Salto do Cabrito (einem Wasserkraftwerk) machen. Kurz vor dem Parkplatz lassen wir uns aber irritieren und biegen mit dem Auto falsch ab. Die Straße wird immer schlechter und auch schmaler. Aber es gibt kein Zurück, denn drehen geht nicht. Immer weiter fahren wir in den Wald hinein. Obwohl uns hin und wieder Wanderer entgegen kommen, bestätigt sich meine Befürchtung, dass wir den Wanderweg gerade mit dem Auto erkunden, glücklicherweise nicht. Als wir oben auf dem Berg ankommen, gibt es auch wieder asphaltierte Wege. Aber ein weiterer Blick auf die Karte zeigt, dass wir definitiv falsch sind, also fahren wir den ganzen Weg auch wieder zurück. Unten angekommen stellen wir fest, dass wir beim ersten Mal nur 50 Meter vom Wander-Parkplatz entfernt gewesen sind. Er war um die Ecke herum. Egal! Jetzt sind wir ja da.

Start- und Endpunkt des 7,5 km langen Rundwegs ist in Caldeiras da Ribeira Grande, in der es ebenfalls heiße Quellen gibt. Hier gibt es überall Stellen, an denen heiße Gase aus dem Boden oder aus irgendwelchen Steinmauern austreten. Und die Gase sind wirklich heiß! Das weiß ich jetzt, denn ich musste es wieder genau wissen und habe meine Pfoten in den Dampf hinein gehalten. Autsch! Überall wird auf Warntafeln vor diesen CO2-Gasen gewarnt. Man soll sich nicht zu lange in Bodennähe aufhalten, also nicht auf den Boden setzen oder gar legen. Die Erd-Wärme wird auf der Insel als Energie-Quelle genutzt.

Wir besuchen auch das Sperrwerk für ein Wasser-Kraftwerk, welches um 1910 hier errichtet wurde. Anschließend wandern wir bergab an den Wasserleitungen entlang, bis wir unten an einen malerischen Wasserfall gelangen. Schwimmen mögen wir aber nicht. Das Wasser erscheint uns zu kalt.

Die Wanderung wieder hoch ist anstrengend und auf einem besonders staubigen Stück des Weges verkehren auch noch LKW´s. Wir haben jedoch Glück und begegnen keinem Lastwagen auf dieser Strecke. Da wären wir auch schön gepudert worden, denn ein wenig geschwitzt haben wir ja auch. Zurück am Parkplatz genehmigen wir uns erst einmal ein Eis in dem angrenzenden Café.

Am Donnerstag fahren wir in den Westen und wollen den 2-farbigen See der Insel, den Lagoa das Sete Cidades bewundern. Es ist der größte See der Azoren und enthält nahezu die Hälfte aller Süßwasserressourcen der Inselgruppe. Entstanden ist der See durch einen Vulkan, der früher dort stand und Mitte des 15. Jahrhunderts ausbrach. Dabei wurde der Vulkankegel zerstört und der heutige Krater geschaffen, in dem sich der See bildete. Der See ist nur durch eine Brücke zweigeteilt. Trotzdem erscheint das Wasser auf der einen Seite grün und auf der anderen Seite blau. Der Sage nach bestehen die Seen aus den Tränen einer Prinzessin und eines Hirten, die nicht zusammen kamen und dort Abschied nehmen mussten, wo sich die Seen treffen. Der blaue See bildete sich aus den Tränen der Prinzessin und der grüne aus denen des Hirten. Tolles Natur-Schauspiel! Tatsächlich ist der grüne See einfach nur hoffnungslos veralgt, weil das Wasser flacher ist.

Anschließend fahren wir nach Ferraria, wo es ebenfalls Thermalpools und auch Naturpools gibt.

Die folgende Wanderung führt an spektakulären Steilküsten vorbei. Es geht steil bergab, bevor wir ganz laaaangsam wieder hochgehen. Nach rund 2 Stunden sind wir etwas erschöpft wieder am Auto.

Anja hatte für heute eigentlich noch eine zweite Wanderung im Programm und zwar durch die Tee-Plantagen der alten Teefabrik Chá Gorreana, eine der drei einzigen Teefabriken Europas. Aber es ist uns am Nachmittag zu heiß. Stattdessen besichtigen wir die alte Fabrik und lassen uns zeigen, wie hier seit mehr als 100 Jahren Tee hergestellt wird. Wir haben Glück und können uns an eine deutschsprachige Führung anschließen. Das Ergebnis der anschließenden Verköstigung: Lecker auch für Kaffee-Trinker wie uns.

Zum Abschluss des Tages besuchen wir noch den Sand-Strand Praia dos Moinhos bei Porto Formosa.

Am Freitag-Morgen nutzen wir die Gelegenheit und fahren mit dem Auto zum Einkaufen. Noch ist zwar nicht klar, wann wir die Azoren mit dem richtigen Wind verlassen können, aber die nächste Gelegenheit wollen wir ergreifen. Also muss auch gebunkert werden.

Um eine Meuterei Robins zu verhindern, nehmen wir heute Mattis von der Eleonore zur Wanderung mit. Damit hat Robin ein wenig Ablenkung von den „Strapazen“ der Lauferei. Wir dürfen heute die Taschenlampe nicht vergessen, denn die Wanderung führt durch verschiedene Tunnel hindurch zum „Höllenfenster“. Ein Loch in der Felswand, nur durch die stetige Kraft des fließenden Wassers geschaffen.

Das „Höllenfenster“

Die Jungs laufen tapfer mit und haben sogar Spaß. Zur Belohnung lassen wir den Tag nochmals am Strand „Praia dos Moinhos“ . Nach anfänglichem Zögern können Robin und Mattis der Versuchung dann doch nicht widerstehen und gehen in den Wellen des Atlantiks toben.

Am Wochenende zeichnet sich dann ab, dass Mittwoch, 27.06. ein guter Tag zum Auslaufen ist. Endlich wieder Wind! Aber da spielt doch Deutschland das entscheidende Gruppenspiel der WM gegen Korea! Das wollen wir aber nicht verpassen… Am Donnerstag werden die Bedingungen schon wieder rauer und der Freitag ist zu spät, dann ist das gute Wetter vorbei.

Lange Rede – kurzer Sinn! Wir schließen einen Kompromiss und fahren Mittwoch-Nachmittag nach dem Spiel und nehmen unsere vorläufig letzte Ozean-Passage zum portugiesischen Festland in Angriff. Heute weiß jeder: Wir hätten nichts verpasst, wenn wir schon am Morgen gefahren wären, denn weltmeisterlich war das gerade nicht, was unser Team dort gezeigt hat.

 

[ssba]

4 Kommentare

  • Annika

    7. Juli 2018 at 19:21 Antworten

    Papa du bist ein ziemlicher Banause!! „Der See ist hoffnungslos veralgt…“ Hallo?! Verliert man im Alter den Sinn für Romantik???

    Dafür bin ich ziemlich stolz auf dich, dass du über die Hängebrücke drüber gegangen bist. Seid ihr doch? Oder war das nur ein nettes Fotomotiv?

    Zu der Sache mit den heißen Fontänen sage ich besser mal nichts… 🙄

    Kurz: Bei dem Artikel hatte ich definitiv meinen Spaß 🤣

    • Andre Schulz

      10. Juli 2018 at 20:58 Antworten

      In diesem Falle wusste ICH, dass Du genau das schreiben wirst.:-)

  • Ilka Göke

    10. Juli 2018 at 11:54 Antworten

    Hach, Ihr kommt immer näher……. Ich freue mich sehr auf Euch!

    Fühlt Euch gedrückt!

    • Andre Schulz

      10. Juli 2018 at 21:00 Antworten

      Wie immer! Ein lachendes und ein weinendes Auge.

Hinterlasst uns einen Kommentar