Winter in den Bahamas 15.01.-30.01.2018

Irgendwie merken wir auch hier auf den Bahamas, dass Winter ist. So richtig stabile Witterung will sich einfach nicht einstellen. Auf zwei Tage Starkwind folgt ein Tag mit Wind aus der falschen Richtung (also für uns nicht segelbar), dann wieder 2 Tage Starkwind. Wir liegen hier in den Berry Islands hinter Great Harbor Cay zwar gut geschützt, aber eigentlich wollten wir schon viel weiter südlich sein. Der nächste Schlag zur Insel „New Providence“ ist immerhin 65 Seemeilen lang. Das ist mit unserem Schiff bei gutem Wind so gerade eben an einem Tag zu schaffen. Weil wir uns hier nirgendwo auskennen, wollen wir lieber nicht mit einer Ankunft im Dunklen planen. Wir brauchen also perfekte Bedingungen für den nächsten Schlag.

An meinem Geburtstag, am Freitag 19.01., ist es dann so weit! Wind um 20 Knoten aus NNE sind vorhergesagt. Zusammen mit der Tookish und der Poerava, die wir hier kennengelernt haben, brechen wir schon morgens um 5.30 Uhr auf. Die ersten 6 Seemeilen sind noch etwas anstrengend, weil wir um die Nordspitze der Inselkette drum herum müssen. Das ist gegen den Wind und damit ein Fall für die Motoren. Als wir aber am Ankerplatz der großen Kreuzfahrtschiffe vorbei sind, können wir Segel setzen und haben Spaß. Bis zur Mittagszeit pustet der Wind recht kräftig und wir können mit den etwas größeren Katamaranen (um 42 Fuß lang) unserer Freunde mithalten. Als der Wind dann etwas abschwächt, ziehen die beiden leider doch vorbei.

Gegen 13.30 Uhr haben wir einen Fisch an der Angel. Er muss ziemlich groß sein, denn die Bremse unserer Rolle schafft es so gerade. Als wir ihn ein paar Meter näher geholt haben, sehen wir den Fisch noch einmal hoch in die Luft springen und dann ist der Zug weg. Abgerissen! Ich glaube, es war ein Mahi-Mahi. Schade, der hätte uns gut in den Speiseplan gepasst.

In der Einfahrt zur Westbay kommt uns ein deutscher Katamaran entgegen. Es ist die Maverick XL von Johannes und Katie Erdmann. Schade! Mit den beiden hätten wir gerne mal ein bisschen geplaudert, aber sie fahren nach Norden in die andere Richtung. Um 16.20 Uhr fällt nach 66 sm der Anker. Weil ab morgen der Wind wieder SE kommen soll (also die falsche Richtung für uns), werden wir wohl auch hier wieder ein paar Tage bleiben. Macht erstmal nichts. Wir finden es ganz schön hier, auch wenn es Land nicht viel zu entdecken gibt, wie wir später feststellen.

Robin kontrolliert den Anker

Wir sehen uns den Wetterbericht dreimal täglich an. Der nächste Schlag soll uns endlich in die Inselkette der Exumas führen. Er ist aber mit 45 sm wieder recht lang und es will sich einfach kein NE-Wind einstellen. SE-Wind zwischen 15 und 20 kts ist für die nächsten Tage vorhergesagt. Da macht auch das Motoren gegenan definitiv keinen Spaß mehr. Die Poerava und die Tookish versuchen es am Samstag, sind aber schon um 11.00 Uhr wieder da. Es ist einfach zu rau.

Nach 3 Tagen verlieren wir dann die Nerven und wir ändern unseren Plan. Wenn der Wind uns nicht auf dem direkten Weg in die Exumas lassen will, fahren wir eben einen Umweg über die Insel Eleuthera, denken wir. Drei Tage Zeit haben wir noch. Dann müssen wir wieder ein gutes Versteck erreicht haben. Es wird nämlich der Durchzug einer sehr kräftigen Front mit E-Winden bis 40 Knoten erwartet. Das wird uns dann wieder für mindestens 3 bis 4 Tage festhalten.

Wir motoren also am Montag, 22.01. an der Nordseite von „New Providence“ gegen den Wind. Das macht keinen Spaß, aber bei Nassau können wir in den Kanal einfahren und haben die Stadt somit wenigstens einmal im Vorbeifahren gesehen. Viel Gutes haben wir im Vorfeld darüber nicht gehört und deswegen stand sie eigentlich nicht auf dem Reiseplan.

Nassau: eine Seite Hui!

 

Nassau: Eine Seite: Pfui!

Die Durchfahrt durch Nassau ist spannender als erwartet, denn an den Brücken gibt es keine Tafeln, welche die Durchfahrtshöhen anzeigen und die Brückenpfeiler zwischen denen man durchfahren muss, sind auch nicht besonders kenntlich gemacht. Außerdem parken die Versorgungsschiffe und Fischkutter die breitesten Durchfahrten augenscheinlich zu. Erst beim Näherkommen erkennt man die Lücke, wo es noch passt.

Die berühmt berüchtigte Gezeitenströmung im Kanal nehmen wir mit 2 Knoten wahr. Das ist aber deutlich geschmeidiger als erwartet. Nachdem wir Nassau hinter uns gelassen haben, müssen wir nur noch 5 Meilen weiter fahren und dann können wir im Süden der Insel „Rose Island“ doch sehr idyllisch hinter einem Riff ankern. Das waren heute „nur“ 25 Seemeilen unter Motor. Dafür hoffen wir, morgen mit dem SE-Wind nach Eleuthera segeln zu können. Aber daraus wird nix!

 

Am Dienstag 23.01. nehmen wir wieder früh den Anker auf. Wir wollen das Riff runden und fahren nach unseren NV-Charts. Und hier hätten sie uns zum ersten Mal fast auf das Riff geführt, denn nach NV waren wir bereits herum, als wir den Kurs nach Süden ändern. Es wird sehr schnell flacher und wir ändern schnell zurück. Der Quercheck mit den Garmin-Karten zeigt den Fehler. Das Riff ist deutlich länger als in den NV-Karten angegeben. OK! Wir sind mal wieder gewarnt.

Als wir dann raus sind, setzen wir das Großsegel und wollen Kurs anlegen. Mmh! Der versprochene SE-Wind kommt jetzt doch mehr aus Osten. Segeln nach Eleuthera ist nicht. Wir versuchen Kurs Exumas: Geht genauso wenig, nur dass der Wind jetzt von Backbord kommt. So´n Mist! Wir fahren noch ein paar Mal Schlangenlinien, weil wir es nicht wahrhaben wollen. Aber egal, welches Ziel wir anliegen: Wir müssen motoren… Grummel! Da können wir auch in die Exumas fahren. Dann brauchen wir uns anschließend nicht den Kopf darüber zerbrechen, wann wir von Eleuthera über den tiefen Exuma-Sound und dann durch die engen Durchfahrten zurück auf die Banks können. Das ist bei den häufig starken Ostwinden nämlich auch kein Spaß. Einziger Trost: Der Wind nimmt im Verlauf des Morgens sehr schnell weiter ab und ist mit 6-8 Knoten sowieso nicht mehr zum zügigen Vorankommen unter Segeln geeignet. Lange Rede-kurzer Sinn: Um 15.30 Uhr fällt nach 43 Motormeilen der Anker an der NW-Seite von Shroud-Cay.

Leider haben wir am Mittwoch, den 24.01., keine Zeit, die Mangroven-Creeks mit dem Dinghi zu erforschen. Das verschieben wir auf das nächste Mal, denn hierhin kommen wir definitiv zurück. Wir müssen weiter nach Staniel Cay, wo wir auf einen geschützten Ankerplatz für den Durchzug der Kaltfront hoffen. Auch diese 32 Seemeilen motoren wir, weil der Wind erstens zu schwach ist und zweitens von vorne kommt.

Bereits um 13.00 Uhr ankern wir direkt vor dem berühmten Schweine- Strand von Staniel Cay. Denn auch wenn es auf den Bahamas mittlerweile einige andere solcher Strände gibt: Hier sind die originalen „schwimmenden Schweine“  :-). Denen statten wir noch am Nachmittag unseren Besuch ab. Die Babies werden gerade von den Betreuern gefüttert.

Der „Schweinestrand von Staniel Cay. Alleine sind wir nicht!

Die Versorgungslage auf Staniel Cay soll hervorragend sein. Das testen Anja und ich am Donnerstag aus. Von unserem Ankerplatz bis zum Dinghi-Dock der Marina müssen wir gut 1.5 Seemeilen zurücklegen. Das geht heute noch ganz gut, aber ab heute Nachmittag, wenn der Wind zulegt, wird das bestimmt eine nasse Angelegenheit. Es gibt eine blaue Grocery, eine pinke Grocery und einen „very-well-stocked General Store“.

Die „blaue“ Grocery hat unserer Meinung nach noch das beste Angebot

Das lässt uns auf frisches Obst und Gemüse hoffen. Alles andere haben wir nämlich in den USA großzügig gebunkert, weil wir die Preise in den Bahamas noch vom letzten Jahr her kennen. Wir müssen uns wohl wieder erst daran gewöhnen, was „well-stocked“ in den Bahamas heißt. J Das Angebot in den niedlichen Läden ist sehr überschaubar und außerdem teuer. Darüber hinaus kommt das nächste Versorgungsschiff erst am Samstag. Bis dahin sind die Regale ziemlich leer. Wir kaufen 4 Pfund Möhren für 7,50 $ im General Store, ein Brot für 6,-$ und ein paar Orangen für 1,-$ pro Stück in der blauen Grocery. Den „Groß-Einkauf“ vertagen wir auf nächsten Montag nach dem Sturm.

Gray´s Highway

Freitag und Samstag unternehmen wir nicht viel. Der Wind ist stark und das Wasser ist aufgewühlt. Da macht Schlauchboot fahren keinen Spaß. Wir nutzen die Zeit für Bordschule, zum Lesen und am Abend schauen wir gemeinsam einen Film, den Robin vorschlägt.

Am Sonntag legt sich der Wind etwas und ich nutze die Zeit dafür, das Unterwasserschiff von dem Bewuchs aus dem Intracoatal-Waterway zu befreien. Als Robin und ich am Nachmittag im Wasser toben, schwimmt auf einmal ein ziemlich großer Fisch, so um die 3 Meter lang, unter unserem Schiff durch. Robin sieht ihn nicht. Ich kann nicht genau erkennen, was es ist und sehe zu, dass wir schleunigst aus dem Wasser herauskommen. Danach ist uns die Badefreude erstmal vergangen. Etwas später sehe ich seinen Schatten noch einmal: Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Ammen-Hai ist oder doch etwas anderes. Die Kopfform ist eigentlich zu spitz dafür.

Am Montag-Morgen fahren Anja und ich schon vor dem Frühstück zum Einkaufen, denn am Samstag war ja das Versorgungschiff da. Heute können wir immerhin ein Kartoffeln, Eier, Bananen und Äpfel ergattern. Ein Rucksack voll kostet rund 75,-$, aber das weiß man ja vorher, wenn man in die Bahamas fährt.

Am Montag besuchen wir mit Renée und Ryan von der Poerava gemeinsam die nahe gelegene Thunderball-Grotte. Hier wurde in den 60ern ein James-Bond-Klassiker mit Sean Connery gedreht. Wir ankern unsere Schlauchboote bei Ebbe vor dem Eingang und schnorcheln hinein. Wow! Das fühlt sich an, als schwämme man in einem Aquarium. So viele Fische und man kann sie fast anfassen. Sie haben überhaupt keine Angst vor den Menschen. Unter der Decke der Grotte hängen Fledermäuse.

Der Eingang der Thunderball-Grotte

Innen in der Grotte

Danach zeigt uns Ryan noch einen Ort in der Nähe der Marina, wo wir mindestens 20 Ammenhaie auf engstem Raume finden. Wir schwimmen zwischen den Tieren. Es ist ein leicht beklemmendes Gefühl, auch wenn wir wissen, dass die Ammen-Haie ja eigentlich nichts tun.

Am Dienstag, 30.01. braucht vor allen Dingen Anja dann einen Tapetenwechsel und wir fahren 9 Seemeilen weiter nach Great Guana Cay und ankern beim Black-Point-Settlement.

 Für Nachmittags und auch für den nächsten Tag ist dann wieder Starkwind angekündigt. Macht nix! Hier ist es auch schön…

Cruiser sind willkommen im „Black Point Settlement“
Große Mantas hängen am Dingi-Dock ab und warten auf Fischabfälle
Tradideldum! Der Kommissar geht um.
Die Klinik
Der Store
Nicht alle Bauwerke werden fertig.
Das sind mal entspannte Arbeitszeiten
Die Wäscherei macht einen sehr guten Eindruck, aber wir haben ja unsere eigene Waschmaschine
Noch ´ne Grocery

alles „nah dabei“
Der Friedhof

Die innere Bucht bei Ebbe
[ssba]

3 Kommentare

  • Annika

    2. Februar 2018 at 20:50 Antworten

    Mhm… Was ist denn bei euch los? Das ist der erste Blogeintrag nach dem ich quasi ebenfalls völlig „außer Atem bin“. Kurz: Warum hetzt ihr euch denn so? 😕 (Oder es liest sich „dramatischer“ als es tatsächlich ist…)

    Bei dem 3m Fisch habe ich kurz Schnappatmung bekommen, aber es ist ja nochmal gut gegangen!!

    Mein absolutes Highlight dieses Mal: Die Grotte!!

    • Andre Schulz

      3. Februar 2018 at 16:01 Antworten

      Hallo Annika. Die Grotte war wirklich fantastisch. Aber hetzen? Wir hatten 3 Spots in 14 Tagen! Vielleicht hört es sich so an, weil wir immer wieder vom Wetter aufgehalten werden? Aber so ist das nun mal, weil wir gegen die vorherrschende Windrichtung unterwegs sind. Wir sind dann immer hin und her gerissen zwischen a.) weiter ausharren und b.) mit Motor gegen-an. Heute wollten wir eigentlich weiter nach George-Town. Die Wind-Vorhersage ist gut gewesen. Weil Robin gestern Nachmittag seit langem mal wieder einen Freund gefunden hat, bleiben wir aber noch. (Obwohl die Windrichtung dann nicht mehr passt). Mal sehen, wann es dann weitergeht. 🙂

      • Annika

        5. Februar 2018 at 20:43 Antworten

        Na gut, ich bin überzeugt! 😉

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