Zurück am Festland – Die portugiesische Algarve vom 03.07. bis 09.07.2018

Das letzte große Seestück ist geschafft. Wir sind zurück am europäischen Festland in Portugal. Von hier aus wollen wir mit kurzen Tages-Etappen weiter, bis wir -wahrscheinlich in Almerimar/Spanien- den neuen Liegeplatz für unsere „Step By Step 2“ erreicht haben.

Am Dienstag, 03.07. schlafen wir aber erst einmal aus, bevor wir vor der wirklich großartigen Kulisse mit den Steilfelsen in der Enseada do Belixe frühstücken.

 

Die Kirche und das Fort stehen so dicht am Rand… Da sind bestimmt schon Teile heruntergefallen.

 

Der Ausblick gefällt uns so gut, dass wir früh entscheiden, einen Tag Pause zu machen. Das gibt uns auch Gelegenheit, auf die „Eleonore“ zu warten, die wahrscheinlich heute Abend hier ankommen wird. Mit zunehmendem Wind kommt etwas Schwell in die Bucht, aber den Katamaran stört das nicht.

Ich arbeite mal wieder mit dem Nähzeug am Segel-Cover und Anja räumt innen im Schiff auf. Am Nachmittag lassen wir das Dinghi zu Wasser und erkunden die Umgebung. Einen Strand gibt es auch, aber an die dunkelgrüne Wasserfarbe müssen wir uns erst noch gewöhnen. Wir sind immer noch von dem türkisfarbenen Wasser der Bahamas verwöhnt. Deswegen verzichten wir auf ein Bad. Außerdem ist der Wind recht frisch und kalt und das Atlantikwasser bestimmt auch.

Tagsüber können wir den Fischern bei der Arbeit zusehen, wie sie Ihr Thunfisch-Netz mitten in die Einfahrt der Bucht legen. Dafür waren auch die unbeleuchteten Bojen, die wir gestern Nacht knapp verpasst haben. Glücklicherweise war das Netz offensichtlich noch nicht gespannt. Diese Thunfisch-Netze können nämlich im Gegensatz zu den „normalen“ Fangnetzen nicht überfahren werden. Man sagt, die Leinen sollen stark genug sein, um die Schraube eines Frachters zu stoppen.

Gegen 20 Uhr läuft dann die „Eleonore“ ein und ankert rund 50 Meter hinter uns.

Immer wieder treue Begleiterin in den letzten beiden Jahren Die „Eleonore“ hinter uns.

 

Am Mittwoch-Morgen, 04.07. geht es weiter nach Lagos. Dort wollen wir uns beim Zoll anmelden, weil wir zurück am Festland sind. So will es unser Törn-Ratgeber.

Mit einem 50-50-Mix aus Segeln und Motoren erreichen wir nach 20 nm gegen 14.00 Uhr Lagos. Die Einfahrt zur Marina besteht aus einem langen und ziemlich engen Kanal mit SEHR VIEL Freizeit-Schiffs-Verkehr. Jede Menge kleinere Ausflugsboote fahren in beiden Richtungen und lassen uns für unseren überbreiten Katamaran nur wenig Platz zum Manövrieren. Manchmal fahren sie mit Abständen von weniger als 1 Meter vorbei. Endlich sind wir am Empfangs-Steg und machen die Leinen fest. Der Kanal erscheint uns so schmal, dass wir deswegen in Erwägung ziehen, durch die Klappbrücke hindurch in die Marina zu fahren. Das würde und das Wenden auf diesem engen Raum ersparen. Aber jetzt gehen wir erst mal einchecken.

Der Marina-Chef empfängt uns freundlich und klärt auf, dass der Zoll die Büros im Gebäude schon vor einigen Jahren aufgegeben hat. Ein offizielles Einklarieren für EU-registrierte Boote, die von den Azoren kommen sei nicht erforderlich. Einen Platz in der Marina bietet er gerne an, allerdings sollen wir für den Kat 100% Aufschlag bezahlen, also knapp 100,-€ pro Nacht. Das ist uns zu teuer! Da nehmen wir lieber das Wenden im Kanal in Kauf.

Das Manöver klappt gut bis darauf, dass sich eine Achterleine wieder geheimnisvoll zurück auf die Stegklampe gelegt hat (Anja schwört, dass sie gelöst gewesen ist :-)). Vielleicht war die belegte Leine aber gar nicht so schlecht. Sie hat unsere Drehung unterstützt, ohne dass wir Fahrt aufgenommen haben.

Mit dem Vorsegel fahren wir zum benachbarten Alvor. Die Einfahrt in den Rio Alvor ist etwas verschlängelt, aber hier soll man gut ankern können. Es ist gerade Halbzeit bei auflaufendem Wasser. Bei diesem Wasserstand kann man die Sandbänke gut sehen. Wir ankern dicht am Feld mit den Mooringbojen und sehen erst am späten Abend, dass unser Nachbar nicht ankert, sondern an einer Mooring-Leine hängt. Somit haben wir bei Ebb-Strom die Sandbank hinter uns und rechts von uns den Nachbarn. Aber der Anker hält und die Abstände reichen uns.

Alvor hat einen sehr ordentlichen Dingi-Steg. Dort machen wir am nächsten Tag, Donnerstag, 05.07. fest und erkunden den Ort. Zunächst gehen wir am Hafen entlang.

Der Fischer füttert die Möwen mit seinen Abfällen

 

Als es nicht mehr weitergeht, biegen wir in Richtung Supermarkt ins Landes-Innere ab und sehen Baustellen über Baustellen. Was ist das denn? Der Ort soll nett sein, haben doch alle gesagt. Nach dem Einkaufen wählen wir einen anderen Rückweg und kommen durch den Ortskern mit vielen kleinen Bars und Restaurants. Aha! Das sieht schon viel besser aus! Hier könnte man es länger aushalten.

Leider haben wir keine Zeit, denn gestern Abend haben wir festgestellt, dass wir etwas mehr Gas geben müssen. Wir können nicht mehr 2 oder gar 3 Tage an jedem Ort bleiben. Anja und Robin fliegen am 31.07. von Malaga nach Hause. In Cadiz und Gibraltar sind noch einmal Mehr-Tages-Aufenthalte geplant, aber Alvos müssen wir morgen verlassen. Das heißt dann leider auch Abschied nehmen von den Ellis, die noch auf bestellte Ersatzteile warten müssen. Den Abschied feiern wir am Abend im Dorf gebührend.

Ilha Culatra heißt also das nächste Ziel am Freitag, 06.07. Das sind rund 40 sm, die wir wieder im gesunden Motor- und Segelmix zurücklegen. Gegen Mittag sind wir aber erst einmal an der Praia de Marinha. Hier gibt es jede Menge Höhlen und Öffnungen in den Steilküsten, die man auch gut mit dem Dinghi erkunden könnte. Wenn man denn hier vernünftig ankern könnte. Es ist ziemlich voll. Es verkehren hunderte von Ausflugsbooten. Niemand ankert! Wer sein Beiboot wassert, hinterlässt eine Wache auch dem Mutterschiff, welches treibend oder langsam mit Maschine fahrend wartet. Das wird wohl einen Grund haben! Wir versuchen es trotzdem an einer Stelle mit 12 Metern Wassertiefe, aber der Anker rutscht einfach über die Felsen. Dicht vor dem Badestrand im Sand mögen wir aber auch nicht ankern und das Schiff alleine lassen. Also begnügen wir uns damit, mit der „Step By Step“ dicht an den Hotspots vorbeizufahren und den Anblick so zu genießen. Auch schön und geht schneller.

 

Die Einfahrt zur Praca Larga bei Ilha Culatra sieht auf der Seekarte viel enger und flacher aus, als sie wirklich ist. Als wir die Lagune erreichen, können wir uns vor lauter Platz gar nicht entscheiden, wo der Anker denn fallen soll. Wir entscheiden uns für eine Stelle gegenüber der Einfahrt zur Marina, in der auch der Dinghi-Steg sein soll. Später erkennen wir, dass wir uns genau in eine Trasse gelegt haben, wo der Verkehr zwischen Faro und der Marina Ilha Culatra durchgeht. Und gegen Abend herrscht viel Verkehr. Selten haben wir Motorboote und Wassertaxis so rücksichtslos durch ein Ankerfeld preschen sehen. Als wir gerade ernsthaft über einen Standort-Wechsel nachdenken, lässt der Verkehr aber nach und bei uns siegt die Faulheit. Der Anker liegt doch gerade so schön.

Am Samstag, 07.07. erkunden wir die Insel, die eigentlich nur ein Sandhaufen ist. Es gibt keine Straßen und keine Autos. Der Gang durch den kleinen Ort mit den Bars und Restaurant erinnert ein wenig an eine Phantasialand-Kulisse der Western-Stadt. Zum Atlantikstrand gelangen wir über einen langen Holzsteg, der quer über die Insel führt. Damit verhindern die Einheimischen wirkungsvoll, dass die Touris quer über die Dünen-Landschaft laufen und alles kaputt trampeln. Schön ist es hier!

 

 

Geduld Robin! Bald ist wieder „richtige“ Schule!!! 🙂

Der Weg zum Strand

Der Atlantikstrand

Als wir auf dem Rückweg noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen wollen, wird der Laden gerade vor unserer Nase abgesperrt. Da haben wir aber Pech gehabt. Zurück auf der Step By Step werden wir von den vorbei zischenden Wassertaxis noch einmal daran erinnert, dass wir gestern besser noch verlegt hätten. Allerdings ist heute überall so viel Verkehr, dass wir Zweifel haben, ob es in der Lagune jetzt irgendwo anders besser ist. Also bleibt der Anker wieder einmal, wo er ist und wir halten es bis zur Dämmerung tapfer aus. Morgen früh geht es ja weiter.

Unsere letzte Station in Portugal soll der Rio Guadiana sein. Das ist der Grenzfluss zu Spanien. Eigentlich habe ich gar keine Lust auf Flussfahrten, denn ich bin immer noch vom Intra-Coastal-Waterway in den USA gesättigt. Außerdem versperrt nach rund 4 Meilen eine feste Brücke mit 18 Metern Durchfahrtshöhe den Weg. Die Masthöhe der Step By Step 2 haben wir auch mit 18 Metern errechnet. Gut, da sind ein paar Zentimeter Sicherheit drin und die UKW-Antenne ganz oben kann sich auch ein bisschen wegbiegen. Trotzdem behagt mir die Tour nicht, aber Anja will da unbedingt hin und Freunde von uns, sind mit einer größeren Lagoon 410 auch schon da durch. Also lasse ich mich breitschlagen.

Auch am Sonntag, 08.07. kommt erst gegen Mittag Wind auf. Dieses Mal genau von hinten mit 12 Knoten. Welches Segel nehmen wir da? Genau! Den Spinnaker! Bis zur Flussmündung können wir segeln. Dann geht es gegen 2 Knoten Ebbstrom gaaanz laaangsam mit dem Motor Fluss aufwärts. Der Skipper grummelt, denn wir brauchen 1,5 Stunden, bis wir endlich an der Brücke sind.

Es ist nahezu Niedrigwasser, trotzdem Gas weg! Ganz langsam tasten wir uns heran. Passt! Okay, wir haben nicht wirklich damit gerechnet, hängen zu bleiben, aber etwas Rest-Anspannung bleibt immer. Wir fahren noch ungefähr 1,5 Meilen weiter bis hinter die nächste Biegung und werfen an einem breiteren Abschnitt den Anker. Ungefähr 500 Meter weiter liegt nur noch ein anderes Schiff. Am Ufer grasen die Kühe und JA… Ich muß ja zugegeben. Es ist schön hier! Anja hat wieder einmal Recht gehabt und wollte diesen Abschnitt nicht auslassen.

Kurz vorm Dunkelwerden kommt noch ein Fischer und wirft sein Netz 5 Meter hinter unser Schiff. Wir haben gelesen, dass es hier schon zu Auseinandersetzungen gekommen ist, wenn Ankerlieger in die Netze getrieben sind, welche die Fischer um sie drum herum gelegt haben. Aber dieses Netz treibt noch ein wenig mit der Strömung weg und ist hinterher gut 20 Meter entfernt. Null Problemo! Die Nacht ist ruhig und windstill.

Eigentlich wollten wir am Montag, 09.07. hierbleiben und nur mit dem Abend-Niedrigwasser unter der Brücke durchfahren. Anschließend wollten wir dann vor der Stadt Ayamonte ankern, die unmittelbar dahinter ist. Es ist in den letzten Tagen jedoch ziemlich heiß gewesen und schwimmen können wir hier nicht. Deswegen verliere ich um 9.00 Uhr morgens die Nerven und will weg, bevor das Wasser zu hoch steigt und wir hinter der Brücke womöglich gefangen sind. Anja muss auf den Kaffee im Bett verzichten. Wir gehen Anker auf und wollen irgendwo vor einem Strand ankern.

Enorm viele riesige Quallen lassen sich von der Strömung fluss-aufwärts treiben. Einer der Gründe, warum wir hier nicht schwimmen mögen

 

Wieder geht es gegen den Strom, aber mir kommt es viel schneller vor als der Weg flussaufwärts. Nach der Ausfahrt biegen wir links ab und sind schon in Spanien.

[ssba]

11 Kommentare

  • Lothar Michel

    30. Juli 2018 at 11:32 Antworten

    Hallo ihr Lieben, willkommen zurück! 🙂

    Wenn ihr nach Almerimar geht, sagt Alexandra (Alex) in der Wäscherei im Darsena 1 einen ganz lieben Gruß von uns. Ihr Lebensgefährte Udo (+34638476796) kennt in Almerimar jeden und kann euch bei allem helfen, inkl. Verkauf und Bootsbetreuung wenn ihr nicht da seid. Beide betreiben den TransOcean Stützpunkt dort, da seid ihr gut aufgehoben! 🙂
    Viele Grüße aus Griechenland und nehmt euch unbedingt noch Zeit für Gibraltar, es lohnt sich.

    Lothar & Natalia
    SY Cataluna

    • Andre Schulz

      30. Juli 2018 at 15:43 Antworten

      Hallo Lothar.
      Vielen Dank für die Tipps!
      Stimmt! Gibraltar ist toll. Wie toll wir es finden, wird im nächsten Blogg-Eintrag klar!
      LG Anja, Andre und Robin

  • Nicki

    30. Juli 2018 at 12:21 Antworten

    … verwöhnt ‼️ … erstmal an dunkelblaues Wasser gewöhnen… ey 😂… soooo schööööön!
    Diese Riesenqualle 😳

    Ich freu‘ mich auf euch!!!
    Dicken Drücker…

    • Andre Schulz

      30. Juli 2018 at 15:44 Antworten

      Hallo Nicki,
      ja, wir wissen ja, dass wir verwöhnt sind…
      Aber trotzdem war es uns zu grün. 🙂
      LG
      Anja, Andre und Robin

    • Annika

      30. Juli 2018 at 18:17 Antworten

      Ich stimme Nicki in allen Punkten zu 😎🤗

  • Eric

    30. Juli 2018 at 16:51 Antworten

    Moin!
    In diesem Moment sitzen wir im Bruno’s im Hafen von Gibraltar.
    Genaugenommen haben wir den gleichen Weg vor uns, wie Ihr ihn auch eingeschlagen habt: über Benalmadena und Motril zurück in unseren Heimathafen Almerimar.
    Neben Alex und Udo, die oben schon erwähnt wurden, können wir in Almerimar auch noch das Stumble Inn empfehlen, in dem Brita ihre Gäste mit typischen Pub-Spezialitäten (und nebenbei: tollem WIFI) verwöhnt.
    Wir kommen am 03.08. an und bleiben bis 07.08. Dann geht’s Richtung Heimat, wo die Daheimgebliebenen wohl ziemlich in der Hitze rösten.
    Mal sehen, wie lange wir das aushalten, bis uns wieder das Fernweh packt.
    Vielleicht sehen wir uns ja mal in Almerimar!?
    Herzliche Grüße von den Glüxpiraten Babsi und Eric und dem Rest der Freibeuter-Crew!

    • Andre Schulz

      1. August 2018 at 10:29 Antworten

      Hallo Glüxpiraten,
      schön, von Euch zu hören.
      Wir haben zwischenzeitlich entschieden, dass die Step By Step 2 in La Linea bei Gibraltar bleibt. Hier gefällt es uns einfach zu gut! Wie lange bleibt Ihr in Gibraltar?
      LG
      Anja, Andre und Robin

  • Susanne Freund

    30. Juli 2018 at 20:52 Antworten

    Hallo Ihr Drei,
    Nehmt Euch auch viel Zeit für Cádiz, diese kleine Stadt hat unheimlich viele schöne Ecken 😉,tolle Cafés und etwas Shopping geht auch.
    Und ja -auch von uns ein herzliches „welcome back“.Man mag es ja nicht wirklich glauben, dass Ihr wieder richtig sesshaft werden wollt……
    Liebe Grüße aus Wuppertal und noch eine gute Zeit für Euch!
    Susanne

    • Andre Schulz

      1. August 2018 at 10:27 Antworten

      Hallo Susanne,
      machen wir!
      LG
      Anja, Andre und Robin

  • Mike

    31. Juli 2018 at 14:50 Antworten

    Hallo Skipper, sind Captain und Crew wieder heil im Heimathafen (Kamen??) angekommen und alle wohlauf?
    Ich finde es jedenfalls toll, daß wir an Eurem Abenteuer teilhaben durften. Ich habe Eure Berichte aufgesogen. Schreib doch Mal, was Ihr jetzt und in nächster Zukunft wo macht. Viele Grüße aus Hackenberg in RS-Lennep
    Mike

    • Andre Schulz

      1. August 2018 at 10:26 Antworten

      Hallo Mike, Anja und Robin sind gestern nach Hause geflogen. Ich bleibe noch ein paar Wochen und habe ein paar Kleinigkeiten zu tun. Bis bald! LG Andre

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