Zurück in Europa – Flores (Azoren) 29.05.-03.06.2018

Der Hafenmeister in Flores ist sehr freundlich und hilfsbereit, das Einklarieren verläuft völlig unkompliziert. Er diskutiert noch das Wetter und die besten Abfahrtmöglichkeiten der nächsten Tage mit mir und fast bekomme ich den Eindruck, dass er jedes Schiff schnellstmöglich wieder aus dem Hafen heraus haben will, damit für die nächsten Platz ist. Und so ist es auch, denn diese Erfahrung machen alle Neuankömmlinge, mit denen wir sprechen.

Auf dem Foto ist der Hafen noch relativ leer. Er wird sich noch kräftig füllen. Außerdem ist der gesamte vordere Bereich im Bild für größere Yachten kaum zu erreichen und für Katamarane schon gar nicht

Den Zoll brauchen wir nicht zu suchen, denn er kommt täglich an den Steg und besucht die neu eingetroffenen Yachten. Etwas ungewohnt ist, dass der Hafenmeister alles vom Schreibtisch aus regelt und in keiner Weise Einfluss auf die Vergabe der Liegeplätze nimmt. Wer in den engen Hafen kommt und irgendwo einen Platz findet, macht dort fest und gut ist. Wir liegen mehr oder weniger in der Einfahrt, aber es ist noch genügend Platz für die Ein- und Ausfahrt der anderen Schiffe. Leider wurde unser Steg bei einem Sturm im letzten März stark in Mitleidenschaft gezogen und deshalb haben wir weder Strom noch Wasser zur Verfügung. Strom ist uns fast egal, weil wir autark sind, aber den Wassermacher mögen wir hier im Hafen nicht laufen lassen. Hin- und wieder schwimmt ein Ölfilm über das Wasser, der vermutlich von den Motoren der Fischerboote stammt. Unsere Wassertanks dürften nach 2 Wochen Atlantik-Überquerung aber auch bald leer sein. Mal sehen, wie wir das lösen.

Nachdem wir am Mittwoch erst einmal richtig ausgeschlafen haben, gehen wir in Lajes auf Erkundungstour. Puuh! Ist das steil hier. Die Fahrräder brauchen wir gar nicht auszupacken. Aber was wir sehen, gefällt uns gut. So viel Grün hatten wir lange nicht. 3 Supermärkte soll es im Ort geben. Die interessieren uns besonders. Direkt im ersten fühlen wir uns wie im Schlaraffenland. Die Preise sind erfreulich günstig und es gibt wieder so schmackhafte Dinge wie Spinat, Fischstäbchen oder gar Milka-Schokolade. So lässt es sich aushalten.

Täglich kommt auch der hiesige Trans-Ocean-Stützpunktleiter Christian vorbei. Und jedes Mal bringt er uns was Nettes aus seinem Garten mit: Rosmarin, frische Minze, Petersilie etc. Jederzeit steht er mit Rat und Tat zur Seite und ist immer für ein Schwätzchen zu haben. Das ist echt ein toller Service.

Am Donnerstag wollen wir eigentlich mit Peter von „Once Around“ ein Auto mieten, aber irgendwie klappt das nicht. Macht nichts, denn der Tag geht auch so gut herum. Peter muss einige Male in seinen Mast hinauf, um ein neues Fall einzuziehen. Dabei helfe ich ihm natürlich gerne mit der Leinen-Sicherung. Danach kümmern wir uns um unseren Wasserbedarf. Von der französischen Yacht vor uns leihen wir uns zwei 20l-Wasserkanister, Peter hat auch noch einen mit 15l und wir haben 2 leere 5l-Behälter. Wir machen das Dinghi fertig und ich rudere mit den Behältern auf die andere Seite des Hafens zur Füllung. Dann wieder zurück zur „Step By Step“ und Anja und ich füllen das kostbare Nass in die Tanks. Das machen wir am Donnerstag-Abend drei Mal und am Freitag-Morgen erneut. Dann sind die Tanks wieder voll. Wir haben relativ wenig verbraucht, aber leider können wir uns im Moment nicht auf die Füllstands-Anzeigen verlassen. Aber da kümmern wir uns auf dem Festland drum. Abends lädt uns Peter in das kleine, deutsch geführte Restaurant „Casa do Rei“ ein. Der Weg dorthin führt uns ca. 1,5 km ziemlich steil den Berg hinauf. Aber es lohnt sich. Was für eine erfreuliche Abwechslung! Schweinebraten, Rinder-Rouladen und Cordon Bleu stehen auf der Karte. Alles zu Preisen um 14,-€ und wirklich lecker. Und es werden nur lokale Produkte verwendet. Der Rückweg bergrunter fällt uns deutlich leichter 😉

Die „Once Around“ fährt am Freitag-Mittag schon weiter Richtung Horta auf Faial. Termine-Termine! Uns kommt der Wind zu vorlich aus ESE. Das können wir nicht segeln, also bleiben wir noch. Am Sonntag soll die Windrichtung günstiger sein. Außerdem ist die „Eleonore“ heute in Lajes angekommen und weil die „Once Around“ nun weg ist, können sie sofort den Hafenplatz einnehmen.

Am Samstag klappt es dann problemlos mit den Mietwagen und wir erkunden die kleine Insel. Gemeinsam mit den „Ellis“ geht es zunächst nach Santa Cruz, den Hauptort der Insel.

viele tote Portugiesische Galeeren im Hafen

Danach geht es weiter in den Norden der Insel nach Ponta Delgada zum Leuchtturm. Eine tolle Landschaft mit sagenhaften Ausblicken. Von hier aus kann man auch die Nachbarinsel Corvo sehen, die jedoch fast komplett in Wolken gehüllt ist.

Corvo in den Wolken

 

Vom Leuchtturm „Farol de Albernaz“ geht es über eine Buckelpiste weiter zum höchsten Punkt der Insel, dem 914 m hohen Gipfel des Morro Alto. Hier ist schon ganz schön kühl und extrem windig, aber die Aussicht entschädigt.

Von dort geht es weiter in den Westen der Insel nach Fajazinha und Faja Grande.

Die örtliche Badezone – anders als auf den Bahamas

Füße abkühlen im Ribeira Grande

Der Weg zurück zum Hafen führt uns noch an dem imposanten Felsmassiv „Rocha dos Bordoes“ vorbei.

Den Tag runden wir mit einem weiteren Besuch im Restaurant „Casa do Rei“ ab. Zum Glück müssen wir heute nicht wieder den Weg zu Fuß gehen.

Sonntag vormittag kommt Christian erneut vorbei und lädt uns zu einem Mittagessen im Gemeindehaus ein, welches nach der kirchlichen Heilig-Geist-Prozession für alle Gemeindemitglieder und Gäste stattfindet. Leider regnet es den gesamten Vormittag und wir können uns nicht aufraffen, das Schiff rechtzeitig zu verlassen. Der doch recht ergiebige Regen spült so einiges aus den Bergen ins Wasser und das sonst ziemlich klare Wasser färbt sich schlammig-braun.

Die Windrichtung am Sonntag/Montag ist günstig für eine Weiterreise nach Faial, allerdings ist die Welle mit knapp 3 Metern noch relativ hoch. Am Dienstag ist relativ heftiger Wind vorhergesagt und wenn wir bis Mittwoch warten ist der Wind weg und kommt auch auf absehbare Zeit nicht zurück. Wir müssen also am Sonntag los. Wir entscheiden uns für eine späte Abfahrt so gegen 20.00 Uhr, damit die Welle ein wenig abbauen kann. Bis Horta auf Faial sind es rund 130 sm. Da ist sowieso eine Nachtfahrt fällig.

[ssba]

2 Kommentare

  • Annika

    11. Juni 2018 at 20:35 Antworten

    Huch?! Eure Bilder nehmen wieder „normale“ Farben an: Sattes Grün, Grau, Braun, Blau – Jep! Ihr seid wieder in der Nähe der Heimat. Schade, dabei mochte ich das Türkis, Grün, und Weiß… 🤪

    Du hast übrigens mein vollstes Mitgefühl: Wasserkanister füllen, ins Dinghi hieven, dann auf den Kat zurück, um dann das ganze Spiel noch x-mal zu wiederholen… Und das alles für frisches Wasser! Hättet ihr mal was gesagt, für mich ist es nur ein Dreh am Hahn 🤣

    • Andre Schulz

      12. Juni 2018 at 10:28 Antworten

      Hallo Annika, Du hast Recht: Das Grün ist zwar schön, aber das Türkis werden wir vermissen. Vielleicht kannst Du mir den Trick mit dem „Dreh am Hahn“ im August mal vor Ort zeigen? LG Papa

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