Zwischenstop auf Bermuda – leider nur ein Kurzbesuch 11.05.-16.05.2018

Nach unserer frühmorgendlichen Ankunft auf Bermuda schlafen wir uns erstmal aus. Den Rest des Tages vertrödeln wir an Bord (aufräumen, putzen etc.). Zu unserem Glück gibt es ein paar ausgiebige Regenschauer, die unser Boot von der beträchtlichen Salzkruste befreien. Den Erkundungsgang des Ortes verschieben wir auf den nächsten Tag.

Am Samstag vormittag versorgen wir uns bei Britta und Jens von der „Lili“ mit den notwendigen Basisinformationen (Bank, Supermarkt, Waschsalon, Internet etc.). Danach geht es an Land. Wir erkunden den kleinen Ort Saint George’s und was wir sehen, gefällt uns sehr gut. Alles wirkt sehr sauber und aufgeräumt. Sehr britisch.

Saint George’s ist eine kleine Stadt im britischen Überseegebiet Bermuda, wurde 1612 als erste dauerhafte Siedlung gegründet und ist heute die älteste durchgehend bewohnte englische Siedlung in Amerika. Seit 2000 gehört die Stadt zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Viele der historischen Gebäude konnten erhalten bleiben und auf dem Kings’s Square findet man neben dem Rathaus noch rekonstruierte Artefakte aus vergangenen Zeiten wie z.B. einen Pranger und einen Tauchstuhl. Letzterer wurde verwendet, um schwatzhafte Weiber in das Hafenbecken zu tauchen. Wir hatten Glück und konnten dieser Vorführung, die regelmäßig für die Touristen stattfindet, direkt folgen.

Die Touristeninformation, die ebenfalls mitten in der Stadt am King’s Square liegt, bietet kostenloses Wifi an und damit findet man hier ganztägig immer wieder Segler und andere Touristen mit Laptop, Tablet oder Smartphone wie Hühner auf der Stange an der Mauer und auf den Bänken sitzen. Das dies Robin’s Lieblingsplatz für die nächsten Tage ist, muss ich wohl nicht weiter erwähnen 😉

Der Ort bietet neben einem relativ großen Waschsalon auch einen gut sortierten Supermarkt und viele gemütliche Restaurants und Bars. Abends besuchen wir zusammen mit den Crews der Eleonore, Once Around und Minnie B das Restaurant „The Wharf“ direkt am Wasser und lassen bei Bier und Wein die letzte Passage Revue passieren, diskutieren das Wetter für die kommende große Passage zu den Azoren und eventuelle Aktivitäten für die nächsten Tage. Die Preise auf Bermuda sind hoch, aber nach 4 Monaten Bahamas kann uns das auch nicht mehr so richtig schockieren. Das Preisniveau ist in etwa das Gleiche und essen und trinken muss man ja schließlich.

Der Ankerplatz ist gut gefüllt und es kommen täglich neue Boote, Auch die Flotte der ARC-Europe trifft sich hier.

Am Sonntag ziehen wir mit unseren Taschen voller Wäsche zum Waschsalon. Offensichtlich haben wir einen günstigen Zeitpunkt gewählt, denn wir finden noch 4 freie Maschinen und können unsere gesamte Wäsche auf einmal waschen. Kurze Zeit später wird es richtig voll und da einige der rund 20 Maschinen nicht funktionieren, muss man jetzt auch warten. Nach ca. 2 Stunden können wir den Waschsalon mit sauberer und trockener Wäsche wieder verlassen. Das Ganze hat uns zwar 30 $ gekostet, aber dafür ist auch alles fertig.

Am Nachmittag herrscht plötzlich Wasser-Knappheit bei uns an Bord. Die Anzeige beider Tanks gaukelt uns noch halb-voll vor, als die Wasserpumpe an Bord plötzlich trocken läuft. Zögernd öffnen wir nun die Inspektions-Luken der Wassertanks. Und siehe da: Beide völlig trocken. Die gute Nachricht? Dabei konnten wir einen Blick in das Innere der Wassertanks werfen und sie sehen aus wie neu. Die schlechte Nachricht? Obwohl das Wasser hier am Ankerplatz gar nicht schlecht aussieht, mögen wir es nicht trinken, nachdem der Wassermacher es entsalzt hat. Einfach zu viele Schiffe hier, die irgendwann Ihre vollen Abwassertanks öffnen müssen. Also nutzen wir das Wassermacher-Wasser zum Spülen und Duschen und Trinkwasser nehmen wir vom Supermarkt.

Der Blick wandert immer wieder auf die Wetterdaten. So richtig entspannen können wir nicht. Die Strecke von den Bermudas zu den Azoren über den Nordatlantik gilt als deutlich anspruchsvoller als die Route nach Westen und es gibt kaum jemanden, der die Passage ohne mindestens einen Sturm schafft. Wir sind also etwas angespannt und auch wenn die Wettervorhersagen inzwischen doch sehr zuverlässig sind, eine Langzeitvorhersage für 14 Tage ist immer noch nicht möglich und es bleiben immer einige Unsicherheiten.

Da wir jedoch auch noch ein bisschen was von der Insel sehen möchten, kaufen wir uns am Montag Morgen einen Tagespass für ca. 20 $ pro Person, mit dem wir die öffentlichen Transportmittel der Insel einschließlich Fähre unbegrenzt nutzen können.

Wir fahren zusammen mit der Crew der Eleonore und Peter von der Once Around zunächst mit der Fähre von St. George’s in den Nordwesten zum Royal Naval Dockyard, einer etwa 200 Jahre alten Basis der Britisch Royal Navy. Für fast 150 Jahre war dies eine strategisch wichtige Basis der Engländer. In den 80-er Jahren wurden mehr als 60 Millionen US-Dollar investiert, um dieses alte Fort in eine der größten Touristen-Attraktionen von Bermuda zu verwandeln. Hier laufen die großen Kreuzfahrtschiffe ein und tausende von Touristen haben die Möglichkeit, sich hier in der Mall mit Souvenirs, Schmuck etc. einzudecken, Inselausflüge zu unternehmen, Golf zu spielen oder natürlich eines der zahlreichen Restaurants zu besuchen.

Hier auf Bermuda fand übrigens in 2017 der America’s Cup statt, die älteste noch ausgetragene Segelregatta, die zum ersten Mal 1851 rund um die britische Insel Isle of Wight stattfand.

Das jedoch nur nebenbei. Wir wandern ein bisschen durch das historische Dockyard und fahren anschließend mit dem Bus zum Warwick Long Bay Beach. Wir finden einen wunderschönen, einsamen Strand mit traumhaftem Wasser vor und sind begeistert. Hier machen wir gerne eine ausgiebige Pause.

Ohne Worte!

Leider müssen wir anschließend ziemlich lange auf den nächsten Bus warten, mit dem wir weiter in die Inselhauptstadt Hamilton fahren. Nachdem wir uns in einem kleinen Park zwischen Fährterminal und dem Royal Bermuda Yacht Club ein bisschen ausgeruht haben, besuchen wir das bekannte Spirituosen-Geschäft „Goslings“, die für ihren Black Seal Bermuda Rum bekannt sind. Das Familienunternehmen ist schon seit über zwei Jahrhunderten hier auf Bermuda ansässig und natürlich kaufen auch wir diesen bekannten Bermuda-Rum, den wir zudem auch noch zollfrei zum Hafen geliefert und beim Ausklarieren ausgehändigt bekommen.

Den Rest des Nachmittags verbringen wir noch mit ein bisschen Sightseeing, Kaffee trinken und gemütlich durch die Straßen schlendern. Wir bewundern die Mode der männlichen Bermuda- Einwohner, die natürlich klassisch aus Bermuda-Shorts (in meist peppigen Farben wie pink, hellblau etc.), schwarzen Kniestrümpfen und Schuhen, Hemd, Sakko und Krawatte besteht. Selbst die Verkäufer in den Geschäften sind in dieser Form gekleidet.

Am späten Nachmittag nehmen wir den Bus zurück nach St. George’s. Ein wirklicher schöner Tag auf einer tollen Insel.

Und immer wieder der Blick auf das Wetter. Für Mittwoch scheint sich ein geeignetes Wetterfenster aufzutun.

Den Dienstag verbringen wir mit letzten Vorbereitungen. Wir nutzen noch einmal ausgiebig das Wifi der Touristeninformation und decken uns mit frischen Lebensmitteln für die Überfahrt ein. Glücklicherweise hat der Supermarkt im Ort gerade neue Waren bekommen, so dass Obst, Gemüse, Fleisch und Milchprodukte ausreichend vorhanden sind. Wir freuen uns, dass wir nicht mehr mit dem Bus zum nächsten größeren Supermarkt fahren müssen. Und so werden wir auch noch die letzten US-Dollar los. Beim nächsten Landfall auf den Azoren sind wir wieder im Euro-Land.

Schon nach 5 Tagen geht es weiter! Bermuda wäre sicherlich auch einen längeren Stopp Wert, aber uns fehlt die nötige Ruhe dazu. Die jetzt anstehende Etappe zu den Azoren ist mit rund 1680 sm (direkt gemessen) sicherlich der längste und anspruchsvollste Teil der Rückreise. Wir freuen uns darauf, aber wir freuen uns auch darauf, das hinter uns zu haben. Viel Schlechtes haben wir darüber gehört und gelesen. Von plötzlichen Stürmen und mehr als 5 Meter hohen Wellen ist immer wieder die Rede. Aber wir haben auch Menschen getroffen, denen der Rückweg nach Osten besser gefallen hat, als der Hinweg in die Karibik. Während die renommierte Segler-Literatur empfiehlt, schnell hoch zum 40. Breitengrad zu fahren und dann nach Osten zu gehen, lautet die Empfehlung derer: „Bleibt südlich des 36ten Breitengrades und fahrt erst ganz zum Schluss nach Norden!“. Und genau so haben wir das auch vor. Mal sehen, wie es wirklich kommt.

Diese Ungewissheit, was wir wohl zu erwarten haben, sorgt dafür, dass wir schon am Mittwoch, den 16.05. wieder auf See sind. Wir erwarten für die ersten Tage mehr oder weniger Flaute, weil das Azoren-Hoch, welches sich alljährlich zwischen Bermuda und den Azoren bildet, gerade sehr stabil ausgeprägt ist. Wir verlegen uns noch schnell an die Tankstelle, um unsere Wassertanks zu füllen und um 10.35 Uhr Ortszeit geht es los. Zusammen mit der Eleonore und den Schiffen, die an der ARC Europe teilnehmen, verlassen wir St.George´s auf Bermuda. Auf über den großen Teich!!

 

 

[ssba]

8 Kommentare

  • Annika

    1. Juni 2018 at 20:12 Antworten

    Schadeeee… Ich hätte gerne Papa und Robin im typischen Bermuda-Look gesehen. 😉
    Die restlichen Bilder entschädigen aber auch das.

    • Andre Schulz

      3. Juni 2018 at 10:46 Antworten

      Annika, wenn wir geahnt hätten, wie sehr Du Dir das wünscht, wären wir in einen Shop gegangen und hätten anprobiert. Aber vermutlich hätte ich dann auch gekauft…. LG Papa

  • Joachim Krotz

    2. Juni 2018 at 5:09 Antworten

    Ihr macht ja grosse Fortschritte. Seit der Rueckkehr von den Exumas liegt mein Cat am Dock und duempelt for sich hin. Ich muss die Hull mit antifouling paint streichen lassen. Wie ist denn dein Copper coat? Mein shop raet ab. Liebe Gruesse auch von Eduardo an Robin.

    • Andre Schulz

      2. Juni 2018 at 9:59 Antworten

      Moin Joachim. Schön,von Euch zu hören. Unser Coppercoat hat in der Karibik und zwischen den Bahamas genauso gut oder schlecht funktioniert wie alle anderen Antifoulings auch. Wir hatten vor allem in den Abacos viel Bewuchs. Wichtigste Vorteile: Wir mussten nicht kranen, um das Unterwasserschiff jährlich zu malen. Beim Abkratzen des Bewuchses mit dem Schnorchel produzierst Du keine giftige Wolke aus Biozid, in der Du dann auch noch herumschwimmst. Wichtigste Nachteile: Aufwendige Vorbereitung und teuer. Alle Altanstriche müssen komplett runter.
      Lohnt sich meiner Meinung nach für Deinen Kat nicht, weil Du Dein Schiff sowieso jährlich aus dem Wasser holst. Aber dann wärst Du natürlich für ein paar Jahre fertig damit. LG von uns allen auch an Deine Lieben. Andre

  • Babsi

    2. Juni 2018 at 13:20 Antworten

    Wir freuen uns auf euch! Werde allerdings die Reiseberichte mit den wunderschönen Fotos und der dazugehörigen Zeit zum Träumen vermissen! Ich konnte nur davon träumen, ihr habt es gelebt!
    Ganz liebe Grüße schickt euch die Babsi!

    • Andre Schulz

      3. Juni 2018 at 10:35 Antworten

      Danke Babsi, wir freuen uns auch auf Euch! Die tollen Freunde zu Hause sind ein wichtiger Beweggrund für uns, nach Hause zu kommen. LG an Alle

  • Joachim Krotz

    3. Juni 2018 at 0:45 Antworten

    Danke fuer Deinen Ratschlag, ich habe da noch mehrere Fragen. Ausserdem hat mich Deine Solaranlage inspiriert, mit 35 Amp. Leider habe ich mir Deine Anlage nicht angeschaut. Kannst Du nochmal vorbeikommen -; … ich schreibe Dir besser mal ein Email. Liebe Gruesse aus Nassau an alle, auch die Eleonores und natuerlich Robin und Mathis. Eduardo hatte eine super Zeit mit Euch.

    • Andre Schulz

      3. Juni 2018 at 10:37 Antworten

      Moin Joachim, ja! email ist besser! 🙂 Schön, dass die Jungs bei Eduardo so einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Besucht uns, wenn Ihr mal in Deutschland seid. LG Andre

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